Zurück nach Wakanda mit einem neuen "Black Panther": Das sind die Kino-Highlights der Woche
Käme demnächst nicht noch "Avatar 2", dieser Film wäre wohl locker der Blockbuster des Jahres. Über 1,3 Milliarden US-Dollar spielte "Black Panther" 2018 ein, immerhin drei Oscars gab es hinterher - ein Riesenerfolg, auch für Marvel-Verhältnisse. Aber darüber hinaus hatte dieses Superhelden-Spektakel auch eine enorme kulturelle Bedeutung, schließlich war dieser 18. Film im Marvel Cinematic Universe (MCU) der erste mit einer schwarzen Hauptfigur. Der große Held von damals ist diesmal nicht mehr dabei, Hauptdarsteller Chadwick Boseman starb 2020 überraschend an Krebs. Aber auch die Fortsetzung "Black Panther: Wakanda Forever" ist wieder eine große Helden-Geschichte. Oder genauer: Diesmal ist es eine Heldinnen-Geschichte.

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: Mit "Crimes of the Future" kehrt Star-Regisseur David Cronenberg zu seinen Body-Horror-Wurzeln zurück, und mit "Mrs. Harris und ein Kleid von Dior" wird eine charmante 50er-Jahre-Geschichte neu aufgelegt.

Black Panther: Wakanda Forever

Bosemans Tod warf natürlich einen großen Schatten auf die Entstehung des zweiten "Black Panther"-Films, vieles musste umgeschrieben werden. Allerdings: Dass die weiblichen Figuren aus dem fiktiven afrikanischen Königreich Wakanda diesmal eine größere Rolle spielen würden, hatte sich schon vorher angedeutet. Regisseur und Drehbuchautor Ryan Coogler erläuterte bereits 2018 entsprechende Pläne. Nun also: ein weiblicher Black Panther.

Wer genau unter der Maske steckt, daraus wurde im Vorfeld ein großes Geheimnis gemacht. Aber an geeigneten Kandidatinnen mangelte es definitiv nicht, und die meisten starken Frauen aus dem ersten Film tauchen auch im zweiten wieder auf. Königin Ramonda (Angela Bassett) tritt an die Stelle des verstorbenen Königs T'Challa (Boseman), ihr zur Seite stehen unter anderem Tech-Genie Shuri (Letitia Wright), Elitekämpferin Nakia (Lupita Nyongo'o) und Generalin Okoye (Danai Gurira). Gemeinsam stehen sie vor vielleicht noch viel größeren Herausforderungen als seinerzeit König T'Challa.

"Black Panther" erzählte 2018 von einem futuristischen afrikanischen Staat, der sich und seine überlegene Technologie lange vor der restlichen Welt versteckt hielt. Nun sind die Dinge anders gelagert. Das vormals isolierte Königreich Wakanda hat sich geöffnet, es gibt Reden vor den Vereinten Nationen - Wakanda sucht seinen Platz in der Weltpolitik, es geht um globalen Frieden und Fortschritt. Vor dem Hintergrund bahnt sich aber auch neuer Ärger mit einem alten Feind an, dem von König Namor (Tenoch Huerta) angeführten Unterwasser-Volk Talocan. Am Ende, man kann es sich denken, wird es nicht bei diplomatischen Streitgesprächen bleiben.

Neben den besagten weiblichen Hauptdarstellerinnen kehren in "Wakanda Forever" einige weitere Figuren zurück, die man bereits aus dem ersten Teil kennt. Winston Duke verkörpert erneut den streitlustigen M'Baku, Anführer der Jabari und einstiger Widersacher von König T'Challa. Martin Freeman spielt abermals den CIA-Agenten Everett K. Ross, den Mann mit Blick für das große Ganze. Das Drehbuch schrieb Regisseur Ryan Coogler wie schon bei "Black Panther" gemeinsam mit Joe Robert Cole. Deutscher Kinostart ist bereits am Mittwoch, 9. November.

