Uwe Ochsenknecht / Andrea Sawatzki
sprechen in "Biene Maja - Die Honigspiele" (Start: 01.03.)
"Der Mensch baut irgendwie nur Müll"
Normalerweise stehen Andrea Sawatzki und Uwe Ochsenknecht als Schauspieler vor der Kamera. Doch für "Biene Maja - Die Honigspiele" (Start. 1. März) leihen sie zwei Bienen ihre Stimmen. Andrea Sawatzki schlüpft in die Rolle der Kaiserin von Summtropolis und Uwe Ochsenknecht leiht Graf Alfons von Bienenstich der Dritte seine Stimme. Beide Charaktere sind Insekten, denen man lieber nicht krumm kommen sollte. Bei den Honigspielen macht die Kaiserin der kleinen Biene Maja das Leben ziemlich schwer. Und auch der Graf tut sein Übriges, damit Maja nicht als Gewinnerin aus dem Wettbewerb geht. Wir trafen Andrea Sawatzki und Uwe Ochsenknecht zum Interview und sprachen mit ihnen über ihre Erlebnisse mit der kessen Biene, versteckte Talente und warum vom Mensch an sich nicht so viel zu halten ist.

Weser-Kurier: Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Biene Maja erinnern?

Andrea Sawatzki: Naja, ich kann mich nicht mehr genau erinnern, denn es liegt schon sehr, sehr weit zurück. Aber sie gehörte auf jeden Fall zu den Helden meiner Kindheit, neben diversen anderen. Sie war ein fester Bestandteil, und Maja war die einzige Zeichentrickfigur, die sich mir damals sehr eingeprägt hat.

Uwe Ochsenknecht: Also ich hab' das nicht geschaut als Kind, das weiß ich, aber man kam ja nicht drumrum. Die Titelmelodie von Karel Gott ist ein Klassiker. So wie "Vielen Dank für die Blumen" von Udo Jürgens. Das bringt man auch direkt mit "Tom & Jerry" in Verbindung. Biene Maja war einfach immer präsent.

Weser-Kurier: Hatten Sie denn eine Lieblingsfigur?

Sawatzki: Bei mir war's die Biene Maja. Einfach, weil sie so keck war!

Ochsenknecht: Naja, wahrscheinlich wäre es Willi gewesen.

Weser-Kurier: Maja sagt ja im Film, dass jeder ein Talent hat. Was ist Ihr ganz besonderes Talent außer der Schauspielerei?

Ochsenknecht: Naja, das reicht doch, oder? (lacht)

Weser-Kurier: Stimmt - aber da ist doch bestimmt noch mehr.

Ochsenknecht: Ich glaube, ich kann ganz gut singen. Das macht mir Spaß. Tanzen klappt auch ganz gut. Tja, und ansonsten - da wird's dann schon dünn. Ah, ich kann ein guter Freund sein, und ich versuche, ein guter Mensch zu sein. Aber ich kann ja mal sagen, was ich nicht kann (lacht).

Weser-Kurier: Na klar, immer raus damit!

Ochsenknecht: Ich hab's nicht so mit dem Handwerk. Das würde ich echt gerne können. So Leute, die zu Hause selbst einen Tisch oder ein Regal bauen können - das finde ich toll. Alles, was mit handwerklichen Arbeiten zu tun hat, ist nicht so meins. Aber meine Frau kann das.

Sawatzki: Na, dann brauchst du es ja auch nicht können.

Ochsenknecht: Stimmt, aber blöde Tipps geben. Das kann ich!

Weser-Kurier: Wie steht's mir Ihren Talenten, Frau Sawatzki?

Sawatzki: Also wir können schauspielen, sprechen, lesen, singen. Ich glaube, ich habe ein Talent für Familienorganisation. Ich bin ein absoluter Familienmensch.

Ochsenknecht: Außerdem bist du ein guter Mensch. Bist einfühlsam, lügst nicht - also meistens (lacht).

Weser-Kurier: Dafür, dass Sie beide gute Menschen sind, haben Sie aber nun zwei ganz schön gemeine Rollen übernommen ...

Ochsenknecht: Aber das ist ja auch das Schöne an unserem Job. Dass wir eben mal so sein können, wie wir eigentlich gar nicht sind.

Sawatzki: Also wirklich so gar nicht.

