"Star Trek"-Star
"Star Trek"-Star
William Shatner wird 90: Captain! My Captain!
Der Mann, der wohl bis ans Ende seiner Tage mit einer Rolle identifiziert werden wird, nämlich der des feschen Captain James Tiberius Kirk, Kommandant auf der Brücke des "Raumschiff Enterprise", führt ein Leben als wandelndes Selbstzitat. Selbst in seiner besten Altersrolle, als Schwerenöter-Anwalt in der Serie "Boston Legal", machte sein Klapphandy genau den Ton, den der intergalaktische "Kommunikator" einst beim Öffnen von sich gab.

Schwer zu sagen, wo Shatner, der am 22. März 90 Jahre alt wird, ohne "Star Trek" heute wäre. Eine globale Ikone, eines der bekanntesten Gesichter der Film- und Fernsehgeschichte, wäre er wohl eher nicht. Dabei war "Raumschiff Enterprise", als 1966 die erste Folge im US-Fernsehen lief, alles andere als ein Selbstläufer. "Es war damals überhaupt nicht abzusehen, dass 'Star Trek' diese Popularität erreichen würde", sagte Shatner vor ein paar Jahren im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. Damals war er nach Frankfurt gereist, um auf der Convention "Destination Star Trek" über - genau - seine Rolle als Captain Kirk zu sprechen.

Von Dostojewski zu "Star Trek"

"Die Serie lief nur drei Jahre", erinnerte sich Shatner und holte zu einer langen Anekdote aus: "Nach der Absetzung beschäftigte ich mich schnell mit anderen Projekten. Doch etwa sechs Jahre nach dem Ende der Serie fragte mich jemand, ob ich davon wüsste, dass in einer Bar in Kalifornien 'Star Trek'-Episoden gezeigt werden. Ich hatte keine Ahnung und schaute mal vorbei. In der Bar lief ein Video, das verpatzte Szenen aus der Serie zeigte. Witzige Sachen. Und die Leute dort lachten. Ich frage mich nur: Warum schauen sich die Leute Videos einer Serie an, die sechs Jahre zuvor abgesetzt wurde? Damals begann ich zu ahnen, dass es wohl doch ein Publikum für 'Star Trek' geben musste." Er sollte recht behalten.

Im Auftrag der Vereinten Föderation der Planeten hat William Shatner so manches Mal die Erde vor feindlichen Aliens, galaktischen Katastrophen und anderen unerfreulichen Dingen bewahrt. Dafür genießt er bei Science-Fiction-Fans Kultstatus. Als Sänger blieb ihm ein vergleichbarer Erfolg verwehrt. Da attestierte man dem Star schonungslos, er habe mit seiner Version von "Lucy In The Sky With Diamonds" einen Beatles-Klassiker "aufs Schlimmste massakriert". Trotzdem: Selbst Shatners eigenwillig gedehnter Sprechgesang, dessen Geschwindigkeit seiner zunehmenden Leibesfülle und dem nicht immer vorbildlichen Lebenswandel Rechnung trägt, verfehlt seine Wirkung nicht.

Obwohl Shatner, der am 22. März 1931 als Kind jüdischer Emigranten aus Osteuropa in Montreal zur Welt kam, zunächst Wirtschaftswissenschaften studierte, entwickelte er schon an der Uni ein Faible fürs Schauspielen. Eine erste größere Rolle war die von Alexej im 1958er-Kinofilm "Die Brüder Karamasow". Bei der Serie "For The People" ergatterte er erstmalig eine TV-Hauptrolle. 1966 brach die U.S.S. Enterprise in die "unendlichen Weiten" der Galaxien auf. Doch auch jenseits der "Star Trek"-Welt - Shatner wirkte an den ersten drei Serienstaffeln und an sieben der Kinofilme mit -, zog er als kerniger Polizeiveteran in der Krimiserie "T. J. Hooker" alle Blicke auf sich.

Neue Lust aufs Kino

Neben einigen Filmrollen, in denen Shatner seinen intergalaktischen Ruhm selbstironisch karikierte (besonders charmant etwa in der Independent-Komödie "Free Enterpise", 1998), fand er eine zweite Heimat beim Fernsehen: in den 101 Folgen von "Boston Legal", als Moderator von Spielshows ("Show Me The Money") oder als Talkshow-Gastgeber ("Shatner's Raw Nerve"). Dennoch zog er sich mehr und mehr aus dem Showgeschäft zurück und widmete sich seinem neuen Hobby, der Pferdezucht.

Zuletzt aber scheint es Shatner wieder in den Fingern gejuckt zu haben. Der Hobby-Musiker veröffentlichte nicht nur vor wenigen Monaten ein Jazz-Album, er stand auch wieder vor der Kamera. "Senior Moment" heißt Shatners neuester Film, der noch im März in den USA in die Kinos kommen soll. Erzählt wird die Geschichten eines Mannes, der seinen Führerschein verliert und eine neue Frau kennenlernt - irgendwie passend, ließ sich Shatner doch vor wenigen Monaten von seiner vierten Frau scheiden. Nach Ansicht des Trailer jedenfalls bleibt einem nichts anderes übrig als festzuhalten: Captain Kirk ist verdammt gut gealtert.

Von Jan Treber
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