Bumblebee
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 20.12.2018
Regisseur: Travis Knight
Schauspieler: Hailee Steinfeld, Pamela Adlon, John Cena
Entstehungszeitraum: 2018
Land: USA
Freigabealter: 6
Verleih: Paramount Pictures
Laufzeit: 114 Min.
Hailee Steinfeld
spielt die Hauptrolle im "Transformers"-Spin-off "Bumblebee" (Start: 20.12.)
"Diesen Film widme ich meinem Bruder"
Hailee Steinfeld war gerade 14 Jahre alt, als sie für den Oscar nominiert war. In "True Grit" (2011), dem formidablen Western der Coen-Brüder, hatte sie dem großen Jeff Bridges Paroli geboten - und man wünschte sich damals, dass diesem schüchtern wirkenden jungen Mädchen eine große Karriere bevorstehen würde. In der Tat ist die mittlerweile 22-Jährige, die auch als Musikerin ("Most Girls") erfolgreich ist, auf allen sozialen Netzwerkkanälen zu sehen: Weil sie irgendwann Taylor Swift kennengelernt hat und Teil ihrer Gang wurde, ist Hailee Steinfeld bei Twitter und Instagram ein Star. Dass Hailee Steinfeld auch dem Kino treu geblieben ist ("Pitch Perfect"-Trilogie, "Ender's Game", "The Edge of Seventeen: Das Jahr der Entscheidung"), hätte man bei all den Spekulationen über ihre On-, Off- und Vielleicht-Liebschaften fast vergessen können. Zum Glück erzählt sie im Interview in Berlin ausführlich von ihrem neuen Film "Bumblebee" (Start: 20.12.) - einem Spin-off der "Transformers"-Reihe -, in dem sie die meiste Zeit nur mit einem Tennisball spielen konnte, weil der Titelheld erst später per Computer in den Film eingefügt wurde.

Weser-Kurier: Wie schwierig war es denn für Sie zu schauspielern, wenn Sie gar kein Gegenüber haben?

Hailee Steinfeld: (lacht) Mit "nichts" interagieren? Das ist sehr seltsam und verwirrend, aber irgendwie auch witzig. Ich muss gestehen, dass ich beim Unterschreiben des Vertrags Angst hatte, dem Wahnsinn anheimzufallen, wenn ich drei Monate lang nur mit einem Tennisball reden würde.

Weser-Kurier: Und es gab nicht einmal einen Kollegen, der verbal mit Ihnen interagieren konnte?

Steinfeld: Genau! Dabei hatte ich es so gehofft. Doch Bumblebee ist stumm. Meine Vorstellungskraft wurde ziemlich auf die Probe gestellt. Aber dieses Auf-mich-allein-gestellt-Sein war auch ziemlich faszinierend. Zumal ich nicht vor einem Greenscreen spielte, sondern in der echten Welt.

Weser-Kurier: Das Maschinenwesen Bumblebee hat sich für eine Verkleidung als VW Käfer entschieden? Wäre das ein Auto für Sie?

Steinfeld: Ich wollte früher als erstes Auto tatsächlich einen Käfer haben, einen babyblauen. Warum, weiß ich selbst nicht genau. Jetzt habe ich ein paar Monate Zeit mit einem verbracht und kann sagen: Die Phase habe ich hinter mich gebracht.

Weser-Kurier: Wie würden Sie Ihren Fahrstil beschreiben?

Steinfeld: Das kommt darauf an.

Weser-Kurier: Worauf?

Steinfeld: Ob die Zeit knapp ist, ob ich mich durch Los Angeles kämpfen muss. Aber eigentlich würde ich sagen, dass ich eine ziemlich gute Autofahrerin bin. Mein Bruder fährt Autorennen, meine Mom ist in L.A. aufgewachsen, und für meinen Dad ist Autofahren Teil des Jobs: Ich habe also von den Besten gelernt.

Weser-Kurier: Dann kann Sie ja nichts aus der Fassung bringen.

Steinfeld: Naja. Ich sage es mal so: Meine Freunde machen sich schon manchmal lustig, weil ich hin und wieder Wutanfälle am Steuer bekomme. Aber ich schreie dann eigentlich nur mein Auto an, manchmal verfluche ich auch andere Autofahrer. Mehr passiert nicht, für riskante Manöver bin ich nicht gemacht. Meistens genieße ich das Autofahren einfach nur. Außer wenn ich von zu Hause - ich wohne etwas außerhalb von L.A. - in die Stadt fahren muss.

