Intrigo: Tod eines Autors
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 25.10.2018
Regisseur: Daniel Alfredson
Schauspieler: Sir Ben Kingsley, Benno Fürmann, Tuva Novotny
Entstehungszeitraum: 2018
Land: S / D / USA
Freigabealter: 12
Verleih: Twentieth Century Fox
Laufzeit: 106 Min.
Benno Fürmann
spielt die Hauptrolle in "Intrigo: Tod eines Autors" (Start: 25.10.)
Wir alle sind fehlbar
Seit Beginn der 1990-er ist Benno Fürmann eine Größe in der deutschen Schauspiellandschaft. Ob Serie, TV-Film oder Hollywood, der 46-Jährige hat alles auf seiner Liste. Und während er zuletzt in der ARD-Erfolgsserie "Babylon Berlin" dem zwielichtigen Gottfried Wendt sein Gesicht lieh, begibt er sich nun in der spannenden Verfilmung der Bestsellervorlage des schwedischen Autors Håkan Nesser, "Intrigo: Tod eines Autors" (Start: 25.10.) auf die Spur eines dunklen Geheimnisses. Wir trafen den sympathischen Berliner zum Interview und sprachen mit ihm über fehlbare Menschen, gute Krimis und Alkoholismus im Alltag.

Weser-Kurier: Herr Fürmann, was hat Sie an der Rolle des David Moerk besonders gereizt?

Benno Fürmann: David ist einfach ein Mensch, der fehlbar ist, wie wir alle. Er ist menschlich und eben kein überladener Held, sondern jemand der aufgrund einer emotionalen Situation auf eine Art und Weise agiert, die immer in der Welt sein wird. So wie all unser Handeln. Von seinem Handeln und dessen Nachhall hat er sich bisher nicht erholt. Das macht den Charakter so interessant. Außerdem ist die Grundsituation toll: Ein Autor, der einem älteren, erfahreneren Autor an einem entlegenen Leuchtturm an der griechischen Küste seinen ersten Roman vorlesen will. Irgendwann steht dann die Frage im Raum, ob es sich wirklich nur um den Roman handelt oder ob die beiden Männer darüber hinaus noch etwas anderes verbindet.

Weser-Kurier: Können Sie denn Davids Tat nachvollziehen?

Fürmann: Nein. Ich finde seine Tat perfide. Es ist ja kein aktiver Akt der Gewalt, sondern nur über Bande, hat also auch etwas Feiges. Ich muss aber dazu sagen, dass mir auch die aktive Seite, jemandem etwas anzutun, zuwider ist.

Weser-Kurier: Das ist sehr beruhigend.

Fürmann: (lacht) Ich bin eher ein Freund davon, Dinge zu benennen. Ich denke, Davids Denkweise ist eine doch recht maskuline Art, das Thema anzugehen. Es sind ja nicht umsonst zwei Männer, die hier im Fokus stehen und die beide eine gewisse Eitelkeit eint.

Weser-Kurier: Was meinen Sie genau mit maskuliner Art?

Fürmann: David wurde von der Frau verlassen und handelt nun nach dem Motto "Wenn ich dich nicht haben kann, dann soll dich keiner haben". Das ist schon eine recht männliche Variante der Spielweise.

Weser-Kurier: Wie viel von Ihrem Charakter steckt denn in David? Oder anders herum gefragt - wie viel von sich haben Sie in David wiedererkannt?

Fürmann: Ich weiß nicht recht - wiedererkannt ist vielleicht das falsche Wort. Ich hatte kein Problem damit, mich der Rolle anzunähern und meinen persönlichen Resonanzraum als Schauspieler zur Verfügung zu stellen. Das heißt aber nicht, dass die Figur deckungsgleich mit mir ist. Sondern sie ist ein Mensch, der nach seiner Tat seine eigene Art und Weise hat, mit dem Leben und seinem Schmerz umzugehen. So wie wir alle einen Weg finden, um überlebensfähig zu sein. Ich musste mich nicht verstellen, sondern musste hierfür meinen Horizont ausdehnen und fand unter diesen Parametern diese Figur in ihrer Dynamik einleuchtend, auch wenn ich mich hoffentlich nie so verhalten werde.

Weser-Kurier: Die Geschichte in "Intrigo: Tod eines Autors" ist bis zuletzt spannend dadurch, dass sie immer wieder in die Irre führt. Führen Sie selbst gerne andere in die Irre?

Fürmann: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich führe Menschen höchstens zugunsten eines Scherzes in die Irre. Also im erzählerischen Sinne macht mir das schon Spaß. Im sprichwörtlichen Sinne dafür überhaupt nicht. Ich bin eher ein Freund von Klarheit. Mir ist da auch der manipulative Aspekt zuwider.

Weser-Kurier: Wenn man genau hinsieht, hat "Intrigo: Tod eines Autors" ja auch ein weiteres Unterthema, das mitklingt: Alltagsalkoholismus und speziell die Problembekämpfung durch Alkohol. Wie sehen Sie die allgemeine Akzeptanz von Alkohol in der Gesellschaft?

