Zur neuen Serie "Ze Network"
David Hasselhoff im Interview: "Nun kann ich endlich zeigen, was ich draufhabe"
Für den Fall der Berliner Mauer ist er nicht verantwortlich, das betonte David Hasselhoff in der Vergangenheit immer wieder. Auch im Interview zu seiner neuen Serie "Ze Network" (abrufbar ab 1. November bei RTL+) war es dem humorvollen 70-Jährigen ein Anliegen, etwaige Gerüchte bereits im Vorfeld aus der Welt zu schaffen: Er sei kein Geheimagent - auch, wenn dieser Eindruck angesichts der Handlung der von Syrreal Entertainment für RTL+ und CBS Studios produzierten Action-Comedy durchaus entstehen könnte. In der achtteiligen Serie, die der Streamingdienst als "schwarzhumorigen Agententhriller" bezeichnet, geht es um Hasselhoff, der sich selbst spielt und erfolgreicheren Zeiten hinterhertrauert. Wie gut, dass er ein Angebot eines Theaters in Ost-Berlin - eigentlich Görlitz, wie der enttäuschte "Baywatch"-Star wenig später feststellen muss - bekommt. Für die Hauptrolle, versteht sich, während die zweite Hauptrolle Henry Hübchen übernimmt. Doch kaum ist er in Deutschland angekommen, wird Hasselhoff in eine internationale Agentenverschwörung verwickelt.

Weser-Kurier: Herr Hasselhoff, immer wieder zieht es Sie nach Deutschland - zumindest beruflich. Haben Sie schon in Erwägung gezogen, auch Ihr Privatleben hierher zu verlegen?

David Hasselhoff: So einfach ist das leider nicht. Ich habe zum Beispiel schon überlegt, nach New York zu ziehen, aber die Arbeit und die Meetings sind eben in Los Angeles. Um ehrlich zu sein: Mir gefällt der Gedanke trotzdem, meine Heimatstadt Calabasas hinter mir zu lassen.

Weser-Kurier: Heutzutage lassen sich Meetings doch auch per Internet abhalten.

Hasselhoff: Das stimmt! Es würde mich schon reizen, nach Deutschland, Österreich oder vielleicht auch in die Schweiz zu ziehen. Irgendwohin, wo ich nicht gefunden werden kann (lacht).

Weser-Kurier: Wünschen Sie sich manchmal, nicht erkannt zu werden?

Hasselhoff: Ach, ich liebe meine Fans und spreche gerne mit ihnen. Außerdem muss ich in Deutschland genauso oft Autogramme geben wie in den Vereinigten Staaten. Flüchten möchte ich vor allem vor langweiligen Konferenzen. Manchmal wäre es aber schon verlockend, in Abgeschiedenheit zu leben.

Weser-Kurier: Welche Orte kämen denn für einen Umzug nach Deutschland infrage?

Hasselhoff: Wahrscheinlich würde an dieser Stelle jeder erwarten, dass ich Berlin nenne. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Berlin natürlich! Dorthin zieht es mich auch immer wieder, weil ich so viel damit verbinde. In Deutschland gibt es aber auch sehr viel andere tolle Orte.

Weser-Kurier: Zum Beispiel?

Hasselhoff: München! Auch Leipzig ist nach dem Fall der Mauer eine so schöne Stadt geworden. Ich war wirklich schon überall. Beim "Ze Network"-Dreh war ich zum ersten Mal in Görlitz, dort habe ich mich auch sofort wohlgefühlt. Der Osten hat es mir eben schon immer angetan.

"Ich habe schon ein paarmal auf Deutsch gesungen, das war total schwierig"

Weser-Kurier: Die Serie wurde sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gedreht. War die Sprachbarriere am Set groß?

Hasselhoff: Nein. Dass alle so gut die englische Sprache beherrschten, war für mich unglaublich. Ich habe schon ein paarmal auf Deutsch gesungen, das war total schwierig. Mich fasziniert es jedes Mal aufs Neue, dass die Menschen hier so problemlos in einer Zweitsprache plaudern können. In den USA ist das nicht der Fall. Auch beim Dreh sprachen wirklich alle Englisch - außer Henry Hübchen (lacht).

Weser-Kurier: In der Serie selbst spricht allerdings auch er Englisch.

Hasselhoff: Klar, "Ze Network" soll ja auch außerhalb Deutschlands gezeigt werden. Ich habe darauf geachtet, dass in meinem Vertrag steht, dass die Serie auf Englisch gedreht wird. Für Henry galt das wohl zumindest während der Drehpausen nicht. Er war die einzige Person, die sich das erlauben konnte. Ich spreche selbst kein Deutsch, also habe ich ihm das nicht übelgenommen. Außerdem hat der Dreh mit ihm wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Weser-Kurier: Wie konnten Sie miteinander kommunizieren?

