Gudrun Landgrebe wird am 20. Juni 70 Jahre
Gudrun Landgrebe wird am 20. Juni 70 Jahre
Die Frau, die ein Baumhaus in der Südsee hat
Im SZ-Magazin-"Interview ohne Worte" streckte sie kürzlich auf die Frage nach der "flambierten Frau" die Zunge heraus und richtete den Blick nach oben wie eine Gekreuzigte. Die "flambierte Frau", mithin die Edel-Domina aus Robert van Ackerens Erotikdrama von 1983, ist sie ein Leben lang geblieben. Es wurde ihr Markenzeichen, der Film machte sie zum Star. "Gudrun Landgrebe bleibt eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die dem deutschen Kino Sex verleihen", schrieb der Kritiker Michael Althen, und manche sahen in der Schauspielerin, die am 20. Juni ihr 70. Lebensjahr vollendet, sogar eine neue Romy Schneider.

Fragte man die 1950 in Göttingen geborene Gudrun Landgrebe viele Jahre später, ob sie sich denn auch so fühle wie ein Star oder gar wie eine Diva, sagte sie ganz cool: "Fragen Sie mal die anderen!" Um dann doch noch sehr energisch hinzuzufügen: "Mit Sicherheit nicht." Schon gut, dachte der Fragesteller damals bei sich. Mag ja sein, dass sie sich selber nicht so fühlt, aber ein Star ist sie doch. Auch als die Rollen einförmiger wurden - immer wieder die Geliebte, die Schöne - umgab sie die Aura des Geheimnisvollen. Das ist in all den Jahren so geblieben. Das gewisse Etwas, das damals im Film die Männer anzog, hat sie sich bis heute erhalten.

"Ich tanze nicht auf allen Hochzeiten"

"Die Ausstrahlung, die eine bestimmte Rolle fordert, daran kann man arbeiten", sagt Gudrun Landgrebe, sich selbst und den Glamour, der sie immer noch umgibt, unter den Scheffel stellend. Im Film wie auch im Leben "tanzt" sie "nicht auf allen Hochzeiten", sie blieb wählerisch, was ihre Rollen anbelangt.

Von ihrem Privatleben weiß man ohnehin nicht viel. Ihren Mann, den Arzt Ulrich von Nathusius, lernte sie 1981 bei den Dreharbeiten zu Edgar Reitz' erster "Heimat" kennen und heiratete ihn dann nach 20 Jahren. Sie lebt mit ihm in Berlin, das sie schätzt, weil sich die Stadt "immer neu erfindet". Und sie hat ein Haus in der Südsee, "ein Baumhaus" wohlgemerkt, "dreieinhalb Flugstunden von Sydney entfernt" - mehr wird nicht verraten.

Schon als Jugendliche hatte Gudrun Landgrebe den Traum, Schauspielerin zu werden. Sie besuchte die Schauspielschule in Köln, sah gerne Hollywood-Filme. Katherine Hepburn, auch so eine selbstbewusste Unnahbare, hatte es ihr angetan. Ihre Karriere wurde von Filmen berühmter Regisseure geprägt: Nach der "flambierten Frau" kam - schon im selben Jahr - die Rolle der Geliebten in István Szabós "Oberst Redl", danach Dominik Grafs "Die Katze" (1987), später ihr liebster Film, Helmut Dietls "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1997). Sie mochte die tragikomischen Facetten der Rolle und des Stoffes. "Ich will Lust bis zur Besinnungslosigkeit - und Ruhe", sagt die Erotomanin Valerie im Film und leidet zunehmend unter dieser Herausforderung. Dietl war für sie "der liebenswürdigste Regisseur, den man sich vorstellen kann. Er war immer am Set, ging nie weg - die Kommunikation in Person."

So ein "Rossini" kommt nicht alle Tage. Doch auch in Fernsehfilmen, in Krimis und in Liebeskomödien, blieb Gudrun Landgrebe stets eine Bereicherung - als Geheimnisträgerin, als Widerspenstige schlechthin. Auch wenn sie sagt: "Die Sonntagabendschiene bediene ich nicht so gern", auch wenn sie nach emanzipierten Frauenrollen strebt - gerne hätte sie beispielsweise die Rollen der Hannah Arendt oder der Bertha von Suttner gespielt - , so hat sie mit ihrer Präsenz auch Seichteres am Freitag- oder Sonntagabend zu Hochkarätigem gemacht.

"Die 60-Jährige mit Pep, die sich in einen angemalten VW-Bus setzt, nach Italien aufmacht und dort ein Hotel eröffnet" sei nicht ihr Ding, bekannte sie gelegentlich. Dann schon lieber so ein Experiment wie zuletzt die Polit-Persiflage "In bester Verfassung" aus dem "Quantum"-Labor des ZDF, wo sie in achtmal acht Minuten eine knallharte Verfassungsschützerin in einer NRW-Kleinstadt spielt, die "zwei Jahre vor der Rente" abgewickelt werden soll und deshalb eine islamistische Terrorzelle zwecks Arbeitsbeschaffung erfindet. Rechtzeitig zum 70. hat sie da für sich ein völlig neues Genre aufgetan.

Ein Männertraum erfindet sich noch einmal neu. Dabei hat es, wie Gudrun Landgrebe bekundet, "die Traumfrau" ja noch nie gegeben. Die sei doch nur "eine Projektion der eigenen Wunschvorstellung". Eben.

Von Wilfried Geldner
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