Fürmann: Spannend, dass Sie das erkannt haben und ansprechen.

Weser-Kurier: Es wird eben von vielen nicht mehr wahrgenommen.

Fürmann: Allein das beantwortet schon Ihre Frage. Da haben wir schon den Beweis für Ihre These und in was für einer Gesellschaft wir leben.

Weser-Kurier: Wie genau meinen Sie das?

Fürmann: Gerade in Großstädten wie hier in Berlin ist Alkohol ein ganz normaler Tagesbegleiter. Ich glaube, wir machen uns oft einfach zu wenig Gedanken darüber. Wie bei so vielem, was zur Normalität geworden ist. Es gibt zwar Kampagnen und das theoretische Fachwissen darüber, wie schädlich Alkohol ist, aber das Problem mit dem Alkohol haben meist nur die anderen. Es ist ein unterschätztes Genussmittel. Dabei trinke ich sehr gerne selbst ein gutes Glas Wein, versuche das aber nur bewusst zu tun.

Weser-Kurier: Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Sir Ben Kingsley?

Fürmann: Ich weiß gar nicht, ob Ben Kingsley und ich uns bei einem Bier so viel zu erzählen hätten - um kurz noch einmal zum Thema Alkohol zurückzuschwenken (lacht).

Weser-Kurier: Wirklich nicht? Das bedeutet, Sie haben sich nach Drehschluss nicht mal zusammengesetzt?

Fürmann: Nein, wir haben uns eigentlich nach den Proben und den Drehtagen bedeckt gehalten und uns direkt in unsere Garderoben zurückgezogen. Somit haben wir uns erst vor der Kamera wieder exklusiv getroffen. Und das war gut so.

Weser-Kurier: Weshalb?

Fürmann: Davon, dass wir die Menge an Smalltalk sehr niedrig gehalten haben, profitierten unsere Figuren. Denn sie leben auch davon, dass sie nichts voneinander wissen, sondern nur ganz leicht eine Ahnung davon haben, was für ein Typ Mensch der jeweils andere ist. Je weniger du weißt, desto weniger musst du mitspielen. Daher war es durchaus sinnvoll, dass wir das auch Off-Scene so gehalten haben. Diese Distanz hat unserem Spiel gutgetan.

Weser-Kurier: Wäre es denn schwerer für Sie gewesen, diese Szenen mit jemandem zu spielen, den Sie besser kennen oder mit dem Sie sogar befreundet sind?

Fürmann: Auf jeden Fall. In Bezug auf so eine Rolle würde ich lieber mit Ben Kingsley spielen als beispielsweise mit meinem Kumpel Jürgen Vogel. Gar keine Frage. Wenn es allerdings darum gehen würde, eine große Vertrautheit zu spielen, wäre es natürlich wieder anders. Ein Beispiel: Ich komme gerade aus Budapest und habe mit einer Schauspielerin gespielt, die ich schon lange kenne und schätze, wir haben gemeinsame Freunde und so weiter. Das ist dann natürlich einfacher, eine Nähe und Wärme herzustellen, als wenn ich das mit einer fremden Person hätte spielen müssen.

Weser-Kurier: Hatten Sie zuvor bereits einen Krimi von Håkan Nesser gelesen?

Fürmann: Tatsächlich nicht, was allerdings daran liegt, dass ich nicht so der Krimileser bin. Allerdings war ich von der Lektüre des Drehbuchs so begeistert, dass ich dachte, vielleicht sollte ich mal wieder den ein oder anderen Krimi lesen. Ich habe in meiner Jugend Patricia Highsmith gelesen und dann waren Krimis einfach sehr lange kein Thema. Was auch daran liegt, dass es sehr viel Schrott gibt, der nicht in der höchsten literarischen Kategorie spielt - wenn man es mal vorsichtig formulieren möchte.

Weser-Kurier: Was hat Sie denn an dem Drehbuch so fasziniert?

Fürmann: Dass es ein brillantes Katz-und-Maus-Spiel ist. Mich hat vor allem die Subtilität, das eben nicht so Offensichtliche beeindruckt. Eine Geschichte, die durch intelligente Psychologie besticht.

Weser-Kurier: Würden Sie denn auch gerne mal aus der Großstadt fliehen? Auf eine einsame Insel mit einem Leuchtturm? Und was würden Ihnen dort am wenigsten fehlen?

Fürmann: Definitiv, aber nur wenn ich wüsste, ich könnte wieder zurückkehren. Ich liebe die Einsamkeit. Am wenigsten würden mir Benachrichtigungen von Handys oder Tippgeräusche fehlen. Oder der Lärm der Großstadt, die Gespräche vom Nachbartisch in einem Restaurant, die ich eigentlich gar nicht hören will (lacht). Wobei ich das alles nach einer Weile dann doch vermissen würde. Letztendlich bin ich doch sehr gerne mit Menschen zusammen.

Von Sarah Schindler