Hasselhoff: Ein Script Supervisor hat übersetzt, was ich zu Henry gesagt habe und umgekehrt. Irgendwie hat das funktioniert. Ich weiß bis heute nicht genau, wie. Es war auf jeden Fall sehr lustig!

"Die Dreharbeiten waren häufig sehr verwirrend für mich"

Weser-Kurier: In "Ze Network" spielen Sie sich selbst - und wissen meistens nicht, was überhaupt vor sich geht. Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?

Hasselhoff: Die Serie wurde nicht in der richtigen Reihenfolge der Episoden gedreht, deshalb waren die Dreharbeiten häufig sehr verwirrend für mich! Unser Regisseur, Christian Alvart, sagte mir aber, ich soll mich einfach darauf einlassen. Das hat ganz gut funktioniert. Im Nachhinein ergibt nun auch alles Sinn (lacht).

Weser-Kurier: Die Erzählweise von "Ze Network" ist tatsächlich eher ungewöhnlich. Auch für den Zuschauer verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ...

Hasselhoff: Das macht die Serie so besonders. Sie mag am Anfang sehr schräg sein, doch es lohnt sich, dranzubleiben. Die Geschichte ist großartig und vermutlich die innovativste Produktion, an der ich je beteiligt war. Zudem ist der gesamte Cast großartig. Hoffentlich wird die Serie alle beteiligten deutschen Schauspielerinnen und Schauspieler weltweit berühmt machen.

Weser-Kurier: Was dachten Sie, als Sie einen ersten Blick ins Drehbuch geworfen haben?

Hasselhoff: Zuerst war ich nicht sonderlich begeistert von dem Projekt. Dann habe ich weitergelesen - und habe meine Meinung schnell geändert. Ich hoffe sehr, dass die Serie gut ankommt, weil ich selbst voll und ganz überzeugt davon bin. Ich möchte damit vor allem junge Leute beeindrucken. Die Alten kennen mich ohnehin schon (lacht).

"Aus meinem Umfeld bekomme ich immer wieder zu hören, dass ich verrückt bin"

Weser-Kurier: Sie selbst haben im Sommer Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Haben Sie jemals daran gedacht, sich zur Ruhe zu setzen?

Hasselhoff: Nicht wirklich. Eigentlich will ich es halten wie Mick Jagger oder Paul McCartney, die trotz ihres Alters noch immer auf der Bühne herumspringen. Mick Jagger kenne ich zwar nicht persönlich, dafür aber McCartney, der übrigens ein sehr netter Kerl ist. Sein Motto lautet, niemals aufzugeben. Das sehe ich ähnlich.

Weser-Kurier: Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Hasselhoff: Ich habe eine große Leidenschaft für das, was ich tue. Aus meinem Umfeld bekomme ich immer wieder zu hören, dass ich verrückt bin.

Weser-Kurier: Warum?

Hasselhoff: Weil ich immer alles gebe. Das unterscheidet mich von vielen anderen: Ich bin nicht einfach nur ein Star, sondern ich lebe meinen Traum. Wenn ich mal keinen Antrieb habe, denke ich an meine Fans und daran, was sie mir zurückgeben. Außerdem habe ich eine jüngere Ehefrau, das hält ebenfalls fit (lacht).

"Ich stehe erst am Anfang"

Weser-Kurier: Gibt es im Rückblick auf Ihre Karriere etwas, das Sie aus heutiger Sicht anders tun würden?

Hasselhoff: Auf keinen Fall! Ich bin froh über alle Chancen, die mir im Laufe meines Lebens gegeben wurden. Jetzt geht es aber erst richtig los.

Weser-Kurier: Wie meinen Sie das?

Hasselhoff: Ich stehe erst am Anfang! Ich beginne gerade erst damit, mich als richtiger Schauspieler zu beweisen.

Weser-Kurier: Dabei feierten Sie bereits vor Jahrzehnten große Erfolge vor der Kamera.

Hasselhoff: Für mich ist es das größte Kompliment, wenn Leute sich nicht nur für "Baywatch" und "Knight Rider" interessieren, sondern auch für meine neuen Projekte. Ich habe sehr viel an mir und meinen Fähigkeiten gearbeitet in den vergangenen Jahren. Nun kann ich endlich zeigen, was ich draufhabe. Insofern ist "Ze Network" auch eine Hommage an mich und mein Talent.

Weser-Kurier: Ohne Sie gäbe es die Serie auch gar nicht.

Hasselhoff: Das stimmt, die Handlung beruht auch auf meiner ganz persönlichen Lebensgeschichte und meiner besonderen Verbindung zum Mauerfall. Nichtsdestotrotz spiele ich nur eine Rolle, die natürlich nicht hundertprozentig mir selbst entspricht. Ein Geheimagent bin ich im echten Leben nicht (lacht). Zudem steckt ein großes, wunderbares Team hinter der Produktion, das die Serie überhaupt erst möglich gemacht hat.

Von Franziska Wenzlick