Hollywood-Legende
Pionier, Perfektionist, Playboy: Warren Beatty wird 85
Ein bisschen unfair ist es schon. In den letzten 25 Jahren machte sich Schauspieler und Regisseur Warren Beatty weitestgehend rar in Hollywood - wenn er sich aber zu Wort oder auf der Leinwand zurückmeldete, lief es alles andere als gut. 2017 produzierte er mit einem Fauxpas bei der Oscar-Verleihung Schlagzeilen, als er, weil man ihm einen falschen Umschlag reichte, den falschen Film als Gewinner verkündete. Im Jahr zuvor hatte sein (bislang letzter) Film, "Gegen alle Regeln" nur mittelmäßige Kritiken erhalten und war weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, nachdem er zuvor für seine Rolle in der romantischen Komödie "Stadt, Land, Kuss" (2001) sogar für den Schmähpreis "Goldene Himbeere" nominiert gewesen war. Ob der Oscar-Preisträger, der am 30. März seinen 85. Geburtstag feiert, noch einmal an seine frühen Glanzzeiten anknüpfen kann?

Neue Projekte sind bislang nicht in Planung - und nötig hätte er sie auch nicht: Ungeachtet seiner letzten, weniger erfolgreichen Auftritte darf Warren Beatty als absolute Hollywood-Legende gelten. Bei den zahlreichen Auszeichnungen, die er in seiner fast 60-jährigen Karriere erhielt, sticht vor allem eine Tatsache hervor: Niemand außer ihm stand jemals viermal für einen Film auf der Oscar-Vorschlagsliste. Beatty war sowohl für "Der Himmel kann warten" (1978) als auch für "Reds" (1981) als bester Schauspieler und Regisseur, als Drehbuchautor und Produzent nominiert. Für Letzteren gewann er dann auch den Preis für die beste Regie.

Pionier der "New Hollywood"-Ära

Dass er nicht nur als Schauspieler tätig war, erklärt sich mit seiner Persönlichkeit: Beatty gilt als absoluter Perfektionist. "Er fühlt sich hinter der Kamera wohler", erklärte seine ältere Schwester, Schauspielerin Shirley MacLaine, einst in einem Interview. "Er muss immer die Kontrolle über alles haben." Dabei verfolgte der in Richmond, Virginia geborene Sohn eines Schuldirektors und einer Schauspiellehrerin nach eigener Aussage zunächst keine ambitionierten Ziele: Während seines Studiums in New York habe er nur auf Vorschlag hin Schauspielunterricht bei Stella Adler, der Lehrerin von Marlon Brando, genommen. Er selbst sei nur ein "Football-Redneck aus Virginia" gewesen, der keine Ahnung gehabt hätte, erzählte er 2016 der "Vanity Fair".

Seine Karriere nahm dann aber schnell Fahrt auf: Nach einigen kleineren TV-Auftritt und der Hauptrolle in einem Broadway-Theaterstück gelang ihm gleich mit seinem ersten Film der Durchbruch in Hollywood: Für seine Rolle in "Fieber im Blut" (1961) wurde der damals 24-jährige Newcomer sogar für einen Golden Globe vorgeschlagen. Sechs Jahre später sollten die ersten Oscar-Nominierungen folgen: In "Bonnie und Clyde" (1967) spielte Warren Beatty nicht nur die Hauptrolle, er agierte auch erstmals auch als Produzent und nahm maßgeblichen Anteil an der Entstehung des Films. Das Gangster-Drama half zudem dabei, eine neue Ära einzuleiten: Die Regisseure und Autoren des "New Hollywood" erarbeiteten sich mehr künstlerische Freiheiten und machten in ihren Filmen Außenseiter zu Helden, übten Gesellschaftskritik und brachen mit vermeintlichen Konventionen.

Warren Beatty: Vom Frauenschwarm zum Familienvater

"Bonnie und Clyde" ließ Warren Beatty endgültig zu einem der begehrtesten Schauspieler in Hollywood werden - in jeder Hinsicht. Rollen im Westernklassiker "Zwei Banditen" (1969) und Erotik-Drama "Der letzte Tango in Paris" (1972) konnte er ablehnen, berüchtigt war sein Ruf als Frauenschwarm. Mit Filmpartnerinnen wie Natalie Wood, Julie Christie und Diane Keaton war er länger er liiert, Affären mit Isabelle Adjani, Brigitte Bardot, Cher, Britt Eklund, Goldie Hawn, Elle Macpherson, Madonna, Diana Ross, Barbra Streisand und zahlreichen weiteren prominenten Frauen werden ihm nachgesagt.

Die viel kolportierte Aussage, dass er mit 13.000 Frauen geschlafen haben soll, wie in einer - nicht autorisierten - Biografie behauptet wurde, nimmt Beatty mit Humor - und machte eine Rechnung auf. Er sei in einem streng-katholischen Elternhaus aufgewachsen und bis zu seinem 20. Lebensjahr Jungfrau gewesen und zudem seit Anfang der 90er-Jahre glücklich verheiratet, erklärte er gegenüber "Vanity Fair": "Ich hätte täglich also mit drei, vier Frauen zusammen sein müssen - und mit niemandem zweimal, jemals!"

Seit 30 Jahren ist Beatty mit Annette Bening verheiratet, die er am Set von "Dick Tracy" (1990) kennenlernte, das Paar hat vier gemeinsame Kinder. Seine Familie ist auch der Grund, warum der einstige Hollywood-Star nur selten auf der Leinwand zu sehen war: Er habe "vier kleine osteuropäische Länder, die bei uns zu Hause leben", um die er sich kümmere, sagte Beatty der "Vanity Fair. Er könne sein "Leben leben, anstatt ständig über Kabel zu stolpern" und müsse glücklicherweise nicht mehr aus finanziellen Gründen einen Film nach dem anderen drehen. Und er scheint mehr als zufrieden damit zu sein: "Manchmal übernimmt einfach das Leben die Regie, und das hat es mit vier Kindern, in einer wundervollen Art und Weise, die ich mir früher nicht hätte vorstellen können."

Von teleschau