Romy Schneider
wäre am 23. September 80 Jahre alt geworden
Romy, immer wieder neu ...
Es ist eine alte Geschichte, doch wird sie immer wieder neu erzählt: die Geschichte der Schauspielerin Romy Schneider, die eigentlich Rosemarie Magdalena Albach hieß. Die mit ihren "Sissi"-Filmen im zarten Alter von 18 Jahren die Welt bezauberte und später nach Frankreich ging, weil sie nicht länger das "süße Mädel" bleiben wollte. Im Nachbarland startete sie eine neue, große Karriere. Am 23. September wäre die 1938 in Wien geborene Romy Schneider, die vor 36 Jahren starb, 80 Jahre alt geworden. Das Fernsehen würdigt diesen Ehrentag mit zahlreichen Sendungen.

"Manchmal kommt der Moment, da wünsche ich mir, nicht mehr gefragt, nicht mehr angeglotzt, gar nicht mehr fotografiert zu werden", gab Romy Schneider im Januar 1977 zu bedenken. Der Star wurde langsam müde. "Das ist kein 'Melodrama', auch kein 'Sich-Selbst-Beweinen'. Ich bin wohl recht 'unlebbar' für mich selbst - schon gar für andere", schrieb sie in einem Brief an einen Journalisten. "Dabei nehme ich mich viel weniger ernst, als man denkt! Meine Arbeit schon, meine Person - non." Fünf Jahre später, am 29. Mai 1982, war ihr Leben zu Ende. Sie starb an Herzversagen, im Alter von nur 43 Jahren.

Das Fernsehen und die Feuilletons haben sich längst um eine angemessene Würdigung ihrer Lebensleistung bemüht. Zuletzt wurden sogar Spielfilme über Romy Schneider gedreht. Das schwierige Verhältnis zu den Deutschen hatte damals seine Gründe: enttäuschte Liebe, gekränkter Stolz und das anachronistische, kleinbürgerliche Frauenbild der Nachkriegszeit auf der einen, Naivität, gelegentliche Geltungssucht und mangelnde Cleverness im Umgang mit der Öffentlichkeit auf der anderen Seite. Romy musste noch für die eigene Publicity sorgen. So ist es zu erklären, dass sie sich von der Presse zwar meist verfolgt fühlte, ihr in den glücklichen Momenten dann aber immer wieder offen und leutselig begegnete.

Die Deutschen konnten ihrer "Romy" die plötzliche Flucht vor dem Kitsch und der Rührseligkeit nie verzeihen. Die gebrochenen, selbstbewussten und sinnlichen Frauen im französischen Kino der 70er-Jahre, die Prostituierte in "Das Mädchen und der Kommissar" (1970), die Mörderin in "Trio Infernale" (1974) oder die verderbte Schauspielerin in "Nachtblende" (1974) - all diese Rollen wurden vom deutschen Massenpublikum weitgehend ignoriert.

Ganz anders die Franzosen: Freundlich nahmen sie die Deutsche Ende der 50-er nach dem Umzug nach Paris und der Liaison mit Alain Delon auf - auch wenn Romy Schneider später erklärte: "Die Pariser sahen in mir eine Art Alpenjodlerin, die mit Bergschuhen in ihre Welt klettern wollte." Für "Sissi IV" bekam sie eine Million Mark geboten. Doch sie lehnte ab: "Das Nicht-Leichte wird für mich immer reizvoll sein", schrieb die Autodidaktin, die zeitlebens unter ihrer fehlenden Ausbildung litt, in dem bereits erwähnten Brief. "Fast alles aus sich selbst herauszuholen, ist etwas, was mich vielleicht mein Leben lang beschäftigen wird."

Ein deutsches Comeback ging 1977 schief. "Gruppenbild mit Dame" nach Heinrich Böll wurde ein Fiasko, obwohl die von Böll als "verkanntes Genie der Sinnlichkeit" angelegte Figur der Leni Gruyten ihr sehr am Herzen lag. Um den Schriftsteller persönlich davon zu überzeugen, dass sie dafür die Richtige war, hatte sie ihn sogar in Köln aufgesucht. "Ich bin müde und ein bisschen kaputt", sagte er zu ihr. "Ich auch", antwortete sie ihm.

Da hatte der Abschied vom Leben bereits begonnen. Nach der Geburt ihrer Tochter Sarah 1977 kam der Selbstmord ihres ersten Ehemanns Harry Meyen, die Trennung vom zweiten, Daniel Biasini, eine schwere Nierenoperation, schließlich der Tod ihres Sohnes David, der beim Spielen von einem Eisenzaun aufgespießt wurde. Nach den unzähligen Schicksalsschlägen erlosch ihre Lebenskraft. Am 29. Mai 1982 starb Romy Schneider im Pariser Haus ihres neuen Freundes Laurent Pétain. "An gebrochenem Herzen", wie ihr einstiger Verlobter Alain Delon hinterher erklärte.

Inzwischen vermehrt sich der Ruhm der Schauspielerin von Jahr zu Jahr. Anlässlich ihres 80. Geburtstages wird Romy Schneider im TV umfangreich gewürdigt, sowohl mit Wiederholungen ihrer Filme, als auch mit aufregenden Dokumentationen. ARTE zeigt am Sonntag, 16. September, in einer Erstausstrahlung den Dokumentarfilm "Ein Abend mit Romy" von Macher Patrick Jeudy. Für die knapp einstündige Doku stellte Alice Schwarzer bisher unveröffentlichte Tonaufnahmen mit einem Interview mit Romy Schneider aus dem Jahr 1976 zur Verfügung. Darin gibt sich Schneider, die sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Gipfel ihrer Karriere befindet, sehr offen. Sie berichtet über Einsamkeit, innere Zerissenheit und die Traumata ihrer Jugend. Neben dieser Dokumentation zeigt ARTE am gleichen Abend ab 20.15 Uhr den Film "Cesar und Rosalie" (1972), in dem Romy Schneider eine Frau mit bewegtem Liebesleben verkörpert. Am darauffolgenden Montag folgen im Doppelpack die Filme "Eine einfache Geschichte" (20.15 Uhr) und "Gruppenbild mit Dame" (22 Uhr).

Auch 3sat erinnert umfänglich an die begnadete Schauspielerin. Am Freitag, 21. September, startet der Sender mit dem Film "Swimming Pool" (22.25 Uhr) und lässt am darauffolgenden Samstag den Heimatfilm "Die Deutschmeister" (17.15 Uhr), sowie die Dokumentation "Romy - La Rose" (23 Uhr) folgen. Am Sonntag wird darüberhinaus der actionreiche Film "Spion zwischen zwei Fronten" (16.15 Uhr) ausgestrahlt.

Die Dritten Programme zeigen ebenfalls zahlreiche Hommagen an Romy Schneider. So wiederholt der BR schon am Freitag, 14. September, den Spielfilm "Spion zwischen zwei Fronten" (23.50 Uhr). Ebenso können Romy Schneider-Fans mit Hans Jürgen Syberbergs Dokumentarfilm "Romy - Porträt eines Gesichts" (Mittwoch, 19. September, 22.45 Uhr) einen Blick auf das 27-jährige Ich der Schauspielerin und deren Seelenleben werfen. Im Anschluss an die Dokumentation ist der Film "Das wilde Schaf" (0.00 Uhr) zu sehen. Weitere Filme zeigen der NDR mit "Die Bankiersfrau" (Montag, 17. September, 23.15 Uhr) und der MDR mit "Das alte Gewehr" (Montag, 24. September, 23.05 Uhr).

Von Hans Czerny