Crimes of the Future

Da ist ein Mann mit zugenähten Augen, zugenähtem Mund, dafür hat er ein paar zusätzliche Ohren - auf der Stirn, am Hinterkopf, am ganzen Körper, es ist ein groteskes Bild. Sieht so unsere Zukunft aus? Vielleicht, zumindest wenn es nach David Cronenberg geht. Gerade zu Beginn seiner Karriere tobte sich der Kanadier immer wieder spektakulär auf dem Feld des Body-Horror-Genres aus, sein wohl bekanntestes Werk aus jener Zeit ist "Die Fliege" (1986). Nachdem er sich zuletzt vor allem auf Dramen wie "Cosmopolis" (2012) oder "Maps of the Stars" (2014) konzentriert hatte, kehrt er nun mit "Crimes of the Future" zu seinen abgründigen Wurzeln zurück.

"Crimes of the Future", so hieß schon einmal ein Film von Cronenberg, mit dem Frühwerk von 1970 hat das neue Sci-Fi-Drama aber nichts zu tun. Damals ging es um einen Journalisten, der seltsame Frauentode untersuchte, diesmal steht der Performance-Künstler Saul Tenser (Viggo Mortensen) im Vordergrund. Tenser leidet wie viele seiner Mitmenschen in dieser Zukunftsvision unter dem "Accelerated Evolution Syndrome", das rasante und teils äußerst bizarre Veränderungen im menschlichen Körper auslöst.

Wobei das mit dem "Leiden" relativ ist, je nachdem, wie und in welche Richtung die Körper eben mutieren. Und Tenser, der macht eine Show daraus. Seine Assistentin und Partnerin Caprice (Léa Seydoux) hilft ihm dabei, und irgendwann zieht Tensers avantgardistische Kunst auch die Aufmerksamkeit von Timlin (Kristen Stewart) auf sich, einer Ermittlerin der National Organ Registry.

"Crimes of the Future" fantasiert im großen Stil davon, wohin die Evolution uns Menschen irgendwann womöglich bringen wird, und so taucht das Publikum in eine neue Welt ein, die auch ihre ganz eigenen neuen Fetische entwickelt - "Operieren ist der neue Sex", heißt es in einer Szene. Aber was ist es denn nun, das den Menschen im Innersten ausmacht? Diese Frage wird in "Crimes of the Future" ganz neu beantwortet. Nach dem Motto: Wenn man nur tief genug schneidet, findet man irgendwo vielleicht auch den Sinn.

Mrs. Harris und ein Kleid von Dior

"500 Pfund für ein Kleid?!" - das findet Ada Harris (Lesley Manville) geradezu obszön. Zumindest im ersten Moment. Sie, eine einfache Frau im London der 50-er, backt für gewöhnlich jedenfalls kleinere Brötchen. Ihr Mann ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt, nun hält sie sich über Wasser, indem sie bei den reichen Leuten putzen geht und den Haushalt schmeißt. Sie sieht viel Luxus, der für sie unerreichbar scheint, aber irgendwann fasst sie einen Entschluss: Auch sie möchte mal eines von diesen 500-Pfund-Kleidern haben. Eines von Dior.

1958 veröffentlichte US-Schriftsteller Paul Gallico den Roman "Mrs. 'Arris Goes to Paris", bereits zweimal wurde er verfilmt. Einmal mit Inge Meysel (1982) in der Titelrolle, einige Jahre später dann mit Angela Lansbury (1992). Nun wurde die charmante Geschichte als "Mrs. Harris und ein Kleid von Dior" einmal mehr neu aufgelegt, diesmal als internationale Koproduktion mit Lesley Manville ("The Crown") in der Hauptrolle und Isabelle Huppert in einer Nebenrolle; Regie führte Anthony Fabian.

Die Reise der Mrs. Harris nach Paris, sie führt natürlich nicht direkt zu einem Kleid von Dior. Aber immerhin in ein entsprechendes Geschäft. Ada hat ihr gesamtes mühsam erspartes Geld in bar dabei, doch man weist sie ab - so ein Dior-Kleid ist schließlich nicht für jeden gemacht, "Sie haben sich in der Adresse geirrt". Vor allem Dior-Direktorin Claudine Colbert (Huppert) hält anfangs überhaupt nichts davon, für diese britische Putzfrau ein Kleid anfertigen zu lassen, 500 Pfund hin oder her. Aber vielleicht sieht der Chef selbst, Christian Dior (Philippe Bertin), es ja anders? So nimmt eine charmant-nostalgische Tragikomödie ihren Lauf, in der es am Ende um viel mehr geht als nur ein einziges Kleid.

Von Jonas Decker