Vor zehn Jahren verstarb Dennis Hopper
Vor zehn Jahren verstarb Dennis Hopper
Hollywoods ewiger Rebell
Radikal, rastlos, rebellisch - so präsentierte sich der Exzentriker Dennis Hopper gerne der Öffentlichkeit. Zahlreiche skandalöse Exzesse, Drogen-Eskapaden, Affären und Ehen - fünf an der Zahl - pflasterten neben überragende Leistungen als Darsteller und Regisseur seinen Lebensweg. Hinter der oberflächlichen Fassade des wilden Sturkopfes verbarg sich aber eine sensible Seele, die oftmals an dem Widerspruch der glatten Fassade Hollywoods und seinem eigenen hohen, unangepassten künstlerischen Ansprüchen zu zerbrechen drohte. Es war ein Leben voller Widersprüche, das vor zehn Jahren endete: Am 29. Mai 2010 verstarb Dennis Hopper im Alter von 74 Jahren.

1936 auf einer Farm im ländlich-drögen Kansas geboren, entfloh der junge Hopper in den 50-ern der Einöde, um seinen Traum von einer Karriere im glamourösen Scheinwerferlicht Hollywoods zu verwirklichen. Sein Handwerk erlernte er im sagenumwobenen "Actors Studio" der Lee-Strasberg-Schule. Seinen ersten Durchbruch feierte der Schauspiel-Rebell in Nebenrollen in den Leinwand-Klassikern "... denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955), und "Giganten" (1956 fertiggestellt) an der Seite einer weiteren Leinwand-Legende - James Dean.

Mit Dean verband Hopper sowohl die Leidenschaft nach schnellen Autos als auch die Maxime, sich einer Rolle im Stil des "method-acting" emotional und körperlich völlig hinzugeben. Der "Los Angeles Times" erzählte Hopper einst: "An James Dean bewunderte ich die Fähigkeit, durch sein Einfühlungsvermögen in eine Rolle alle gesellschaftlichen Grenzen zu sprengen." Genau das wollte Hopper ebenfalls perfektionieren. Der plötzliche Tod Deans (1955) war für den damals 19-Jährigen ein tiefer Schock. Ohne seinen berühmten Freund und durch seine ungebändigte Art eckte Hopper schon bald in Hollywood an. Keine zwei Jahre später galt er als vermeintlich unkontrollierbarer und widerspenstiger Rabauke, als Unperson.

Doch Hopper meldete sich zurück. Und wie. 1969 feierte er den größten Triumph seiner Karriere: Das Low-Budget-Roadmovie "Easy Rider" avancierte zum Kultfilm der Hippie-Bewegung. Hopper hatte zusammen mit Peter Fonda und Terry Southern das Oscar-nominierte Drehbuch verfasst, führte Regie und verkörperte als kokainsüchtiger Billy wie kein Zweiter die Sehnsucht der damaligen amerikanischen Jugend nach grenzenloser und regelloser Freiheit angesichts gesellschaftlicher Restriktion und Vietnamkrieg.

"Ich hätte schon mindestens zehnmal gestorben sein sollen"

Doch der aufstrebende Schauspieler fand keinen Halt in der oberflächlichen US-Filmindustrie und drohte in den 60er- und 70er-Jahren an seinem Ruhm zu zerbrechen, wurde drogen- und alkoholabhängig. Seine Sucht steigerte sich bis in den Wahnsinn. "Ich hätte schon mindestens zehnmal gestorben sein sollen. Ich glaube an Wunder", ließ er in einem Interview mit der "New York Times" verlauten. Aufenthalte in Sanatorien und Entzugskliniken folgten.

Aufgrund seiner Sucht sowie seiner daraus resultierenden undiplomatischen, direkten Art verbannten Hollywoods Regisseure den unangepassten Heißsporn gar auf eine sogenannte "schwarze Liste" ungeliebter Darsteller. Hopper gab jedoch nie klein bei, drehte der kalifornischen Filmindustrie jahrelang den Rücken zu und drehte künstlerisch anspruchsvolle Autorenfilme in Europa. So entstand unter anderem "Der amerikanische Freund" (1977) unter der Regie von Wim Wenders, in welchem der passionierte Fotograf und Maler Hopper in der Rolle eines perfiden Amerikaners die Leichtgläubigkeit eines Todkranken ausnutzt.

Doch Totgesagte leben auch im schnelllebigen Hollywood länger, jedenfalls im Fall des unzerstörbaren Dennis Hopper. Zehn Jahre nach "Easy-Rider" brillierte der nun auf widersprüchliche, zwischen Genie und Wahnsinn angelegte Rollen abonnierte Schauspieler in Francis Ford Coppolas Meisterwerk "Apocalypse Now" (1979) in der Rolle eines psychopathischen Fotojournalisten. 1987 schließlich erhielt er seine zweite Oscar-Nominierung für die Nebenrolle in "Freiwurf", nachdem er kurz zuvor in David Lynchs "Blue Velvet" begeistert hatte. Aus den 90-ern bleibt vor allem seine Darstellung des durchgedrehten Bombenlegers Howard Payne in Jan de Bonts "Speed" (1994) in Erinnerung.

Wenige Wochen bevor er starb, erhielt Hopper einen Stern auf dem "Walk of Fame". Fast schien es so, als wollte ihm Hollywood in letzter Minute doch noch die Anerkennung zollen, die er verdiente.

Von Jan Treber
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