"Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot"
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 26.09.2019
Regisseur: Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gillett
Schauspieler: Samara Weaving, Andie MacDowell, Mark O'Brien
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 16
Verleih: 20th Century Fox of Germany
Laufzeit: 96 Min.
Andie MacDowell im Interview
Andie MacDowell im Interview
"Ich habe viele gemeine Dinge lesen müssen"
Vom täglich grüßenden Murmeltier und den vier Hochzeiten mit Todesfall bis hin zur Liebeskomödie "Plötzlich Star" - Andie MacDowells Hollywood-Karriere läuft seit mehr als 30 Jahren. Jetzt wagte sich die 61-Jährige an ein neues Genre: Horror. Ab 26. September ist sie an der Seite von Adam Brody und Samara Weaving in "Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot" zu sehen. Als exzentrische Schwiegermutter beweist sie auf der Jagd nach der frischgebackenen Braut jede Menge schwarzen Humor. Im Interview in Los Angeles verrät die Schauspielerin, warum sie nichts mehr auf Twitter postet und blickt zurück auf ihre Karriere.

Weser-Kurier: Traditionen und Rituale spielen in "Ready or Not" eine große Rolle. Spielte das auch in Ihrer Kindheit eine Rolle?

Andie MacDowell: Tatsächlich konnte ich viel Persönliches in meine Rolle einfließen lassen, um mich besser mit ihr identifizieren zu können. Ein Teil der Familie meines Vaters ist blaublütig. Er selbst ist sehr altmodisch und auf Etikette bedacht. Daraus konnte ich schöpfen. Mein Vater hatte zum Beispiel diese Angewohnheit, immer Reime aufzusagen, wenn wir Verstecken gespielt haben. Einige davon sind tatsächlich im Film gelandet.

Weser-Kurier: Gibt es in Ihrem Leben Situationen, in denen Sie sich heute noch gerne verstecken würden?

MacDowell: Oh ja! Manchmal wäre ich gerne unsichtbar, um mich einfach davonschleichen zu können.

Weser-Kurier: Sie haben gerade erst erklärt, sich von Twitter zurückziehen zu wollen. Auch eine Art von Verstecken?

MacDowell: Ich habe mich dort quasi unsichtbar gemacht (lacht). Eine sehr kluge Idee, wie ich finde, denn ich bin noch angemeldet und kann mir Tweets und Neuigkeiten durchlesen. Aber ich selbst poste nichts mehr, weil es mir mehr Schmerz als Freude bereitet hat. Ich habe viele gemeine Dinge von gemeinen Menschen lesen müssen. Die Intension auf Twitter ist oft so negativ, ich möchte einfach nicht mehr dazu einladen. Aber ich habe jetzt Instagram für mich entdeckt. Damit kenne ich mich noch nicht so aus, sodass ich womöglich gar nicht erst merke, ob Leute fiese Dinge zu mir sagen. Ich weiß nicht mal, wie man seine Nachrichten liest. Aber dafür kann ich meine Kinder stalken und sehen, was sie gerade machen. Das mache ich jetzt ständig (lacht).

"Ich rede kein einziges Wort"

Weser-Kurier: Sie sind seit über 30 Jahren in diesem Business. Wie schwierig war es am Anfang Ihrer Karriere? Und was hat sich seitdem verändert?

MacDowell: Es war zunächst schwer für mich, Rollen zu bekommen, da die Leute damals nicht wirklich wussten, was ich drauf hatte. Doch mit "Sex, Lügen und Video" kam 1989 mein großer Durchbruch, der meine Karriere quasi über Nacht verändert hat. Seitdem habe ich zwar sehr viel Erfahrung gesammelt, aber in dieser Branche muss man sich immer wieder neu beweisen, egal wie lange man schon dabei ist. Zum Glück liebe ich genau solche Herausforderungen. Ich versuche einfach immer wieder, etwas Neues auszuprobieren.

Weser-Kurier: Wie mit "Ready or Not" - Ihr erster Horrorfilm.

MacDowell: Ja genau (lacht). Ich war eigentlich nie ein Horror-Fan, aber das Buch hat mich gepackt, sodass das Genre gar keine Rolle gespielt hat. Ich finde, wir brauchen mehr Geschichten, in denen Frauen nicht die verängstigten Opfer sind, die Hilfe brauchen, sondern alleine für sich und andere kämpfen.

Weser-Kurier: Sie durften sich sogar zum ersten Mal vor der Kamera prügeln ...

MacDowell: Das mit der Kampfszene war wirklich lustig. Wir fingen am Freitag zu proben an und drehten die Aufnahme am Montag. Es war meine erste Szene an diesem Tag. Wir versuchten, rücksichtsvoll zu sein, damit wir uns nicht richtig treffen, sondern immer ein paar Zentimeter vorher stoppen. Dann musste mich meine Gegenspielerin Samara Weaving mit einer Steinnachbildung auf den Kopf schlagen. Nur: So unecht war dieser Stein gar nicht. Am Ende des Tages stand ich mit einer dicken Beule da (lacht).

Weser-Kurier: Wie erholen Sie sich nach so einem anstrengenden Tag, wenn Sie vom Filmset nach Hause kommen?

MacDowell: Ich muss einfach runterkommen. Seit 32 Jahren mache ich Yoga, das hilft mir zu entspannen. Wenn die Dreharbeiten dann ganz beendet sind, steht für mich eine Reinigung für meine Seele auf dem Plan.

Weser-Kurier: wie sieht die aus?

MacDowell: Ich nehme mir einen ganzen Tag, den ich komplett stumm verbringe. Ich rede kein einziges Wort.

Weser-Kurier: Wie hat sich die Filmindustrie Ihrer Meinung nach verändert?

MacDowell: Filme an sich haben sich verändert. Ich denke schon, dass Frauen endlich auch im Alter sexy dargestellt werden - genauso wie Männer. Das ist für mich persönlich die beste Entwicklung.

Weser-Kurier: Sie sind für viele ein großes Vorbild. Wer war oder ist Ihres?

MacDowell: Ganz klar: Diane Keaton.

Von Jennifer Doemkes