Axel Prahl
gibt in der ZDF-Komödie "Extraklasse" den empathischen Lehrer (Montag, 17.12., 20.15 Uhr)
"Als Musiker darf ich endlich eine private Frisur tragen"
Axel Prahl hat es geschafft. Als einer der wenigen "Tatort"-Ermittler, die nicht auf ihre Krimirolle reduziert werden, konnte sich der 58-Jährige von seinem Münsteraner Kommissar Thiel emanzipieren. Was auch daran liegt, dass er der beliebten Figur jede Menge Aufmerksamkeit verdankt. Andererseits versteht sich der norddeutsche Schauspieler klug darauf, die sonstige Rollenwahl nicht vom "Tatort"-Thiel diktieren zu lassen. Das bewies Prahl zuletzt mit Komödien wie "Vadder, Kutter, Sohn" mit Dramen wie "Gundermann" und nicht zuletzt auch als Bandleader, als welcher er kürzlich sein zweites Album "MEHR" veröffentlichte. Nun wird der Wahlberliner, der früher selbst auf Lehramt studierte, in der ZDF-Wohlfühkomödie "Extraklasse" (Montag, 17.12., 20.15 Uhr) zum Lehrer. Wie ihm die eigene Biografie bei der Rolle half, was ihn an Komödien reizt und ob er sich eine Karriere als Musiker vorstellen könnte, verrät Prahl im Gespräch.

Weser-Kurier: Die Art von Komödie, wie sie in "Extraklasse" zu sehen ist, scheint in Deutschland nicht sehr verbreitet, oder?

Axel Prahl: Es ist mittlerweile ein seltenes Sujet, und ich war sehr positiv überrascht. Von Beginn an konnte ich viel damit anfangen. Ich fühlte mich sofort zu Hause: Schließlich habe ich tatsächlich auch mal auf Lehramt studiert.

Weser-Kurier: Im Film wird diese Aussage zum Running Gag ...

Prahl: "Alle haben damals auf Lehramt studiert!" (lacht). Ich studierte damals in Kiel, also in meiner Heimat Schleswig-Holstein, Mathematik und Musik. Ich wollte Grund- und Hauptschullehrer werden; mit Fokus auf Grundschule, weil ich dachte, da sind die Kinder noch lernwillig. Aber ich studierte nicht sehr lang.

Weser-Kurier: Was bewog Sie, abzubrechen?

Prahl: Ich merkte schnell, dass das extrem hierarchische System an den Schulen nicht meine Welt ist. Dort wäre ich nicht glücklich geworden. Zum anderen war die Studiumswahl ein wenig der Einfallslosigkeit eines Abiturienten geschuldet, der nach dem Schulabschluss erst einmal überlegt hat, was man beruflich eigentlich machen kann. Da spielte auch der Urlaubsfaktor eine Rolle (lacht). Dass dem nicht so ist, erfährt man eben erst, wenn man das dann studiert - und weiß, was man in den Ferien als Lehrer noch zu leisten hat. Von Unterrichtsvorbereitung über das Korrigieren der Arbeiten bis hin zu den AGs.

Weser-Kurier: In "Extraklasse" spielen Sie nun einen Lehrer an der Abendschule. Wie sehr unterscheidet sich das von der normalen Schule?

Prahl: In der Erwachsenenbildung hat man es noch mal mit ganz anderen Granaten zu tun. Ich selbst habe mein Abitur über den zweiten Bildungsweg gemacht, an einem Fachgymnasium. Da saßen auch 32-Jährige, die häufig schon eine abgeschlossene Berufsausbildung hatten und die viele Entbehrungen und Anstrengungen auf sich nahmen, um beispielsweise ihre Meisterprüfung ablegen zu können. Die haben einen ganz anderen Anspruch an den Unterricht, weil sie wirklich etwas lernen wollen. Da war das Lernen ein ganz anderes. Ich begriff dort auch erst den vielzitierten Satz, man lerne nicht für die Schule, sondern für das Leben. Der lustige Axel war nicht gefragt, es hieß eher: Halt die Schnauze, ich will was lernen! (lacht)

Weser-Kurier: Gibt es diese beiden Axel Prahls auch jetzt noch?

Prahl: Durchaus. Bei allem Humor gibt es bei mir eine gewisse Strebsamkeit, einen Arbeitsethos. Wenn ich an einer Sache arbeite, dann auch sehr konzentriert. Zum anderen lernt es sich mit einem Witz aber auch manchmal viel leichter.

teleschau: Wie viel Einfluss hatten Sie auf Ihren Lehrer-Part?

