Jessica Rothe im Interview
Jessica Rothe im Interview
"Horrorfilme sind romantisch"
Jahrelang spielte Jessica Rothe in Hollywood nur die Nebenrollen, der große Durchbruch ließ auf sich warten. Mit dem unglaublichen Erfolg von "La La Land" (2016), in dem die heute 31-Jährige die Mitbewohnerin von Emma Stone spielte, kam dann endlich der entscheidende Schub für ihre Karriere. Regisseur Christopher Landon wurde auf Rothe aufmerksam und gab ihr die Hauptrolle im Horror-Slasher "Happy Deathday", der 2017 ein Überraschungshit wurde. Kein Wunder, dass eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten ließ. "Happy Deathday 2U" kommt nun am Valentinstag (Donnerstag, 14. Februar) in die Kinos und setzt da an, wo der erste Teil aufgehört hat: Die von Rothe gespielte selbstverliebte Studentin Tree, die ihren Todestag in bester "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Manier immer wieder neu erleben musste, hat sich auf der Jagd nach ihrem Mörder von der egoistischen Zicke zur Heldin entwickelt - und ist für eine weitere tödliche Runde in der Zeitschleife bestens gewappnet. Denn nun muss sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Freunde vor dem Babyface-Killer retten.

Weser-Kurier: Miss Rothe, im Vergleich zum ersten Teil macht Tree in "Happy Deathday 2U" eine erstaunliche Entwicklung durch ...

Jessica Rothe: Zu Beginn verkörpert Tree genau die Art von Mädchen, die in den ersten zehn Minuten eines Horrorfilms getötet werden, ohne dass es jemanden interessiert. Das klassische Opfer eben. Doch sie bekommt die Chance, aus ihren Fehlern zu lernen, und entwickelt sich zu einer starken, sympathischen Kämpferin. Sie ist eine Art moderne "Scream Queen", ganz anders als das bekannte Klischee von Frauen in Horrorfilmen. Auf ihrer Flucht vor dem Mörder rennt Tree zum Beispiel nicht die Treppen hinauf oder versteckt sich in dunklen Räumen. Und wenn doch, macht sie es beim nächsten Mal eben anders.

Weser-Kurier: Für diese Entwicklung musste Tree allerdings ziemlich oft sterben. Auch im zweiten Teil?

Rothe: Im ersten Film waren es elfmal, beim zweiten sind es deutlich mehr. Allerdings wird man nicht alle Tode sehen, sondern nur eine Auswahl, denn Tree wählt diesmal ihren ganz eigenen Weg, um der Zeitschleife zu entkommen und den Killer aufzuhalten.

Weser-Kurier: War es beängstigend, den eigenen Tod zu spielen?

Rothe: Im Gegenteil, es hat riesig Spaß gemacht. Das Schöne an dem Film ist, dass er Horror mit jeder Menge Comedy verbindet. Und man sieht mich nicht wirklich tot. Man sieht zwar, wie ich sterbe, aber ich musste mich nicht hinlegen und so tun, als würde ich nicht mehr atmen. Ein paar der Tode waren gruselig - von einem Killer in Babymaske gejagt und erstochen zu werden zum Beispiel. Aber die meiste Zeit haben wir viel gelacht.

Weser-Kurier: Also hatten Sie keine Albträume nach einem Tag am Set?

Rothe: Ich war immer so müde, dass ich wie ein Stein ins Bett gefallen bin und durchgeschlafen habe. Zum Glück, denn eigentlich bin ich ein richtiger Angsthase, und diese Babymaske ist eines der verstörendsten Dinge, die ich je gesehen habe.

Weser-Kurier: Vor was haben Sie denn Angst?

Rothe: Ich liebe Horrorfilme, aber ich bin jemand, der nicht gut damit umgehen kann. Nach "The Ring" musste ich zum Beispiel tagelang im Bett meiner Eltern schlafen, weil ich solche Angst hatte.

"Mischung aus Horror, Komödie und 'Zurück in die Zukunft'"

Weser-Kurier: "Happy Deathday 2U" Film kommt am Valentinstag in die Kinos. Wäre einen Horrorfilm ansehen etwas, das Sie mit Ihrem Date machen würden? Oder sind Sie eher der romantische Typ?

Rothe: Ich finde es sogar sehr romantisch, einen Horrorfilm zusammen anzuschauen (lacht). Es gibt keinen besseren Vorwand, sich näher zu kommen, als wenn man verängstigt ist. Du hast einen Grund, dich an ihn zu kuscheln, dein Gesicht an seiner Schulter zu verstecken, seine Hand zu nehmen ...

Weser-Kurier: In "Happy Deathday 2U" können Sie Dinge tun, ohne die Konsequenzen spüren zu müssen, weil ja jeder Tag wieder von Neuem beginnt. Was würden Sie machen, wenn das wirklich so wäre?

Rothe: Oh, das wäre tatsächlich etwas, das ich für den ersten schon Teil gemacht habe: völlig nackt, aber total selbstbewusst in die Öffentlichkeit zu treten. Das war eine der coolsten Erfahrungen, die ich je hatte. Das würde ich gerne noch mal machen!

Weser-Kurier: Was unterscheidet die Fortsetzung vom ersten Teil? Und war es direkt klar für Sie, dass Sie wieder dabei sein würden?

Rothe: Ganz klar! Unser Regisseur Chris Landon hatte schon sehr früh die Vision von einem Sequel, und ich war von Anfang an begeistert von seiner Idee. Er hat es geschafft, eine Fortsetzung zu machen, diese allerdings in ein ganz anderes Genre zu verlagern. Es kommt ein völlig neuer Einfluss dazu, Richtung Science-Fiction. Der zweite Teil ist eine Mischung aus Horror, romantischer Komödie und "Zurück in die Zukunft".

Von Jennifer Doemkes
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