Abheben mit Tom Cruise und "Top Gun: Maverick": Das sind die Kino-Highlights der Woche
Bei einer Belastung von 3g beginnt sich das Gesicht zu verformen, bei 4g wird vielen schwarz vor Augen, spätestens bei 5g (so viel muss ein Formel-1-Fahrer in Highspeed-Kurven aushalten) verlieren die meisten normalen Menschen das Bewusstsein. Falls irgendjemand noch einen Beweis dafür gebraucht hätte, dass Tom Cruise kein normaler Mensch ist, sondern ein echt krasser Typ: Bei den Flugszenen zu "Top Gun: Maverick", die er alle selbst drehte, steigt die Belastung bis auf 7g. Ein bemerkenswertes, im positiven Sinne aus der Zeit gefallenes Flieger-Spektakel, das außer dem prominenten Hauptdarsteller noch einiges mehr zu bieten hat.

Wer mit Kampfjets oder Tom Cruise nichts anfangen kann und vielleicht sogar schon den "Top Gun"-Originalfilm von 1986 nicht mochte, findet definitiv Alternativen unter den aktuellen Kinostarts: Das britische Drama "Die Täuschung" erzählt von einer abenteuerlichen Spezialmission im Zweiten Weltkrieg, mit "Immenhof 2" kommen vor allem die Fans von Pferden und Teenager-tauglicher Unterhaltung auf ihre Kosten.

Top Gun: Maverick

Keine digitalen Tricks, keine Stunt-Doubles, alles echt, vom kurzzeitigen Blackout bis zum Erbrochenen im Cockpit - so und nicht anders wollten sie es haben. "Die Flugsequenzen mussten echt sein", erklärte Produzent Jerry Bruckheimer vorab in einem YouTube-Video, deshalb trainierten die Schauspieler extrem hart. Schleudersitz-Manöver, Unterwasser-Survival, insgesamt 15 Monate Flugtraining, unter anderem auch in echten Kampfjets. In einer Zeit, in der Hollywood-Action eigentlich nur noch am Computer entsteht, ist "Top Gun: Maverick" ein spektakulärer, beinahe absurd realistischer analoger Gegenentwurf. Und nicht nur die Flugszenen, sondern auch alles andere an diesem Film sollte möglichst authentisch sein.

Das Drehbuch von Christopher McQuarrie, Ehren Kruger und Eric Warren Singer musste vom Pentagon abgesegnet werden, damit man Zugang zu echtem Navy-Material erhält, viele gedrehte Szenen mussten hinterher nochmals eine Prüfung durch das US-Verteidigungsministerium durchlaufen. Dafür durfte man dann aber auch mit F-18 Super Hornets (Höchstgeschwindigkeit 2.000 Stundenkilometer) drehen und auf einem atombetriebenen Flugzeugträger. Insgesamt 150 Millionen Dollar flossen in das maximal ambitionierte Sequel zu "Top Gun - Sie fürchten werder Tod noch Teufel" (1986), zwischen den ersten Skizzen und dem Kinostart vergingen zwölf Jahre.

Bis zur kleinsten Statistenrolle wurde penibel darauf geachtet, dass die Darsteller in Uniform, Haarschnitt, Körpergröße, Gewicht und Alter den realen Militär-Standards entsprechen. Nur bei Tom Cruise, mit 59 Jahren eigentlich längst raus aus dem Kampfjet-Alter, hat man kleine Ausnahmen gemacht. Cruise durfte als erster Zivilist überhaupt von einem Flugzeugträger starten und wieder landen, saß in verschiedenen Jets und zeigt vielen 20 oder 30 Jahre jüngeren Actionhelden, wie es richtig geht. Den Erste-Reihe-Draufgänger aus dem 36 Jahre alten Original-Film gibt er in "Top Gun: Maverick" aber nicht mehr.

Nach 30 Jahren im Dienst ist Captain Pete "Maverick" Mitchell (Cruise) inzwischen Ausbilder, er soll eine neue Generation von "Top Gun"-Kadetten fit machen für einen "Spezialeinsatz", von dem die Sicherheit der USA und der Weltfrieden abhängen könnten. Der Gegner: eine nicht näher benannte feindliche Nation, die irgendwo in den Bergen Uran anreichert. Einer der jungen Piloten ist Lieutenant Bradley "Rooster" Bradshaw (Miles Teller), der Sohn von Mavericks verstorbenem besten Freund Nick "Goose" Bradshaw. Er wird neben Maverick zur zweiten zentralen Figur in der Inszenierung von Joseph Kosinski ("Oblivion", "Tron: Legacy").

