Britischer Schauspieler
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Timothy Dalton wird 75: Zweimal Bond ist genug
"Ich muss mal kurz telefonieren": Die ersten Worte, die Timothy Dalton 1987 in seiner Rolle als James Bond in die Kamera sprach, waren denkbar unspektakulär. Sein Auftritt aber hatte es in sich. Zu Beginn von "Der Hauch des Todes" springt Bond mit einem Fallschirm über Gibraltar ab, sein Einsatz ist eigentlich Teil einer Übung, doch schnell findet sich der Agent mitten im Ost-West-Konflikt wieder, der ihn über Bratislava nach Tanger und zurück führt. Der 15. Bond-Film war ein Erfolg und spielte weit mehr ein als sein Vorgänger. Wirklich glücklich machte Dalton, der am 21. März vor 75 Jahren im walisischen Colwyn Bay zur Welt kam, das aber nicht.

Timothy Daltons Weg zur Leinwand-Popularität stand unter einem ungünstigen Stern. Kaum eine Rolle war so vorbelastet wie die des immer smarten, lässig aus dem Anzugärmel schießenden Superagenten. Wer konnte einem behaarten Männlichkeitsprotz wie Sean Connery oder einem Upper-Class Gentleman wie Roger Moore das Wasser reichen? Ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten, auch weiterhin als Charakterdarsteller ernst genommen zu werden. Vielleicht auch deshalb verabschiedete sich Dalton, rückblickend einer der besseren Bonds, nach nur einem weiteren Film ("Lizenz zum Töten", 1989) von der ikonischen Rolle. Nach einem Rechtsstreit mit der Produktionsfirma übergab er schließlich an Pierce Brosnan.

""Man geht da raus und weiß, dass man vielleicht absäuft"

Vermeintlich anspruchsvollere Rollen - vor allem in Bühnenadaptionen von Shakespeare - lagen dem gebürtigen Waliser eben schon seit jeher näher als Ian Flemings Spionageromane. Der Absolvent der Royal Academy of Dramatic Arts wuchs schon in jungen Jahren ins klassische Theaterfach, entdeckte seine Liebe zur Schauspielerei jedoch bei "Popeye" und "Bambi": "Als Kind geht man Samstagnachmittag ins Kino und sieht Zeichentrickfilme oder Piratenstreifen - wenn man sich so für etwas begeistert, dann ist es doch nur natürlich, wenn man zu dieser besonderen Welt gehören möchte." Am Birmingham Repertory-Theatre, das immerhin englische Schauspielgrößen wie Albert Finney und Laurence Olivier hervorbrachte, brillierte Dalton als Richard III. und junger Romeo.

Sein Filmdebüt gab er, gerade 21-jährig, neben Peter O'Toole und Katherine Hepburn in dem Historienfilm "Der Löwe im Winter". "Man geht da raus und weiß, dass man vielleicht absäuft. Aber bei Gott: Man schwimmt so schnell und solang es eben geht. Ich bin nicht abgesoffen", beschrieb Dalton seinen ersten Sprung ins kalte Kino-Wasser einmal.

Der Film "Maria Stuart" (1971) bildete den Auftakt einer fortdauernden beruflichen Liaison mit Vanessa Redgrave, aus der später eine private Beziehung wurde. "Von dem Moment an, als ich Timothy Dalton kennenlernte, konnten wir uns nur in einer Sache einigen, und das war das Fischen", schrieb Redgrave später etwas konsterniert in ihrer Autobiografie. Dalton selbst wich privaten Fragen stets aus. Bekannt ist nur, dass er für ein paar Jahre mit der russischen Komponistin Oksana Grigorieva liiert war und mit ihr einen Sohn hat.

Umstrittener Bond

Vielleicht auch wegen dieser Reserviertheit attestierte ihm die Presse einst eine "versnobte Arroganz". Besonders die amerikanischen Kritiker konnte dem distanzierten Angelsachsen mit der Prinz-Eisenherz-Frisur nicht viel abgewinnen. "Als Bond ist er zu steif", mäkelten sie, während die deutschen Skeptiker seinen 007 als "zu soft" empfanden. Erst in den letzten Jahren begann man, Daltons Darstellung des Agenten wieder zu schätzen. Denn er spielte 007 nah an Flemings Vorlage und so ganz anders als der stets etwas prollige Daniel Craig.

Nachdem Dalton den MI6 verlassen hatte, tat er alles jedenfalls, um sein Bond-Image abzustreifen. In "Rocketeer" spielte er einen Nazi-Spion, im IRA-Thriller "The Informant" den Polizeichef von Belfast und in "Looney Tunes: Back in Action" sogar eine Bond-Parodie. Zwischendrin sah man ihn als Rhett Butler in "Scarlett", jener Miniserie, die "Vom Winde verweht" fortsetzte. Nur: Eine Rolle von Bond'scher Größe war nicht mehr dabei. Zuletzt fand Dalton aber im TV seine Erfüllung. Drei Staffeln spielte er in der Horror-Serie "Penny Dreadful" den Entdecker Malcolm Murray, seit 2019 steht er für die Superheldenserie "Doom Patrol" als Arzt Niles Caulder vor der Kamera. "Ich hab so etwas vorher noch nie gesehen und auch nie an etwas Vergleichbarem mitgewirkt", sagte Dalton kürzlich in einem Interview. Es ist eben nie zu spät, sich neu zu erfinden.

Von Jasmin Herzog
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