Wenn der Wellness-Urlaub komplett eskaliert: Die Kino-Highlights der Woche
Wenn die Frau mal wieder Wellness-Urlaub mit ihren Mädels machen will, sagt der Mann selten nein. Er stellt schon mal das Bier kalt und kann für ein paar Tage den Abwasch stehenlassen. Sie gönnt sich Peelings, Massagen oder was auch immer man da sonst so macht - und dann kommt sie, darum geht es doch, super entspannt wieder nach Hause. Peelings, Massagen und der andere langweilige Wellness-Kram sind im neuen Film von Aron Lehmann (Regie) und Lea Schmidbauer (Drehbuch) allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn "Wellness-Urlaub" bedeutet in diesem Fall: Es ist "Jagdsaison".

Worauf sich das Kino-Publikum in dieser Woche noch freuen darf: Die Bestseller-Verfilmung "Der Gesang der Flusskrebse" erzählt von einem Mädchen, das alleine in den Sümpfen von North Carolina aufwuchs. Mit "Mein Lotta-Leben - Alles Tschaka mit Alpaka!" läuft außerdem die zweite Film-Adaption der erfolgreichen Kinderbuch-Reihe von Alice Pantermüller an.

Jagdsaison

Drei Frauen, alle in ihren 30-ern, stehen im Zentrum der Komödie "Jagdsaison". Ihr Verhältnis zueinander ist einigermaßen kompliziert. Eva (Rosalie Thomass) ist frisch getrennt und allgemein vom Leben gefrustet, ihr Ex ist jetzt mit der schönen Bella (Almila Bagriacik) zusammen. Eva kann diese blöde Bella nicht ausstehen, Evas beste Freundin Marlene (Marie Burchard) aber versteht sich prima mit ihr.

Irgendwann sitzen die drei dann zusammen, und Marlene erzählt von einem Mann, in den sie sich verknallt hat. "Mein letzter Stand ist, dass du und Andi gerade ein zweites Kind plant?", entgegnet Eva entsetzt. Genau, schaltet sich Bella ein, deswegen müsse Marlene den neuen Typen einfach "wegvögeln", auf das sie ihn schnell wieder vergesse. Der Plan: Marlenes neuer Romeo und ein paar Kumpels machen Jagdurlaub, die Frauen beziehen direkt nebenan ein Wellness-Hotel, und dann, naja, "Jagdsaison". Eine fürchterliche Idee, findet Eva, aber sie macht trotzdem mit.

So nehmen die Dinge ihren Lauf, und es wird derb. Beim Intim-Waxing, beim Hängematten-Yoga, beim Prosecco-Besäufnis im Whirlpool, beim Aufeinandertreffen mit den Männern. Wenn das der ganz normale Wellness-Urlaub ist, wird der Mann das nächste Mal vielleicht doch kritisch nachfragen, wenn die Frau wieder mit ihren Freundinnen losziehen und ein wenig "ausspannen" will.

Er muss von diesem Film vielleicht aber auch gar nicht so viel mitbekommen, denn letztlich ist "Jagdsaison" sowieso eher die klassische Mädelsabend-Unterhaltung. Mit viel Klamauk, ein bisschen Romantik und zwischendurch auch mal mit tiefgründigen Momenten - so eine Freundschaft, auch unter Frauen, hält schließlich nicht alles aus. Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hat "Jagdsaison" bereits mit dem Label "besonders wertvoll" ausgezeichnet, in der Begründung wurde vor allem die "grandiose Chemie zwischen den drei Hauptdarstellerinnen" gewürdigt.

Der Gesang der Flusskrebse

Es ist immer feucht, man trifft auf unzählige Insekten und Reptilien, manchmal auch auf einen Bären: Bei Naturfreunden genießt das Marschland in North Carolina und Virginia einen enorm hohen Stellenwert. Aber hier leben will fast niemand. Entlaufene Sklaven kamen einst in diese Gegend, um sicherzustellen, dass die Sklavenhalter ihnen nicht folgen; bis heute kursieren viele Geschichten von bösen Geistern im Sumpf. Genau hier siedelte die US-Autorin und Zoologin Delia Owens einen Roman an, der die Literaturszene im Sturm eroberte. "Der Gesang der Flusskrebse" war 2019 das meistverkaufte Buch in den USA und dominierte auch in Deutschland lange die "Spiegel"-Bestsellerliste. Nun kommt eine große Verfilmung des Stoffes ins Kino. Regie führte Olivia Newman.

