Interview mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel
Interview mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel
"Der Trainer war nicht zufrieden mit uns"
Seit Ende der 90-er leben sie zusammen, in diesem Jahr steht bereits der zehnte Hochzeitstag an: Andrea Sawatzki und Christian Berkel gelten als eine Art Traumpaar des deutschen Films - abzulesen etwa an der Popularität unter Fotografen bei offiziellen Branchenanlässen. Schon öfter bewiesen die beiden Schauspieler, die in den letzten Jahren zudem als beliebte Buchautoren reüssierten, dass sie auch vor der Kamera harmonieren - zuletzt in der Komödie "Scheidung für Anfänger". Bald könnte daraus schöne Regelmäßigkeit werden: In einer angedachten losen "Für Anfänger"-Reihe spielen die 57-Jährige und ihr 63-jähriger Gatte in den kommenden Jahren gemeinsam, doch jeweils in neuen Rollen. So verkörpern die Eltern zweier Söhne im aktuellen zweiten Film "Sportabzeichen für Anfänger" (Freitag, 8. Januar, ARD) ein Alleinerziehenden-Duo, das sich im sportlichen Wettstreit misst. Wie anstrengend sich der Dreh gestaltete und was sie bei der gemeinsamen Arbeit aneinander neu entdeckten, verraten Andrea Sawatzki und Christian Berkel im Interview.

Weser-Kurier: Ist bei Ihnen - trotz zweitem Corona-Lockdown - wieder ein wenig Normalität eingekehrt?

Andrea Sawatzki: Nicht wirklich. Allerdings konnte ich vor dem zweiten Lockdown sogar vor 400 Menschen lesen - das war sehr schön und fast wie in alten Zeiten.

Christian Berkel: Es bleibt kompliziert, aber das gilt für alle.

Weser-Kurier: Konnten Sie, wenn man das wenige Positive sieht, die frei gewordene Zeit anderweitig nutzen?

Sawatzki: Wir beide nutzten die Zeit zum Schreiben. Mein Mann stellte sein Buch "Ada" fertig, während ich am fünften "Bundschuh"-Roman arbeitete. Der erscheint im nächsten März. Daher waren wir sehr dankbar, diese Möglichkeit überhaupt zu haben.

Berkel: Vielen ist das nicht möglich. Zudem konnten wir auf ein gewisses Polster zurückgreifen - das können andere ebenso wenig. Und die stehen sehr schlimm da.

Weser-Kurier: Bereits vor der Pandemie drehten Sie Ihren neue Komödie ab - es ist der zweite "Für Anfänger"-Film. Planen Sie eine Reihe?

Sawatzki: Es ist tatsächlich als lose Reihe angedacht - aktuell suchen wir nach einem neuen Stoff für einen dritten Film. Das wäre wirklich schön. Wir arbeiten sehr gern miteinander.

Berkel: Das verbindende Element soll die Besetzung mit uns beiden sein - wobei wir immer wieder neue Figuren spielen.

Weser-Kurier: Privat sind Sie seit Jahren ein Paar. Aber können Sie auch beruflich schon seit jeher so gut miteinander?

Sawatzki: Wir lernten uns ja vor 23 Jahren bei einem Dreh kennen. Da legten wir schon den Grundstein für die weitere Zusammenarbeit. Ich finde, wir ergänzen uns sehr schön - das merke ich immer, wenn wir gemeinsam arbeiten dürfen.

Berkel: Aber natürlich ist es überhaupt nicht zwingend, dass so etwas gut funktioniert. Wir haben früh einen Weg finden müssen - schließlich kannten wir uns bei der Arbeit so nicht. Bei uns ist es ja umgekehrt: Normalerweise ist einem der Spielpartner mehr oder weniger fremd, und man muss in relativ kurzer Zeit eine künstliche Nähe erzeugen. Bei uns hingegen ist die Nähe von Haus aus gegeben - und wir müssen uns die Fremdheit erarbeiten, um daraus wiederum in eine künstlerische Nähe zu kommen.

Weser-Kurier: Entdecken Sie auch Neues aneinander, wenn Sie miteinander schauspielern?

Sawatzki: Es war von Anfang bis Ende überraschend! Wir hatten viel Spaß daran, den Partner in einer anderen Rolle zu sehen, und dann selbst quasi als anderer Mensch auf diesen völlig fremden Menschen zuzugehen. Das ist wirklich sehr spannend und erheiternd.

