Deutscher Schauspieler
Der Streitlustige: Moritz Bleibtreu wird 50
"Welche Rolle hatte Moritz Bleibtreu?", fragte der "Tagesspiegel" im Mai im Rahmen einer längeren Recherche zur umstrittenen "allesdichtmachen"-Kampagne. Mehrere deutsche Filmschaffende hatten kurz zuvor Videos veröffentlicht, in denen sie sich mit den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auseinandersetzen - kritisch, aber in den Augen vieler Betrachter eben auch zynisch angesichts des Leids, das die Pandemie über die Menschen gebracht hat.

Volker Bruch, Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur und Dutzende weitere hatten sich an der Aktion beteiligt - von Bleibtreu aber, der am 13. August 50 Jahre alt wird, fand sich kein Video auf der Kampagnenseite. Dennoch soll er Teil von "allesdichtmachen" gewesen sein, so die Recherche.

"Ich wurde für die Aktion angefragt und stand eine Zeit lang mit mehreren Kollegen dazu im Dialog", ließ Bleibtreu dem "Tagesspiegel" mitteilen. "Schlussendlich habe ich mich dazu entschlossen, die Aktion nicht zu unterstützen. Mich betrübt die aus der Aktion resultierende Stimmung sehr, und ich würde mir ein friedlicheres Miteinander wünschen."

"Deutscher Film wird immer Regionalliga sein"

Wer Interviews mit dem Schauspieler aus der jüngeren Vergangenheit liest, erlebt freilich einen deutlich angriffslustigeren Moritz Bleibtreu. Dass der deutsche Film in seinen Augen so schlecht sei, beantwortete Bleibtreu im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau mit einem Rundumschlag: "Bei unserer kaputten nationalen Identität ist das leider nicht anders möglich", sagte er anlässlich der Vorstellung seines Films "Cortex", der im vergangenen Herbst in die Kinos kam.

"Anhand von Ländern wie Dänemark oder Frankreich erkennt man, dass es auch anders geht", so Bleibtreu weiter. "Wir haben einfach den Zugang zu unserer kulturellen Identität verloren. Und wir haben es verlernt, von Heldenfiguren zu erzählen, mit denen sich die Leute wirklich aufrichtig identifizieren und die sie bewundern." Bleibtreus düstere Analyse: "Deutscher Film wird immer Regionalliga sein."

Dass aber auch die Regionalliga hin und wieder spektakuläre Hingucker hervorbringen kann, bewies Bleibtreu selbst: "Cortex", ein Thriller im Stil von Christopher Nolan, war der erste Film des Münchners, für den er nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera stand. Und auch wenn die Zuschauerzahlen von Bleibtreus Regiedebüt coronabedingt gering waren (kurz nach Start mussten die Kinos schließen), die Kritiker mochten das abgedrehte Werk. "Es war mir wichtig, einen Film zu machen, der mich so definiert, wie ich mich selbst als Geschichtenerzähler sehe. Denn der erste Film als Regisseur ist eine Visitenkarte. Jeder, der mich kennt, weiß, in diesem Film steckt viel von mir drin", sagte Bleibtreu damals.

Bleibtreu als Fälscher der Hitler-Tagebücher

Was als Schauspieler in ihm steckt, das muss Bleibtreu freilich längst niemandem mehr beweisen. Der Sohn der Schauspielerin Monica Bleibtreu und des Schauspielers Hans Brenner war seit den 90-ern in einigen der erfolgreichsten deutschen Produktionen zu sehen - "Knockin' on Heaven's Door", "Lola rennt", "Das Experiment", "Elementarteilchen" -, spielte in "Der Baader Meinhof Komplex" den RAF-Terroristen Andreas Baader und übernahm kleinere Parts in Hollywood-Produktionen wie Steven Spielbergs "München" und an der Seite von Brad Pitt in "World War Z".

Zuletzt stand Bleibtreu vor der Kamera von Wolfgang Groos und Tobi Baumann. Mit den beiden Regisseuren drehte er für den RTL-Streamingdienst TVNOW die Serie "Faking Hitler", die Ende des Jahres gezeigt werden soll. Bleibtreu spielt darin Konrad Kujau, jenen Mann, der 1983 als Fälscher der Hitler-Tagebücher für einen Medienskandal gesorgt hatte.

Auch sonst wird man einiges sehen von Moritz Bleibtreu in den nächsten Monaten. An Weihnachten soll "Caveman - Der Kinofilm" anlaufen, eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Rob Becker, in der Bleibtreu an der Seite von Wotan Wilke Möhring und Laura Tonke spielt. Für SAT.1 und den Streamingdienst Joyn drehte Bleibtreu außerdem die Serie "Blackout" nach dem Bestseller von Marc Elsberg. Zudem ist angekündigt, dass er in Oliver Hirschbiegels "Das Engelsgesicht" einen Auftragskiller der Mafia verkörpern wird. "Regionalliga", so scheint es, kann hin und wieder doch ganz spannend sein.

Von Sven Hauberg