Die Protagonistin dieser Geschichte heißt Kya, im Film wird sie gespielt von Daisy Edgar-Jones. Als kleines Mädchen wurde Kya von ihren Eltern im Marsch zurückgelassen, in den Folgejahren schlug sie sich in dieser lebensfeindlichen Umgebung am Rande der Zivilisation alleine durch. Die Menschen der nächstgelegenen Ortschaft Barkley Cove begegnen ihr mit Ablehnung und Hänseleien - Kya, das Mädchen aus dem Sumpf, ist eine absolute Außenseiterin. Die Erzählung erinnert im ersten Moment ein wenig an die romantisierten Abenteuergeschichten von Mowgli aus dem "Dschungelbuch" oder Tarzan, ein klassisches Happy End gibt es in diesem abgründigen Mystery-Drama allerdings nicht.

Als sie eines Tages Kontakt zu zwei jungen Männern aus Barkley Cove herstellt, tut sich für Kya eine ganz neue Welt auf. Eine erste zarte Liebesbeziehung bahnt sich an. Dann aber findet man einen der beiden Männer tot im Sumpf, und Kya, die vermeintliche Wilde aus dem Marsch, wird schnell zur Hauptverdächtigen. Sie muss flüchten, zurück in den Sumpf - dorthin, wo sie gelernt hat, für sich selbst einzustehen und sich zu verteidigen. "Weit draußen, wo die Flusskrebse singen", sagt sie, sei nur eine Sache gewiss: "Jedes Geschöpf tut alles, um zu überleben."

Mein Lotta-Leben - Alles Tschaka mit Alpaka!

"Ich bin's wieder, Lotta Petermann, und wie ihr seht, packe ich gerade. Wir fahren nämlich auf Klassenfahrt." Damit ist das große Thema schon gesetzt. In der ersten Verfilmung der "Mein Lotta-Leben"-Reihe von Autorin Alice Pantermüller ("Alles Bingo mit Flamingo!", 2019) drehte sich noch alles um eine große Geburtstagsfeier, zu der die elfjährige Lotta (Meggy Hussong) und ihre beste Freundin Cheyenne (Yola Streese) unbedingt eingeladen werden wollten. Jetzt geht es also um die große Klassenfahrt. Das Ziel ist Amrum, was erst einmal nicht sonderlich spektakulär klingt. Aber in so einem "Lotta-Leben", das wissen die jungen Fans, können zu jeder Zeit die aufregendsten Dinge passieren. Das gilt auch für den neuen Kinofilm: "Mein Lotta-Leben - Alles Tschaka mit Alpaka!".

An der Besetzung hat sich nach Film eins kaum etwas geändert, neben Hauptdarstellerin Meggy Hussong sind unter anderem auch Laura Tonke und "Tatort"-Star Oliver Mommsen wieder als Lottas Eltern dabei. Regie führte diesmal Martina Plura, die gemeinsam mit Bettina Börgerding das Drehbuch erarbeitete.

Und was erlebt Lotta so bei dieser Klassenfahrt? Es geht erst einmal peinlich los, wegen Lehrermangels kommt nämlich ihr Papa als Begleitperson mit - ausgerechnet! Auch irgendwie uncool: Mit dem Franzosen Rémi (Timothy Scannell) ist ein neuer Junge in die Klasse gekommen, der sich unsterblich in Lotta verliebt hat und nun ständig mit ihrer Clique, den Wilden Kaninchen, herumhängen will. Die versnobten (G)Lämmer-Girls um Obertussi Berenike (Laila Ziegler) und die Rocker-Bande fahren natürlich auch mit nach Amrum - die beiden anderen Banden in der Klasse, mit denen Lotta und die Wilden Kaninchen ständig im Clinch liegen. Aber vielleicht ist es ganz gut, dass auch sie hier sind: Auf Amrum lockt jenseits aller Exkursionen ein großes Rätsel, das sich womöglich nur dann lösen lässt, wenn alle zusammenarbeiten ...

Von Jonas Decker