Killermaschine im Kinderzimmer: Das sind die Kino-Highlights der Woche
Eine Horrorpuppe, schon wieder? Ja, und diese hier ist genauso fies wie Chucky, Billy aus den "Saw"-Filmen und Annabelle. Nur eben anders. "M3GAN", so heißt die Puppe, wurde mit besten Absichten als Best-Friend-Spielzeug programmiert. Sie soll Kinder beschützen und ihnen sogar als emotionale Stütze zur Seite stehen. Aber was, wenn so einem Ding die Sicherung durchbrennt? Dann wird aus dem smarten Helferlein eine gnadenlose Killermaschine.

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: "Holy Spider" erzählt basierend auf wahren Ereignissen von einer erschütternden Mordserie im Iran, und die Dokumentation "FCK2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter" zeigt, wie die legendäre Techno-Gruppe um H. P. Baxxter die Corona-Pandemie erlebte.

M3GAN

Die kleine Cady (Violet McGraw) hat bei einem Unfall ihre Eltern verloren, zum neuen Vormund wird ihre Tante Gemma (Allison Williams). Eine sehr schlechte Wahl, findet Gemma. "Ich bin dafür die Falsche. Ich kann nicht einmal meine Pflanzen versorgen." Aber vielleicht ... Gemma arbeitet in einem supermodernen Robotik-Unternehmen und entwickelte dort zuletzt ein spannendes Projekt. "Schon als ich klein war, habe ich von dem perfekten Spielzeug geträumt, das dafür sorgt, dass ein Kind niemals einsam oder traurig ist", erklärt sie. Kurz darauf zieht M3GAN bei ihr und Cady ein.

M3GAN - kurz für "Model 3 Generative Android" - ist immer da, selbst beim Abendessen sitzt sie mit am Tisch. Gemma ermahnt Cady, sie möge bitte mehr Gemüse essen. Und M3GAN, wirklich ganz auf die Bedürfnisse des Mädchens eingestellt, wirft ein: "Laut aktueller Studien werden Kinder, die Gemüse essen müssen, als Erwachsene mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig Gemüse essen." Wenn es doch nur bei solchen ungefragten Alexa-Weisheiten bliebe ...

Cady und M3GAN spielen und tanzen miteinander, die Robo-Puppe wird fast ein eigenständiges Familienmitglied. Dank M3GAN sei Cady so glücklich wie noch nie seit dem Tod ihrer Eltern, stellt Gemma verzückt fest. Aber dann kommt es zu einigen merkwürdigen Zwischenfällen. Ein Junge, der Cady geärgert hat, verunglückt schwer. "M3GAN, hast du Brendan auf die Straße geschubst?" Die kühle, unheilvolle Antwort der Androidin: "Ich lasse nicht zu, dass dir etwas passiert."

Gerard Johnstone führte bei "M3GAN" Regie (Drehbuch: Akela Cooper), als starker Mann im Hintergrund war aber vor allem auch Produzent James Wan maßgeblich an der Entstehung dieses Films beteiligt - ein großer Horror-Visionär und Spezialist für Gruselpuppen ("Saw", "Annabelle"). Auch diesmal hatte Wan offenbar wieder den richtigen Riecher. In den USA, wo der Film kürzlich bereits in den Kinos startete, spielte "M3GAN" bereits am Startwochenende ein Vielfaches der Produktionskosten (zwölf Millionen Dollar) ein.

Holy Spider

Sahra Amir Ebrahimi wurde in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet, der Film befindet sich auch im Rennen um den Auslands-Oscar - aber was da jetzt mit "Holy Spider" in die deutschen Kinos kommt, das muss man erst einmal aushalten. Auf der einen Seite: eine junge iranische Journalistin (Ebrahimi), die gegen viele Widerstände einem brutalen Serienmörder nachspürt. Auf der anderen: ein Handwerker, der in der heiligen Stadt Maschhad gezielt Jagd auf Prostituierte macht. Die Handlung basiert auf einem realen Kriminalfall in den frühen 2000-er Jahren.

Üblicherweise bleiben Mörder in Filmen lange im Verborgenen, in dem Thriller von Regisseur Ali Abbasi ("Border") aber weiß man schon früh, mit wem man es zu tun hat. Auch deshalb, weil der Verbrecher sich gar nicht als solcher versteht. "Gott hat mich doch nicht erschaffen, damit ich ein Leben lang nur ein einfacher Zimmermann bleibe", sinniert Saeed (Mehdi Bajestani). Und so wähnt er sich auch auf einer göttlichen Mission, wenn er nachts mit dem Motorrad durch Maschhad fährt, um Prostituierte zu suchen und dann zu ermorden. "Ich werde die Straßen von diesen Nutten befreien und keiner kann mich davon abhalten."

Zwei Jahre lang treibt Saeed in Maschhad sein Unwesen, die Medien nennen ihn "Spinnenmörder". Die Journalistin Rahimi (Ebrahimi) enttarnt ihn irgendwann, nicht nur für eine gute Story, sondern weil sie ihn hinter Gittern sehen will. Die Behörden allerdings nehmen die junge Frau lange nicht ernst. Überhaupt scheint es niemand sonderlich eilig zu haben, diese Mordserie zu beenden. Es gehe ja schließlich nur um ein paar "sittenlose Frauen". Viele glauben gar, Saeed vollführe wirklich "das Werk von Gottes unsichtbarer Hand" ...

FCK2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter

2020 war kein gutes Jahr, das würde wohl fast jeder unterschreiben. Scooter brachten es seinerzeit schon mit einer eigenen Single auf den Punkt. "I don't give a penny / Fuck 2020", hieß es damals in einem der "Shouts" von H. P. Baxxter. Und dann, bam bam bam, knallte der Bass, so wie man das kennt von Scooter. Viel mehr "bam bam bam" war in dieser Zeit, der Zeit der Corona-Pandemie, aber auch nicht drin. Was das speziell für eine Band wie Scooter bedeutet, davon erzählt jetzt eine Kino-Dokumentation, deren Titel an den Klageschrei von 2020 angelehnt ist: "FCK2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter".

Regisseurin Cordula Kablitz-Post, bekannt und ausgezeichnet für die ARTE-Reihe "Durch die Nacht mit ...", war mit ihrem Team überall dabei. Im Studio, bei einem Spontan-Auftritt in Tallin, mit H. P. Baxxter auf Besuch bei seiner Mutter in Ostfriesland und natürlich auch bei vielen Krisensitzungen. Die Filmemacherin wollte nah ran und Scooter haben es zugelassen - das ist ja auch eine Gelegenheit, sich mal von einer anderen Seite zu zeigen.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf H. P. Baxxter, dem Frontmann der Gruppe seit inzwischen 30 Jahren. Was macht so ein Profi-Einheizer, der sich nirgends so wohlfühlt wie auf einem Rave vor Zehntausenden von Menschen, wenn er mehr oder weniger nur noch herumsitzen darf? Da fällt auch er in ein Loch. "Ich wache morgens auf: Scheiße, ist ja jetzt Corona-Krise. Was sollen wir machen?" Kablitz-Post zeigt, wie H.P. Baxxter sich entschieden gegen Autokino-Auftritte ausspricht ("kommt gar nicht infrage") und dann doch im Autokino auftritt - da steckt schon auch viel hanseatischer Witz drin. Und dann ist sie auch dabei, wenn Scooter sich endlich wieder auf richtige Konzerte vorbereiten. Zurück auf die Bühne, zurück zu den Fans. Wie ging das noch im Song "FCK 2020"? "United we stand / First we save the rave, then we save the world!"

Von Jonas Decker