"Top Gun"-Fans dürfen sich auf zahlreiche Referenzen aus dem ersten Film freuen, außerdem auf atemberaubende Flieger-Action, flirrende Flugfelder im Sonnenuntergang, ein neues "Danger Zone" von Kenny Loggins sowie weitere bekannte Gesichter. Neben "Maverick" kehrt auch Admiral Tom "Iceman" Kazansky (Val Kilmer) zurück. Der große Star bei diesem Projekt, Tom Cruise hin oder her, ist am Ende aber eigentlich der Film selbst.

Die Täuschung

Das Jahr 1943, die Alliierten planen eine große Invasion auf Sizilien. Das Manöver könnte kriegsentscheidend sein, wird aber nur dann gelingen, wenn man Hitler kalt erwischt. Kein leichtes Unterfangen in einem Krieg, in dem von beiden Seiten gezielt Spione und modernste Technik eingesetzt werden, um jeden Schritt des Gegners präzise vorherzusagen. So kommen zwei pfiffige Geheimdienstoffiziere auf eine Idee: ein aufwendiges, bis ins letzte Detail durchchoreografiertes Ablenkungsmanöver.

Eine Leiche mit falschen Plänen vor Spanien im Meer deponieren, um die Nazis so auf eine falsche Fährte zu locken - das ist der Plan von Charles Cholmondeley (Matthew Macfadyen) und Ewen Montagu (Colin Firth). Wenn diese Sache funktionieren soll, darf man jedoch bis hin zur winzigen im Brief eingefalteten Wimper keine Fehler machen - dabei erweist sich schon das Beschaffen der "passenden" Leiche als große Herausforderung. Es ist eine durchaus abenteuerliche Geschichte, die man in "Die Täuschung" zu sehen bekommt, aber immerhin mal eine, die abseits blutiger Kampfhandlungen vom Zweiten Weltkrieg erzählt. Dramatisch, stilvoll, inszeniert mit schicker Ausstattung und trockenem britischen Humor. Regie führte John Madden ("Ihre Majestät, Mrs. Brown", "Shakespeare in Love").

Wie es mit dem großen Ablenkungsmanöver ausgeht, beziehungsweise ausging, kann man theoretisch auch in den Geschichtsbüchern nachlesen. Bei "Die Täuschung" handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ben Macintyre, der wiederum auf einer wahren Begebenheit basiert. Neben prominenten politischen Akteuren wie Winston Churchill (Simon Russell Beale) tauchen im Film auch weitere historische Figuren von Rang und Namen auf. Bentley Purchase (Paul Ritter) etwa, ein berühmter britischer Rechtsmediziner. Und Ian Fleming (Johnny Flynn), der legendäre Erfinder von "James Bond".

Immenhof - Das große Versprechen

Drei große Kino-Abenteuer in den 50-ern, zwei weitere in den 70-ern: Die "Immenhof"-Filme sind ein eigenes kleines Stück deutsche Filmgeschichte. Und wenn es nach Sharon von Wietersheim geht, ist die "Immenhof"-Geschichte auch noch lange nicht zu Ende erzählt. 2019 gab es unter ihrer Leitung das Kino-Reboot "Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers"; von Wietersheim schrieb das Drehbuch, führte Regie und trat als Produzentin auf. Trotz durchwachsener bis mäßiger Kritiken kommt nun die Fortsetzung: "Immenhof - Das große Versprechen".

Die Geschichte spielt erneut auf dem berühmten Reiterhof, wo sich weiterhin Lou (Leia Holtwick) und Emmie (Ella Päffgen) um all die wunderschönen Pferde kümmern. Ihre große Schwester Charly (Laura Berlin) ist inzwischen weg, um irgendwo Kunst zu studieren, dafür werden Lou und Emmie jetzt von ihrer Cousine Josy (Caro Cult) unterstützt. Alles ist schön, pure Immenhof-Idylle, bis Lou plötzlich den schwarzen Spitzenhengst Cagliostro halbtot in seiner Box findet - vergiftet! So kommt es schließlich zu dem "großen Versprechen" aus dem Filmtitel: Lou schwört Cagliostro, dass er ab jetzt einfach Pferd sein darf und nie wieder an einem Rennen wird teilnehmen müssen. Die beiden hauen ab, weg von Immenhof.

Mit den jungen Protagonistinnen, die sich so liebevoll um den Immenhof und die Tiere dort kümmern, kehrt auch der weniger tierliebe Pferdebesitzer Jochen Mallinckroth (Heiner Lauterbach) zurück - im ersten Film war er noch der Bösewicht. Darüber hinaus gibt es auch ein paar neue Gesichter, etwa den attraktiven Naturburschen Cal (Max Befort), der weit weg vom Trubel der modernen Welt mit ein paar Wildpferden lebt. Fans der Vierbeiner kommen also in "Immenhof 2" definitiv wieder auf ihre Kosten. Diesmal sind sogar ein paar lustige kleine Ponys dabei, so wie man sie auch aus den alten Filmen kennt - ihr Fehlen war beim Reboot von 2019 noch ein großer Kritikpunkt.

Von Jonas Decker