Berkel: Bei anderen Kollegen hat man diesen Vergleich mit dem Privatleben ja gar nicht. Man erlebt sie schließlich meist in Rollen.

Weser-Kurier: Glauben Sie, dass durch die gemeinsamen Filme auch Ihr privates Leben als Paar mehr in die Öffentlichkeit rückt?

Berkel: Wenn wir als Schauspieler Figuren spielen, geraten wir dadurch ja vor allem als berufliches Paar ins Zentrum. Das ist uns eigentlich lieber, als privat im Mittelpunkt zu stehen, etwa bei öffentlichen Auftritten und Empfängen.

Sawatzki: Wir verstecken uns hinter den Figuren. Ein Stück weit ist das auch ein Schutz.

"Konkurrenz gibt es in dem Sinne gar nicht"

Weser-Kurier: In Ihrem aktuellen Film geht es vor allem ums Sporttreiben. Wie anstrengend war das wirklich?

Sawatzki: Wir hatten einen Trainer, der uns von Hochsprung über Kugelstoßen bis Weitsprung alles nahegebracht hat. Es ist ja nun doch schon eine Weile her, dass wir das im Schulsport gemacht haben. Aber der Trainer war nicht zufrieden mit uns.

Weser-Kurier: Warum nicht?

Sawatzki: Weil er uns perfekt haben wollte! Aber für den Film sollte es ja überhaupt nicht perfekt sein. Daher war er immer ein wenig am Rande der Verzweiflung (lacht).

Berkel: Der sagte immer: "Sie könnten das doch besser!" Dabei ging es ja genau darum, dass unsere Figuren das nicht gut können (lacht).

Sawatzki: Letztendlich mussten wir aber natürlich erst mal lernen, es einigermaßen richtig zu machen - um unsere Sportkünste dann wieder runterzurocken. Im Privaten haben wir durchaus versucht, uns sportlich mehr zu betätigen - gerade was das Laufen und Rennen anbelangt.

Berkel: Wobei wir das schon immer machen. Privat sind wir wahrscheinlich sportlicher als im Film (lacht).

Weser-Kurier: Nahmen Sie in Ihrer Jugend selbst an den Bundesjugendspielen teil?

Berkel: Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht richtig erinnern ... Ich weiß nur, dass es immer um Sieger- oder Ehrenurkunden ging.

Sawatzki: Aber das waren eher die Sportfeste an der Schule. Die fand ich immer schön, weil wir da schulfrei hatten. Und da habe ich mich schon angestrengt.

Berkel: Ich habe wirklich sehr gern Sport gemacht damals.

Weser-Kurier: Ihre Figuren stehen sich im Wettbewerb gegenüber. Gibt es bei Ihnen auch kleine Wettstreits?

Berkel: Eigentlich nicht. Wir freuen uns total, wenn es beim anderen gut läuft. Egal ob als Autor oder Schauspieler.

Sawatzki: Konkurrenz gibt es in dem Sinne gar nicht.

Berkel: Vielleicht nur eine unbewusste positive Konkurrenz - dergestalt, dass man auch versucht, besonders gut zu sein. Aber nicht, dass man sich miteinander vergleicht.

Sawatzki: Eher: Wir spornen uns gegenseitig an.

Weser-Kurier: Können Sie sich so auch als Autoren am Schreibtisch motivieren?

Berkel: Nein, wir schreiben mindestens in getrennten Räumen. Und eigentlich in der Regel auch zu getrennten Zeiten. Diesmal haben wir eine Weile parallel geschrieben, aber in verschiedenen Zimmern. Andrea ist immer etwas schneller und bei mir dauert es immer etwas länger - daher gibt es notgedrungen zeitliche Überschneidungen.

Sawatzki: Christian arbeitet wirklich konsequent von morgens bis abends. Ohne sich ablenken zu lassen. Das bewundere ich sehr. Denn ich bin auch mal froh, wenn es klingelt, wenn die Kinder nach Hause kommen oder wenn ich mit dem Hund raus muss (lacht). Da bin ich ein unruhigerer Typ. Ich freue mich über Unterbrechungen - Christian gar nicht.

Von Maximilian Haase
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