Weser-Kurier: Weil Sie gerade Ihren Bruder erwähnten: Hat er Sie mal mit seinem Transformers-Spielzeug spielen lassen?

Steinfeld: Ich liebe meinen großen Bruder! Er hat mich immer unterstützt und mit mir früher die anderen "Transformers"-Filme angeschaut. Er ist ein Riesenfan. Und jetzt bin ich froh, dass ich ihn mit "Bumblebee" glücklich machen kann. Als ich die Rolle annahm, wusste ich: Diesen Film widme ich ihm.

Weser-Kurier: In vielen Ihrer Filme spielt Musik eine große Rolle, auch in "Bumblebee": Ist das eine Bedingung, dass Sie eine Rolle annehmen?

Steinfeld: Das könnte man fast glauben, oder? (lacht) Richtig ist, dass Musik eine immens wichtige Rolle in meinem Leben spielt. Und ja: Figuren, die von der Musik beeinflusst werden oder selbst Musiker sind, finde ich gleich spannender. Generell sind für mich Rollen interessant, in denen ich ganz in einer Epoche aufgehen kann - von der Mode über das Styling bis zur Musik. "Bumblebee" spielt in den 1980-ern. Das war jetzt nicht die langweiligste Ära.

Weser-Kurier: Kannten Sie eigentlich alle Songs, die in "Bumblebee" vorkommen?

Steinfeld: Es gab in der Tat wenige, die ich nicht kannte - wofür meine Eltern verantwortlich sind. Die haben einfach alles gehört.

Weser-Kurier: Sie haben Ihre Karriere recht früh begonnen: Was hat sich seitdem geändert?

Steinfeld: Eigentlich nicht viel. Ich habe immer viel gearbeitet, hatte aber auch immer viel Glück, wofür ich unendlich dankbar bin. Ich hätte meine Karriere nicht besser planen können (lacht).

Weser-Kurier: Ziemlich am Anfang stand eine Oscar-Nominierung für "True Grit", was Ihnen offensichtlich nicht geschadet hat.

Steinfeld: (lacht) Nein, garantiert nicht. Ich tauchte plötzlich auf dem Radar von Leuten auf, die wichtige Entscheidungen treffen. "True Grit" hat die Art und Weise geändert, wie ich meine Arbeit betrachte, aber auch mein Leben. Die Nominierungen kamen für uns alle überraschend.

Weser-Kurier: Aber Sie haben sich doch bestimmt ein bisschen wie die "Queen of the World" gefühlt, oder?

Steinfeld: Natürlich! (schmunzelt) Die ganze Oscar-Geschichte gehört auf jeden Fall zu den unvergesslichsten Momenten in meinem Leben.

Weser-Kurier: Es gab in Hollywood immer wieder junge Schauspieler, die mit dem frühen Ruhm nicht zurechtkamen. Wie haben Sie das Haifischbecken überlebt?

Steinfeld: Ohne meine Familie und einige enge Freunde wäre ich heute nicht hier.

Weser-Kurier: Wie gehen Sie mit dem Rampenlicht um, in dem Sie ständig stehen?

Steinfeld: Das gehört einfach dazu. Allerdings achte ich darauf, dass ich mir immer wieder bewusst mache, wo ich herkomme und dass ich für all die Annehmlichkeiten und die Aufmerksamkeit hart arbeiten muss.

Weser-Kurier: Sie scheinen ziemlich viel zu arbeiten: Wann hatten Sie das letzte Mal zwei Monate frei?

Steinfeld: Zwei Monate? Ich weiß, wann ich das letzte Mal eine Woche frei hatte ... Aber ganz ehrlich: Länger halte ich es auch nicht aus, ohne etwas zu tun.

Weser-Kurier: Was tun Sie denn, wenn Sie nichts tun?

Steinfeld: Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, den Rest nutze ich für Schlaf, Essen und Workouts. Wie gesagt: Das halte ich nicht lange aus und freue mich recht schnell wieder auf die Arbeit.

Weser-Kurier: Sie sind ziemlich aktiv in den sozialen Medien: Warum ist das so wichtig für Sie?

Steinfeld: Das gehört nun mal dazu, und ich genieße es auch. Außerdem ist eine großartige Möglichkeit, mit den Fans in Kontakt zu bleiben. Deswegen betreue ich auch alles selbst.

Weser-Kurier: Sie haben also kein heimliches Privatkonto bei Instagram?

Steinfeld: Ich hatte in der Tat mal eins. Aber nur kurz, weil es mir sinnlos erschien, dort Dinge zu posten, die ich genauso gut auch auf meinem öffentlichen Profil teilen kann.

Von Andreas Fischer
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