Prahl: Mit Regisseur Matthias Tiefenbacher habe ich schon einige Filme gedreht. Wir standen also schon vor dem Dreh im Austausch, da wurde mehrfach modifiziert. Einige Anregungen konnte ich auch geben. Sofern die Drehbucharbeit mit dem Regisseur erwünscht ist, bin ich ein großer Freund davon. Um eine Figur authentisch erscheinen zu lassen, muss man sie als Schauspieler auch auf eine Weise zu sich nehmen. Man sucht nach Übereinstimmungen zur darzustellenden Figur und was man nicht mitbringt, muss man erlernen.

Weser-Kurier: Überwiegt eigentlich Ihre Lust nach Komödie oder nach ernsthaften Themen?

Prahl: Das ist wirklich stoffabhängig. Außerdem sieht man bei Filmen wie "Extraklasse" oder "Vadder, Kutter, Sohn" ja auch, dass Woody Allens Zitat stimmt: "Eine Komödie ist eine Tragödie plus Zeit", eine Tragödie mit zeitlichen Abstand. Das trifft es auf den Punkt. Oft lacht man, aber es geht um tragische Figuren.

Weser-Kurier: Glauben Sie, dass die in "Extraklasse" behandelten Themen - Arbeitslosigkeit, Frauenunterdrückung, Armut - in einer Komödie leichter behandelt werden können?

Prahl: Die Komödie befreit erst mal von so einigem Ballast, der dahintersteckt. Zum anderen macht sie die Sache einfach auch unterhaltsam. So kann der Film ein Fünkchen Anregung geben, dass Integration ein wichtiges Thema ist. Aber: Ich bin auch ein großer Freund des Dramas, man schaue nur auf die Filme meines guten Freundes Andreas Dresen, der sich oft derlei gesellschaftlichen Fragen und Randgruppen widmet. Leicht komödiantisch, aber tiefer hineingeschaut - es ist beides möglich.

Weser-Kurier: Mit Andreas Dresen haben Sie zuletzt "Gundermann" gedreht - und früher gemeinsam in einer Band musiziert ...

Prahl: Ja, mit Gundermann ging das ja los. Schon bei "Halbe Treppe" und "Nachtgestalten" gab es Momente, in denen ich meine Gitarre dabei hatte und auf kleinen Filmpartys mit Andy musiziert habe. Dann wurden wir zum Todestag von Gundermann eingeladen, auf einem Gedenkkonzert zu spielen. So kam ich schlussendlich auch zu meinem Plattenvertrag.

Weser-Kurier: Wegen Gundermann veröffentlichten Sie Ihre Alben?

Prahl: Wegen des Gundermann-Gedenkkonzerts! Ich interpretierte dessen Song "Vater" und wurde hinterher gefragt, ob ich aus diesem musikalischen Potenzial nicht schöpfen wolle, und da ich selber Lieder schreibe und komponiere, habe ich gesagt: Gerne, aber nur, wenn ich meine eigenen Sachen machen kann.

Weser-Kurier: Kürzlich haben Sie Ihr zweites Album "MEHR" herausgebracht. Mittlerweile eine Alternative zum Schauspielern?

Prahl: Es ist definitiv ein zweiter Beruf geworden. Ich gehe ja ab Januar recht lang auf Tour, etwa 30 Konzerte. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, hat aber auch Vorteile: Als Musiker darf ich endlich eine private Frisur tragen! (lacht) Das ist wirklich ein Luxus für mich. Auf der Bühne kann ich mal ich selbst sein. Aber ich mache es vor allem aufgrund der Abwechslung.

Weser-Kurier: Geht da ein alter Wunsch aus der Jugend in Erfüllung?

Prahl: Mein Traum war es immer, eine Schallplatte aufzunehmen. Wohlgemerkt auf Vinyl, von dem ich ein großer Freund bin - und mit meinem Namen drauf und nur mit Titeln, die ich komponiert und getextet habe. An die Öffentlichkeit getraut habe ich mich damit aber erst im zarten Alter von 51.

Weser-Kurier: Welchen Einfluss hatte darauf - und auf Ihre anderen Rollen - ihr Part als "Tatort"-Kommissar?

Prahl: Ich glaube, ich habe dem "Tatort" da sehr viel zu verdanken, ganz klar. Unter Kollegen sagt man, dass man eine "Hausnummer" bekommen hat. Man kann den Prahl zuordnen.

Weser-Kurier: Sind Sie denn in der Öffentlichkeit noch oft Kommissar Thiel?

Prahl: Nö, inzwischen sagen die meisten tatsächlich: Ach guck mal, der Herr Prahl.

Von Maximilian Haase