Happy Birthday, "Terminator"!
Vom Steirerbua zum Weltgewissen: Arnold Schwarzenegger wird 75
Kaum vorstellbar, dass diese Naturgewalt wirklich schon 75 Jahre alt wird. Arnold Schwarzenegger wäre derzeit wohl der Lieblingspräsident der USA - wenn sich seine weltweite Fangemeinde dafür entscheiden dürfte. Nach seiner glänzenden Bodybuilder- und seiner beispiellosen Filmkarriere (die immer noch nicht beendet ist) setzte er mit der Übernahme öffentlicher Verantwortung seiner Biografie die Krone auf.

Der ehemalige "Steirerbua", der am 30. Juli vor 75 Jahren zur Welt kam und es aus der kleinen Marktgemeinde Thal in der Nähe von Graz bis nach Hollywood und schließlich in die allerhöchsten Kreise schaffte, war von 2003 bis 2011 38. Gouverneur von Kalifornien. Noch heute ist Arnie eine der wenigen prominenten Stimmen, die es öffentlichkeitswirksam wagen, sich nicht nur mit Donald Trump - vor, nach und während dessen unrühmlicher Amtszeit als US-Präsident -, sondern aktuell auch sehr dezidiert mit Wladimir Putin anzulegen. Der ehemalige "Governator" zeigt Haltung - auch in den sozialen Medien.

Meister der politschen Rhetorik

Im März, wenige Tage, nachdem der russische Präsident, den längst weite Teile der Weltbevölkerung für einen gewissenlosen Kriegsverbrecher halten, seinen Angriff auf die Ukraine startete, richtete Schwarzenegger eine bewegende Botschaft auch an seine vielen russischen Fans. Die knapp neunminütige Botschaft, die Schwarzenegger über die sozialen Netzwerke in Umlauf brachte, appellierte an die Mitmenschlichkeit auch vieler Russen im Angesichts des Grauens - und sollte der staatlichen Kreml-Propaganda und deren gefährlichen Verharmlosungen und Lügen entgegenwirken.

Die Rede, in der auch Schwarzenegger selbst von seinem Vater erzählte, der als österreichischer Wehrmachtssoldat für Nazi-Deutschland in Stalingrad kämpfte und als gebrochener, tief geläuterter Mann aus dem Krieg zurückkehrte, wurde weltweit breit zitiert und in Windeseile geteilt. Und in den Medien fand sie viel Lob. Auf Spiegel.de war etwa von Arnold Schwarzeneggers Twitter-Rede als einem "Meisterwerk der politischen Rhetorik" die Rede.

Was tatsächlich besonders geschickt war: Ganz der weise Staatsmann klagte er nicht "die Russen" an - ganz im Gegenteil. Schwarzenegger schilderte seine Liebe zu Russland. Und die begann schon früh: Dann nämlich, als der junge Steierer als Kind für den russischen Gewichtheber Juri Petrowitsch Wlassow schwärmte. Den damals "stärksten Mann der Welt" habe er als 14-Jähriger im Jahr 1961 dann sogar persönlich kennengelernt - bei den Weltmeisterschaften in Wien, wo Wlassow den Titel holte, der er als erster Mensch 200 Kilo stemmte. Wlassow gab Arnie am Rande des Sportwettkampfs die Hand. "Ich habe diesen Tag niemals vergessen."

Späte Anerkennung auch im Feuilleton

Während Schwarzenegger für seine Muskel-Filme vormals oft auch belächelt wurde, hat längst die Zustimmung selbst der Edelfedern des Feuilletons auf seiner Seite. Dass er die Mechanismen von Rhetorik und Schauspielerei aus dem Effeff beherrscht, zeigt sich immer wieder. So schon zuvor, als er ebenfalls in einer Video-Botschaft die anti-demokratischen Auswüchse beim vom Trump mitangezettelten unsäglichen Sturm auf das Kapitol in Washington geißelte - und damals mit dem "Conan"-Schwert drohte.

Der Schalk im Nacken sitzt Arnie gelegentlich nämlich auch nach wie vor. Und er hat die unter vermeintlichen Testosteron-Machos eher nicht allzu oft anzutreffende Gabe, sich im richtigen Moment auch einmal selbst auf den Arm zu nehmen. So "elektrisierte" er viele Fans in einem viel beachteten Auto-Werbespot, der während des TV-Großereignisses Superbowl erstmalig ausgestrahlt wurde, als er sich als eher tatterig-verpeilter, denn allmächtiger Göttervater und Energieblitze-Schwingern zeigte.

Ohne Schweiß - kein Preis

Was man heute womöglich gerne mal ein wenig vergisst: Schwarzeneggers Weltkarriere mit Blockbustern wie der "Terminator"-Reihe, "Red Heat", "True Lies" bis hin zu "The Expandables" - inklusive seines zweiten Neustarts als Gewissen nicht nur der US-amerikanischen Nation, fußt auf harter Arbeit mit schweren Gewichten. Arnold Schwarzenegger war am Anfang seiner Karriere ein ehrgeiziger, hoch veranlagter Kraftsportler, der bereit war, sich im Training bis an die Grenzen zu quälen.

Wie großartig und stolz sich der später siebenfache Mr. Olympia einst in seinem Bodybuilder-Körper gefühlt haben muss und wie toll sich für ihn die bewundernden Blicke, die über seinen bis auf wenig Textil im Schritt fast komplett nackte Muskelskulptur streiften, angefühlt haben, sieht man etwa in der Film gewordenen Fleischbeschau "Pumping Iron". Das bereits Ende der 70er-Jahre entstandene Doku-Drama hatte einst eine weltweite Fitnesswelle ins Rollen gebracht.

Ohne Fleiß und Entbehrung wäre das nie möglich gewesen: Ohne Schweiß - kein Preis. Das weiß Arnie, der Schauspieler, der Politiker, der Weltmann, auch heute noch.

Der Sender Kabel Eins ehrt Arnold Schwarzenegger mit einem Themenabend: Dort läuft am Montag, 1. August, um 22.40 Uhr, die Dokumentation "Die Arnold Schwarzenegger Story". Zuvor kracht es um 20.15 Uhr im Film "Total Recall - Die totale Erinnerung", später folgt um 23.45 Uhr noch der Klassiker "Terminator". Beim Tele 5 läuft schon am Samstag, 30. August, um 20.15 Uhr der Arnie-Film "Der City Hai", um 22.20 Uhr folgt dort "Vendetta - Alles was ihm blieb war Rache" aus dem Jahr 2017. Und auch das ZDF ehrt den Jubilar: In der Nacht zum Sonntag, 31. Juli, zeigt der Sender etwas versteckt im Spätprogramm um 1.50 Uhr den humorvollen Actionfilm "Last Action Hero".

Von Rupert Sommer