"After The Wedding"
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 17.10.2019
Regisseur: Bart Freundlich
Schauspieler: Michelle Williams, Julianne Moore, Billy Crudup
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 6
Verleih: Telepool
Laufzeit: 113 Min.
Julianne Moore im Interview
Julianne Moore im Interview
"Ich vertraue jedem, bis er mir das Gegenteil beweist"
Es heißt immer, dass es Frauen jenseits der 50 schwer haben in Hollywood. Julianne Moore, 58, tritt äußerst erfolgreich den Gegenbeweis an. Die Schauspielerin, die 1960 auf einer Militärbasis in North Carolina zur Welt kam, ist noch genauso gut im Geschäft wie zu Beginn ihrer Karriere. Im Film "After The Wedding" (Kinostart: 17. Oktober) spielt Moore nun an der Seite von Michelle Williams eine erfolgreiche Selfmade-Millionärin, die ein indisches Waisenhaus finanziell unterstützen will. Sie gibt sich selbstlos - verfolgt aber ganz eigene Pläne. Regie bei dem Hollywood-Remake des dänischen Oscar-Kandidaten "Nach der Hochzeit" führte Bart Freundlich, Moores Ehemann.

Weser-Kurier: Zwei der erfolgreichsten Schauspielerinnen Hollywoods gemeinsam vor der Kamera: Was war das beste daran, mit Michelle Williams zu drehen?

Julianne Moore: Das Tolle an "After The Wedding" ist, dass dieser Film von zwei starken Frauen handelt. Sie sind unabhängig und erfolgreich, und zwar ohne die Hilfe eines Mannes. Das Interessante daran ist, dass beide versuchen, sich gegenseitig emotional zu dominieren. Ich hatte bis jetzt noch nie die Gelegenheit, auf diese Weise mit einer anderen Schauspielerin zusammenzuarbeiten. Für mich war es eine sehr große Herausforderung.

Weser-Kurier: Ist es schwierig, anderen Leuten zu vertrauen, wenn man so bekannt ist wie Sie?

Moore: Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall. Ich vertraue jedem, bis er mir das Gegenteil beweist. Ich höre da auf mein Bauchgefühl. Sobald sich etwas nicht mehr richtig anfühlt, habe ich meistens recht und ziehe mich zurück.

Weser-Kurier: Ihr Vater war bei der Armee, deshalb sind Sie als Kind oft umgezogen. Glauben Sie, dass es Ihrer Schauspielkarriere geholfen hat, weil Sie ständig die Neue waren?

Moore: Bestimmt. Seitdem ich ein kleines Kind war, bin ich von einer Gemeinde oder Kultur zur nächsten gezogen. Ich lernte verschiedene Sprachen und sogar, dass Menschen an verschiedenen Orten eine andere Art haben, zu gehen. Ihre Körperhaltung ist anders, und sie bewegen sich anders. Ich studierte jede Kleinigkeit, um mich als Neue leichter integrieren zu können. Das hat mir bestimmt dabei geholfen, später in die verschiedensten Rollen zu schlüpften.

Weser-Kurier: Als Schauspielerin müssen Sie Niederlagen einstecken können und sich selbst ständig im Wettbewerb gegen andere beweisen. Wie gehen Sie damit um?

Moore: Es ist wie mit einer Tür, die nur einen Spalt breit offen steht. Entweder du bist schnell genug und schlüpfst durch, oder du schaffst es nicht, und die Tür ist zu. In dieser Branche lernt man schnell, sich eine dicke Haut zuzulegen. Wenn du Niederlagen persönlich nimmst, schaffst du es nicht.

"Ich liebe die Verantwortung, die ich als Mutter habe"

Weser-Kurier: Ist es wichtig, solche Weisheiten an seine Kinder weiterzugeben?

Moore: Ich liebe die Verantwortung, die ich als Mutter habe. Auf meine Kinder aufzupassen, ihnen Essen auf den Tisch zu stellen, sie anzuziehen und sie mit einer Schul- und Allgemeinbildung auf ihren eigenen Weg zu schicken: Das ist meine Aufgabe als Elternteil. Mein Mann und ich hatten die Wahl, ob wir Kinder wollen oder nicht. Wir haben uns zu einhundert Prozent dafür entschieden. Unsere Kinder sind kein "Unfall", sie waren geplant und gewollt, und wir lieben sie.

Weser-Kurier: Sollte man seinen Kindern immer die Wahrheit sagen oder sie lieber davor schützen?

Moore: Das ist eine schwere Frage, schon allein deswegen, weil sich die Zeiten ständig ändern und damit die Grenzen, wie offen wir mit unseren Kindern sein sollten. Ich habe meinen Kindern immer die Wahrheit gesagt, wenn ich mir im Klaren darüber war, dass sie dafür bereit sind. Schließlich wollen wir als Eltern, dass unsere Kinder lernen und dass sie mit all ihren Fragen und Problemen zu uns kommen können.

Weser-Kurier: Und wie sieht es mit den kleinen Lügen aus?

Moore: Obwohl meine Kinder 17 und 21 sind, glauben sie noch an den Weihnachtsmann (lacht). Na ja, vielleicht sollte ich sagen, sie glauben immer noch an die Magie des Weihnachtsmannes. Das sollten wir uns übrigens alle so lange wie möglich am Leben erhalten.

Weser-Kurier: Wie sieht das bei Ihnen selbst aus?

Moore: Wer von uns hat nicht einen Glücksbringer, an den er glaubt, eine Kette, eine Jacke, was auch immer? Es ist schön, an solche magischen Dinge zu glauben.

Weser-Kurier: Können Sie selbst gut mit der Wahrheit umgehen, auch wenn sie mal unbequem ist?

Moore: Oh ja. Die Leute, zu denen ich mich am meisten hingezogen fühle, sind die, die mir die Wahrheit sagen. Die Wahrheit kann auch auf eine nette Art und Weise gesagt werden.

Von Rachel Kasuch
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