Wikinger-Epos mit Star-Besetzung: Das sind die Kino-Highlights der Woche
Die Welt der Wikinger ist seit jeher ein beliebter Leinwand-Stoff, der ganz große Kracher war in den letzten Jahren aber nicht dabei. Mit "The Northman" kommt nun endlich mal wieder eine Produktion mit ernstzunehmendem Blockbuster-Anspruch. Neben Nicole Kidman wirken viele weitere Stars bei dem üppig inszenierten Epos mit; die ersten Kritiken fielen überwiegend positiv aus.

Neben der ziemlich brutalen und gruseligen Wikinger-Saga von US-Regisseur Robert Eggers stehen in dieser Woche zwei weitere hochkarätig besetzte Kino-Neustarts an, in denen es aber eher humorig beziehungsweise flauschig zugeht: Sandra Bullock und Channing Tatum stürzen sich mit "The Lost City" in ein schräges Hollywood-Abenteuer, Benedict Cumberbatch verkörpert in "Die wundersam Welt des Louis Wain" einen britischen Künstler, der mit Katzenbildern berühmt wurde.

The Northman

Nicole Kidman, Alexander Skarsgård, Ethan Hawke, Willem Dafoe, "Damengambit"-Star Anya Taylor-Joy und Björk: Die Macher von "The Northman" müssen jenseits ihres 100-Millionen-Dollar-Budgets schon ein paar sehr gute Argumente gehabt haben, um so eine Truppe zusammenzubekommen. Die überwältigenden Kulissen? Die ausgefallenen Kostüme? Das renommierte Personal hinter der Kamera? Oder vielleicht die Vision, den bis dato größten und gewaltigsten Wikinger-Film überhaupt zu drehen? Nichts weniger als das darf man jedenfalls erwarten, wenn man für "The Northman" ins Kino geht.

Regie führte der zuletzt vor allem für "The Witch" (2015) gefeierte Robert Eggers, das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit dem Isländer Sjón Sigurdsson ("Lamb", Oscar-Vorauswahl 2022) - zwei aufstrebende Visionäre, die gerne mit düsteren Bildern und moralischen Abgründen arbeiten. So auch hier. In "The Northman" erzählen sie, aufbauend auf einer altdänischen Sage, eine mehrere Jahrzehnte umspannende Geschichte von Missgunst, Verrat und Rache.

Die Geschichte beginnt im späten neunten Jahrhundert mit dem Wikingerkönig Aurvandil (Hawke), der den Thron vorzeitig seinem zehnjährigen Sohn Amleth (Oscar Novak) überlassen möchte. Dann ein Überfall im Wald, Aurvandil wird von seinem Halbbruder (Claes Bang) getötet, Amleth flieht, und die Königin (Kidman) bleibt zurück. "Ich werde dich rächen, Vater. Ich werde dich retten, Mutter. Ich werde dich töten, Fjölnir": