Vor 40 Jahren starb Zarah Leander
"Die Menschen wollen Liebe"
Würde man sie heute noch beachten? Würde sie wieder dieses Einzigartige in sich haben, dieses Faszinierende bei all dem, was sie tat, dieses Majestätische in jeder Geste? Würden wir uns umdrehen, wenn wir diese tiefe Stimme hören könnten? Wahrscheinlich nicht.

Die Zeiten lassen keine Divas mehr zu, wie einst Zarah Lander eine war. Vor 40 Jahren, am 23. Juni 1981, starb sie an den Folgen ihres zweiten Schlaganfalls. Schon seit 1978 hatte sie ihre Zeit manchmal ohnmächtig, sprachgestört, im Rollstuhl verbracht. Ein menschlicher Tod für die Göttliche, über die ihr Entdecker, der Regisseur Carl Froelich, einst sagte: "Sie ist mir als Darstellerin lieber als die Garbo. Sie ist noch viel unbewusster und ursprünglicher." Beigesetzt wurde sie auf dem Kirchfriedhof in Häradshammar in Östergötland. Dort erinnert seit 2007 auch ein Museum an sie.

Nur selten sieht man heute noch einen Leander-Film. Kein Wunder, denn es waren gerade einmal fünf Jahre und zehn Werke, die der gebürtigen Schwedin zum Ruhme und zur Unsterblichkeit verhalfen. Schon mit 14 hatte sie sich nach einer Peer-Gynt-Vorstellung entschlossen, Schauspielerin zu werden. Nach einigen Auftritten als Operettenstar in Schweden entdeckte sie Froelich für ihren ersten deutschen Film: "Zu neuen Ufern" (1937). Die Leander erstrahlte an der Seite von Willy Birgel und Victor Staal und sang drei Lieder: das melancholische "Ich steh' im Regen", das selbstbewusste "Yes, Sir" und das verhaltene "Ich habe eine tiefe Sehnsucht in mir". Deutschland begann sie zu lieben.

Zarah Leander und die Nazizeit

Deutschland in den 30-ern - das war auch Goebbels, der ihr zu Füßen lag. Während des Krieges machte sie Millionen. Ihre Energie und ihre Kraft hatten es den Nazi-Führern angetan. Doch dann forderte man sie auf, deutsche Staatsbürgerin zu werden. Sie legte sich mit Goebbels an und nutzte einen Urlaub in Schweden, um dort zu bleiben.

Es dauerte lange, bis ihr die Deutschen nach dem Krieg ihre Bindung zum Regime verziehen, und einige taten es nie. Doch nach mageren Jahren, die sie zwar finanziell unabhängig, aber recht erfolglos auf einem Gutshof in der Nähe von Stockholm verbrachte, gelangen ihr an der Seite des Pianisten Arne Huelpers, der später ihr dritter Mann wurde, gefeierte Tourneen. Sie besang das, was die Leute hören wollten, sang von Trost, Liebe und Hoffnung. "Die Menschen wollen zu 90 Prozent Liebe und höchstens zu zehn Prozent Politik", lautete ihre Formel.

Würde man sie heute noch beachten? Warum beachtete man sie damals? Ihres Aussehens wegen oder wegen des Charakters? - Ist es nicht sogar so, dass es eine Figur wie Zarah Leander nie mehr geben könnte, selbst wenn eine all das in und an sich tragen würde? Unsere schrille Zeit wird niemanden wie sie mehr sehen. Da bleibt nur die Hoffnung auf Wunder, die irgendwann einmal geschehen.

Von Tom Ruder