Interview zu "I Wanna Dance With Somebody"
Naomie Ackie als Whitney Houston: "Ein völlig absurder Lebensabschnitt!"
Sie spielt die Hauptrolle in der großen neuen Filmbiografie über Musiklegende Whitney Houston: Die britische Schauspielerin Naomi Ackie (30) flog 2019 nicht nur in "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" als Jannah durch die Galaxie, sondern ist darüber hinaus auch als "Lady Macbeth" (2016) bekannt. Aber das wohl größte Abenteuer in ihrer noch jungen Karriere ist die Hauptrolle in "Whitney Houston: I Wanna Dance With Somebody" (ab 22. Dezember im Kino). Immerhin gehört die 2012 verstorbene Houstin zu den größten Stars der Pop-Geschichte; 2006 schaffte sie es sogar als am häufigsten ausgezeichnete Sängerin aller Zeiten ins "Guinness Buch der Rekorde". Ihr Welthit "I Will Always Love You" ist bis heute absoluter Kult. Im Interview spricht Ackie über den immensen Druck, die große Gesangs-Ikone zu verkörpern.

Weser-Kurier: Wann kamen Sie zum ersten Mal mit der Musik von Whitney Houston in Berührung? Waren Sie schon immer ein Fan von ihr?

Naomi Ackie: Absolut, zu einhundert Prozent. Aber ich kann mich zum Beispiel gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum ersten Mal ihre Musik gehört habe. Ich weiß nur, dass ich alle Liedtexte auswendig kenne und seit meiner Kindheit ihre Songs in Dauerschleife höre. Whitney war schon immer ein Teil meines Lebens. Umso stolzer bin ich, jetzt ihre Geschichte erzählen zu können.

Weser-Kurier: Standen Sie unter größerem Druck, weil Whitney Houston Millionen Fans weltweit hat?

Ackie: Dieser unheimliche Druck kam tatsächlich in Wellen. Als wir angefangen haben, zu drehen, habe ich zwar gemerkt, wie der Druck langsam aber sicher verschwindet. Doch natürlich gab es immer wieder schwierige Szenen, die mich nervös machten.

Weser-Kurier: Wie konnten Sie sich von all den Erwartungen frei machen?

Ackie: Am Set hatte ich zum Glück immer wieder Zeit, mich zu sammeln und auf den Boden zurückholen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht mehrmals Hilfe bei meinen Kollegen oder umliegenden Menschen gesucht hätte, um mich zu beruhigen.

Weser-Kurier: Es muss eine unheimlich intensive Zeit für Sie gewesen sein.

Ackie: Oh ja! Immerhin hat jeder Tag für mich damit angefangen, in die Rolle von Whitney Houston zu schlüpfen. Ich musste es jedoch so behandeln, als wäre es ganz normal. Ein völlig absurder Lebensabschnitt!

Sechs Monate Training und Zahnprothesen

Weser-Kurier: Sie haben die Aufgabe mit Bravour gemeistert. Welchen Moment in Whitneys Leben finden Sie im Nachhinein besonders schön und welchen besonders tragisch?

Ackie: Ich fand es wunderschön, mehr über ihre 20-jährige Beziehung und Freundschaft mit Robyn (Crawford, langjährige Whitney-Houston-Assistentin, Anm. d. Red.) zu erfahren. Sie haben sich gegenseitig so geliebt und unterstützt. Am tragischsten fand ich die Beziehung zu ihrem Vater - vor allem am Ende. Es muss unheimlich schwer für sie gewesen sein, mit dem Bruch klarzukommen.

Weser-Kurier: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ackie: Ich hatte im Lockdown zum Glück sehr viel Zeit, mich mit ihr als Person auseinanderzusetzen. Ich habe mir viele YouTube-Videos angesehen, viele Bücher über sie gelesen und Dokumentationen angeschaut. Es war eine intensive Zeit, die insgesamt acht Monate andauerte. Ich habe mich wie in einem Whitney-Camp gefühlt (lacht). Ich musste über die Zeit herausfinden, welche Aspekte in Whitneys Leben besonders interessant für mich waren und mit welchen Aspekten ich mich identifizieren konnte.

Weser-Kurier: Sie haben sechs Monate lang Ihre Stimme trainiert, um den Akzent von Whitney Houston und ihren richtigen Gesangsstil zu treffen. Sie erhielten für Ihre Rolle sogar Zahnprothesen. Was war die größte Herausforderung für Sie?

Ackie: Oh Gott! Die sechs Monate waren auf jeden Fall die größte Herausforderung. Vielleicht war es sogar etwas mehr als das. Es gab während der Vorbereitungszeit zwei Wochen, in denen ich Abstand von dem Drehbuch nehmen musste. Ich habe nämlich das Problem, dass ich mich manchmal zu sehr auf etwas versteife und die Kontrolle über alles behalten will. Davon musste ich mich lösen.

"Zum Glück hat mich niemand beim Singen gehört"

Weser-Kurier: Haben Sie am Set auch zum Playback mitgesungen?

Ackie: Ich habe tatsächlich jeden Song, der im Film zu hören ist, auch selbst gesungen. Aber das Endergebnis hört man am Schluss nicht - und das ist auch richtig so. Es ist klar, dass man Whitney an der Stelle hören will. Mir war es nur wichtig, zum Playback mitzugrölen, damit wir im Falle eines Falles ein Backup haben. Am Set hat mich aber zum Glück niemand beim Singen gehört, weil das Playback mit Absicht sehr laut abgespielt wurde und ich niemanden dazu zwingen wollte, meine schrägen Töne zu hören.

Weser-Kurier: Was können die Zuschauer Ihrer Meinung nach von Whitney Houstons Geschichte lernen?

Ackie: Es gibt so viele Dinge, die man von ihr lernen kann. Wir alle haben unterschiedliche Talente, die uns bei der Geburt in die Wiege gelegt wurden. Wenn wir diese Talente richtig nutzen, können sie uns viel Freude im Leben bereiten. Gleichzeitig können diese Talente auch für Probleme sorgen. Whitney hatte ein echtes Talent dafür, ihre Ausnahmestimme einzusetzen. Sie wusste genau, was sie mit ihrer Stimme zu tun hat. Es war ihr Instrument, um mit Menschen weltweit zu kommunizieren. Das ist sehr inspirierend - gerade für junge Talente, die gerade noch am Anfang stehen.

Von Rachel Kasuch