7 Tage in Entebbe
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 03.05.2018
Regisseur: José Padilha
Schauspieler: Daniel Brühl, Rosamund Pike, Eddie Marsan
Entstehungszeitraum: 2018
Land: USA / GB
Freigabealter: 12
Verleih: One Filmverleih
Laufzeit: 107 Min.
Rosamund Pike
spielt in "7 Tage in Entebbe" (Start: 3. Mai) die deutsche Terroristin Brigitte Kuhlmann
"Kann man zu viele böse Menschen spielen?"
4. Juli 1976: Der Versuch einer israelischen Eliteeinheit, die Passagiere des entführten Air-France-Flugs 139 aus einem stillgelegten Gebäude des Flughafens Entebbe zu befreien, gelingt. Der Einsatz ist das Ergebnis eines Machtkampfs zwischen Verteidigungsminister Schimon Peres (Eddie Marsan) und Premierminister Yitzak Rabin (Lior Ashkenazi). Bei der Aktion sterben die Entführer, darunter die beiden Deutschen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike). Der brasilianische Regissseur José Padilha inszeniert mit "7 Tage in Entebbe" (Start: 3. Mai) einen grandiosen Mix aus Drama, Action und Geschichtsunterricht. Und die Britin Rosamund Pike (39) ist die perfekte Besetzung für die RAF-Mitläuferin Kuhlmann. Im Interview spricht der Star aus "Gone Girl" über Bonnie und Clyde, Stereotypen und Lehren aus dem Lauf der Welt.

Weser-Kurier: Hatten Sie Bedenken, auf Deutsch zu drehen?

Rosamund Pike: Natürlich habe ich mich zu Beginn gefragt, ob das nicht lieber eine deutsche Schauspielerin hätte spielen sollen, denn es ist schon ein recht vermessenes Unterfangen, so zu tun, als ob man eine fremde Sprache beherrschen würde. Mit seiner Sprache gibt man ein Stück weit von sich selbst auf. Aber Daniel Brühl hat mir sehr geholfen, und ich stellte schnell fest, dass ich die Szenen, nachdem ich sie auf Deutsch gelernt hatte, nicht mehr auf Englisch spielen konnte. Sie waren auf Deutsch einfach besser!

Weser-Kurier: Über Brigitte Kuhlmann ist wenig bekannt. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Pike: Mit Nachrichtenmaterial über Frauen der RAF. An fiktionalen Filmen über das Thema habe ich nur Margarethe von Trottas "Die bleierne Zeit" gesehen. Darin gibt es eine Szene, in der die beiden Schwestern in der Schule Filmsequenzen über die Grausamkeiten der Nazis gezeigt bekommen. Englischen Kindern wäre in der Schule niemals solche schrecklichen Bilder zu einem Thema gezeigt worden. Ich habe mich dann gefragt, wie es wohl war, als Kind in Deutschland aufzuwachsen, wenn man in den 50-ern geboren wurde und die Eltern im Dritten Reich gelebt hatten, dort vielleicht Nazis waren. Die Grausamkeiten der Nazi-Zeit wurden den Kindern ja nicht als historisches Ereignis vermittelt, sondern im Sinne von: "Ihr tragt das in euch und könntet potenziell auch so etwas anrichten." So etwas kann sich ein Kind aber nicht anschauen, ohne dass es Spuren in seiner Seele hinterlässt. Man möchte sich da ganz klar von abgrenzen und das kann zu einer ganz anderen Art von extremem Verhalten führen, wenn auch noch eine gehörige Portion Naivität dazu kommt. Brigitte Kuhlmanns Aggression kam meines Erachtens aus ihrer Unsicherheit. So habe ich die Figur jedenfalls verstanden.

Weser-Kurier: Der Film endet ein wenig wie Bonnie und Clyde ...

Pike: Mit dem Unterschied, dass Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann nie geschossen haben. Ein ausgebildeter Soldat würde dazu sagen: Weil sie dafür nicht ausgebildet waren. Man muss jahrelang trainieren, um in einem Zeitfenster von 20 Sekunden reagieren und tatsächlich schießen zu können. Die beiden waren in Panik erstarrt. Eine andere Interpretation wäre, dass es eine Geste der Humanität war. Sie wussten, sie würden sterben und wollten nicht noch andere verletzen. Das ist offen für Interpretationen.

Weser-Kurier: Entmutigt Sie die Tatsache, dass die Geschichte sich laufend wiederholt und die Menschheit nichts dazulernt?

Pike: Das ist insofern interessant, als das die Ereignisse in Entebbe etwas verändert haben. Andere Länder dachten plötzlich auch darüber nach, dass Militäreinsätze in solchen Fällen eine mögliche Option sein können. Entebbe hat nachgewirkt, wenn Sie zum Beispiel an Osama bin Laden und dessen Ausschaltung denken oder an die Entführung der "Landshut" nach Mogadischu im Jahr nach den Ereignissen von Entebbe. Die realistische Vorstellung, eine derartig komplexe Aktion auf ausländischem Boden überhaupt orchestrieren zu können, begann mit Entebbe.

Weser-Kurier: Sie haben schon in "Gone Girl" ein böses Mädchen gespielt. Jetzt wieder ...

Pike: Die meisten Rollen für Frauen in den Zwanzigern sind stereotyp: die starke Frau, der empfindsame Love Interest und so weiter. Aber Amy Dunne aus "Gone Girl" tat nur so, als wäre sie verletzlich, einfühlsam, gefühlvoll, war aber eigentlich eine Soziopathin. Für Frauen in den Dreißigern werden die Rollen ohnehin komplexer. Zurzeit spiele ich öfter Frauen aus dem realen Leben. Und das echte Leben ist oft besser als alles, was ein Autor schreiben kann, in Bezug auf die Figurenzeichnungen. Aber ich habe noch nie - vielleicht zu Unrecht - befürchtet, dass diese Figuren auf mich abfärben könnten. Kann man zu viele böse Menschen spielen oder zu viele nette? Die Hauptsache ist doch, dass die Figuren interessant sind.

Von Viktoria Schruoffeneger