Interview zum 60. Geburtstag
George Clooney: "Man muss lachen können - die Welt ist schon verbissen genug"
Vom US-Magazin "People" wurde er einst zum "Sexiest Man Alive" gekürt. Mittlerweile ist George Clooney nicht nur liebender Ehemann, sondern auch leidenschaftlicher Zweifach-Papa. Der Hollywoodstar scheint angekommen zu sein und strahlt bei öffentlichen Auftritten eine unglaubliche Zufriedenheit aus. Ob es an seiner Ehe mit Amal (43) liegt - oder an seiner Reife? Immerhin feiert George am heutigen Donnerstag, 6. Mai, seinen 60. Geburtstag. Ein unfassbarer Meilenstein - George Clooney gilt noch heute als einer der gutaussehendsten Männern Hollywoods. Sein Image als ewiger Womanizer hat er auch seinen vielfältigen Filmrollen zu verdanken. Ob in "Batman & Robin" (derzeit, wie viele weitere DC Hits, auf Sky und Sky Ticket zu sehen) oder in der "Ocean's Eleven"-Reihe: Der frischgebackene 60-Jährige kann auf eine einzigartige Karriere zurückblicken. Im exklusiven Interview sprach George Clooney anlässlich seines Geburtstags unter anderem über den Job, die Liebe und auch über seine Ängste.

Weser-Kurier: Sie gehören zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Welt. Haben Sie überhaupt noch ein Privatleben?

George Clooney: Es gibt wenig in meinem Leben, das noch privat ist. Es gibt viele Einschränkungen, die der Ruhm mit sich bringt. Ich bin zum Beispiel schon seit 15 Jahren nicht mehr im New Yorker Central Park spazieren gegangen.

telschau: In Ihrem Haus am Comer See scheint das mit der Privatheit aber anders zu sein ...

Clooney (zögert): Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag auf dem Boot im Wasser verbringen, ein Buch lesen und die Ruhe genießen. Doch leider mögen auch die Fotografen das Boot und das Wasser (lacht).

Weser-Kurier: Glauben Sie, dass dies heute schlimmer ist als früher?

Clooney: Natürlich. Früher wusste die ganze Welt nicht sofort, was ein Schauspieler gerade macht. Das Internet hat diese Schutzhülle zerstört. Ich bin der Meinung, dass ein Promi sein Leben nicht auf Twitter teilen sollte. Das Schlimmste, das einem passieren kann, ist, dass man nach Hause kommt, einen zu viel getrunken hat und seinen Gefühlen auf Twitter freien Lauf lässt. Dann geht man schlafen, und wenn man morgens aufwacht, ist die Karriere beendet (lacht).

"Ich finde talentierte Leute einfach toll"

Weser-Kurier: Sie scheinen ein Multitalent zu sein. Sie schreiben Drehbücher, sind Regisseur und engagieren sich für gute Zwecke ...

Clooney: Ja. Es gibt vieles im Leben, das man tun kann - und ich versuche, alles unter einen Hut zu bringen. Ich will mehr und mehr schreiben und als Regisseur tätig sein. Je älter ich werde, desto weniger möchte ich auf der Leinwand zu sehen sein. Ich stehe lieber hinter der Kamera.

Weser-Kurier: Wieso das?

Clooney: Weil ich es persönlich kreativer finde, hinter der Kamera tätig zu sein.

Weser-Kurier: Gibt es auch noch etwas, das sie einschüchtert?

Clooney: Natürlich. Wenn ich am Set bin und einen Schauspieler mit großem Talent sehe, bewundere ich ihn. Ich finde talentierte Leute einfach toll. Aber ich glaube auch, dass es grundsätzlich gesund ist, einen gewissen Respekt seinen Mitmenschen gegenüber zu haben.

Weser-Kurier: Werden Sie beim Drehen denn noch nervös?

Clooney: Immer. Vor allem am Anfang der Dreharbeiten. Es kann so viel schiefgehen ... Deswegen, ein klares Ja.

"Bei uns am Set geht es immer lustig zu"

Weser-Kurier: Auf was muss ein Schauspieler achten, wenn er zu Ihnen als Regisseur ans Set kommt?

Clooney: Ich bin kein schlechter Boss - zumindest glaube ich das. Bei uns am Set geht es immer lustig zu. Man muss lachen können - die Welt ist schon verbissen genug. Wir haben tolle Leute in unserem Team, und ein Drehtag bei uns ist immer mit viel Spaß verbunden.

Weser-Kurier: Wie sieht es mit dem Ruhestand aus? Denken Sie nicht manchmal: "Ich lass mir meinen Bart wachsen und werde den Comer See nie wieder verlassen"?

Clooney: Nur wenn ich zu viel Wodka getrunken habe (lacht). Spaß beiseite, jeder weiß, dass seine Zeit irgendwann mal abgelaufen ist. Momentan halte ich noch die Schlüssel zu dieser Ruhm-Box, und solange ich die Möglichkeit dazu habe, versuche ich, Filme zu drehen. Irgendwann - und dieser Tag wird kommen - werde ich mein Haus in Italien verkaufen und mich irgendwohin zurückziehen.

Weser-Kurier: Hat sich Ihre Zukunftsvision seit Ihrer Hochzeit mit Amal verändert?

Clooney: Irgendwie hatte ich immer diesen Gedanken, wie es später einmal wird. Aber natürlich hat sich mein Plan für die Zukunft mittlerweile vollkommen verändert. Ich bin sehr optimistisch (grinst).

Weser-Kurier: Sie sind also glücklich?

Clooney: Das kann man so sagen. Ich wusste ziemlich schnell, dass Amal die Richtige für mich ist. Ich finde sie so intelligent und lustig. Ich liebe ihr Wesen, und immer, wenn ich sie in ihrer Arbeitskleidung sehe, bin ich super stolz auf sie.

Von Rachel Kasuch