Ochsenknecht: Und es macht ja auch Spaß. Gehört ja auch zum Menschsein dazu - etwas zu machen, was man eigentlich nicht machen sollte.

Weser-Kurier: Zum Beispiel?

Sawatzki: Zum Beispiel Kinder anschreien. Wie die Kaiserin von Summtropolis. Aber eigentlich ist die Kaiserin ja gar nicht so, wie sie zu Anfang vielleicht rüberkommt. Sie ist einfach nur eine sehr einsame Biene.

Weser-Kurier: Stellen Sie sich vor, Sie hätten bei den Honigspielen mitmachen können. Wie weit hätten Sie es gebracht?

Ochsenknecht: Na, wir sind beide nicht unsportlich. Wir gehen beide joggen und unsere Hunde halten uns natürlich auch auf Trab. Vom Fliegen weiß ich nicht viel - ich bin nur früher ab und zu aus der Schule geflogen. (lacht)

Sawatzki: Also, die ein oder andere Aufgabe hätten wir bestimmt gut bewältigt bekommen.

Weser-Kurier: Welche Botschaft sollen Kinder aus dem Film mitnehmen?

Sawatzki: Dass man sich auch von den humorlosesten, bösesten und strengsten Erwachsenen nicht unterkriegen lassen darf, sondern auf sich selbst vertrauen muss. Maja macht ja vor, dass man auf seine eigene Stimme hören soll. Und genau das ist ganz wichtig für Kinder.

Ochsenknecht: Das ist ja oft in guten Kinderfilmen, auch in Realfilmen, dass es immer wieder darum geht, dass man gemeinsam stärker ist. Es ist wichtig, ein soziales Leben zu führen und dabei einfühlsam zu sein. Man ist eben nicht allein auf dem Planeten und erreicht zusammen einfach mehr als ein Einzelner. Natürlich ist auch das ein wichtiges Thema im Film. Ach ja - und natürlich sich nicht unterkriegen lassen! Einfach Dinge konsequent durchziehen, auch wenn sie zwischendurch unangenehm sind.

Weser-Kurier: Apropos nicht alleine auf dem Planeten - wir stehen ja mittlerweile vor dem großen Problem, dass uns die Bienen wegsterben. Was sagen Sie dazu?

Ochsenknecht: Das ist ja auch wirklich scheiße! Ich meine, ich finde ja die Spezies Mensch irgendwie nicht so gelungen.

Weser-Kurier: Okay, das müssen Sie nun doch ein wenig weiter ausführen ...

Ochsenknecht: Irgendjemand hat einmal gesagt "Der Mensch ist das misslungenste Experiment der Evolution." Und das passt total! Der Mensch baut irgendwie nur Müll. Ganz im Gegensatz zu Bienen. Gäb's keine Menschen, würden Bienen nicht aussterben. Wie kann man da von Menschen was Gutes halten?

Sawatzki: Ja, das ist wirklich erschreckend, jetzt eben gerade was die Bienen betrifft. Allein diese Glyphosat-Geschichte. Es ist schon ungeheuerlich, dass es da kein Verbot oder zumindest einmal eine Begrenzung gibt. Bei uns ist das auch immer aufs Neue im Frühjahr so: Wir leben außerhalb von Berlin, und da liegen dann tausend Bienen tot auf der Straße. Quasi ein ganzer Bienenteppich. Es ist so grauenhaft. Wir versuchen da nun im Kleinen ein bisschen entgegenzuwirken und pusten zum Beispiel im Herbst das Laub nicht mehr mit dem Laubbläser weg. Eben damit die Insekten im Winter Schutz finden. Sieht natürlich nicht so schön aus, ist aber wichtig. Außerdem lassen wir das Gras im Sommer länger stehen. Unser Garten ist ein echter Wildwuchs an manchen Ecken, aber das ist ja auch schön!

Ochsenknecht: Weißt du - wenn sich so jeder in seinem Bereich verhalten würde, könnten wir schon einiges bewegen. Ich finde, jeder, der einen Garten oder eine Terrasse hat, sollte dazu verpflichtet werden, ein Bienenvolk zu haben.

Sawatzki: Das wäre doch wirklich eine tolle Idee! Gerade in Verbindung mit der Biene Maja. Da wäre doch der Film die ideale Grundlage!

Von Sarah Schindler