Hollywoodstar im Interview
Schauspieler Pedro Pascal über "The Last of Us": "Meine Neffen sind völlig ausgerastet"
Er hat mit seinen 47 Jahren schon ein turbulentes Leben hinter sich. Pedro Pascal verbrachte als chilenischer Flüchtling viele Jahre seiner Kindheit an den unterschiedlichsten Orten der Welt - darunter Dänemark und schließlich die USA. Auch wenn der heutige Hollywoodstar schon früh das Ziel hatte, Schauspieler zu werden, war sein Anfang in der Branche alles andere als leicht. Jahrelang musste er sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser halten, bis er mit Kult-Serien wie "Game of Thrones" und vor allem "Narcos" endgültig in den Olymp der Schauspielstars katapultiert wurde. Aktuell brilliert er zusammen mit der jungen Schauspielerin Bella Ramsay in der Drama-Serie "The Last of Us" (ab 16. Januar zu sehen auf Sky und über WOW), die auf dem gleichnamigen Videospiel von 2013 basiert und eine gefährliche Reise durch ein apokalyptisches Amerika erzählt.

Weser-Kurier: Sie legen in "The Last of Us" eine unglaubliche Performance hin. Wie war die enge Zusammenarbeit mit Bella Ramsay? Immerhin ist Bella erst 19 Jahre alt ...

Pedro Pascal: Unsere Dreharbeiten haben stattgefunden, als die Corona-Pandemie noch ein größeres Thema war. Wir mussten also erst mal in Quarantäne gehen, als wir am Set angekommen sind. Bella und ich kannten uns davor noch nicht. Wir haben uns quasi in der ersten Szene kennengelernt. Von diesem Moment an waren wir unzertrennlich, weil wir auch den Großteil der Serie zusammen gedreht haben.

Weser-Kurier: Hatten Sie jemals Zweifel, dass das Ganze in die Hose gehen könnte?

Pedro Pascal: Ich muss tatsächlich zugeben, dass sowohl Bella als auch ich nervös waren und Angst hatten. Wir wussten ja nicht, ob wir uns wirklich verstehen würden. Dieses Gefühl hat aber ganz gut zu unseren Rollen gebracht, die am Anfang der Geschichte auch noch sehr skeptisch sind, was die gemeinsame Zeit angeht. Unser innerer Druck hat bestimmt dabei geholfen, diese Szenen realistisch darzustellen.

Weser-Kurier: Wie lange hat es gedauert, bis Sie ein Herz und eine Seele waren?

Pedro Pascal: Gefühlt waren es vielleicht nur drei Minuten (lacht). Wir haben uns innerhalb kürzester Zeit verliebt. Sie war immerhin die einzige Person am Set, die mit meinem ständigen Gejammer klargekommen ist. Wenn sie mal nicht in meiner Nähe war, hat etwas gefehlt.

"Ich glaube, meine Familie würde mich verstoßen"

Weser-Kurier: Der Großteil von "The Last of Us" ist düster und angsteinflößend. Wie war es vor der Kamera? Hatten Sie Spaß?

Pedro Pascal: Oh ja! Wir haben nonstop gefeiert (lacht). Wir sind total ausgerastet und haben gefühlt halb Kanada auf den Kopf gestellt.

Weser-Kurier: Auf wen würden Sie in einer Apokalypse vertrauen? Ihre Familie?

Pedro Pascal: Das ist schwierig. Ich glaube, meine Familie würde mich verstoßen, weil ich zu anstrengend bin (lacht).

Weser-Kurier: Wie viel wussten Sie denn vor den Dreharbeiten über das Videospiel, auf dem "The Last of Us" basiert?

Pedro Pascal: Ich hatte zuvor noch nie davon gehört. Als ich die Rolle jedoch in der Tasche hatte, habe ich mich schlau gemacht und war fasziniert von dem Einfluss, den das Spiel seit der Veröffentlichung im Jahr 2013 auf die ganze Welt hatte.

Weser-Kurier: Haben Sie in Ihrer Familie mit der Rolle punkten können?

Pedro Pascal: Absolut! Ich erinnere mich noch, dass ich meine Schwester angerufen habe, bevor ich die Rolle offiziell hatte. Mit ihr im Auto waren damals meine beiden Neffen, die im Teenager-Alter sind. Ich konnte noch nicht einmal den Namen des Videospiels ganz aussprechen, bevor meine Neffen völlig ausgerastet sind. Sie wussten direkt, um was es geht und haben mir zu verstehen gegeben, was für eine großartige Serie es werden könnte. Ich hoffe, ich habe sie jetzt mit dem Endprodukt nicht enttäuscht (grinst).

Weser-Kurier: Das ist schwer vorstellbar! Alleine das Set-Design in "The Last of Us" ist atemberaubend ...

Pedro Pascal: Ich habe noch nie bei etwas mitgewirkt, das so ein aufwendiges Set-Design hatte. Doch nicht nur die Objekte am Set, sondern auch die Sets an sich waren unglaublich. Wir waren auf echten schneebedeckten Bergen, in echten Flüssen und Prärien unterwegs.

Weser-Kurier: Nicht zu vergessen die apokalyptischen Städte ...

Pedro Pascal: Das war wirklich einzigartig! Wir konnten ganze Städte-Blocks für unsere Dreharbeiten nutzen. Und diese Städte-Blocks waren eigentlich bewohnt! Wir haben diese Blocks für die Show so umdekoriert, dass es wie nach einer Apokalypse aussieht. Verrückt, oder?

Weser-Kurier: Welchen Moment werden Sie am Set nie vergessen?

Pedro Pascal: Als Bella und ich uns auf einem verschneiten Berg den Arsch abgefroren und uns gleichzeitig totgelacht haben - obwohl es dafür keinen Grund gab. Vielleicht haben wir aus völliger Erschöpfung und Übermüdung den Verstand verloren (lacht). Immerhin waren wir für ein ganzes Jahr gemeinsam auf diesem verrückten Abenteuer.

Von Rachel Kasuch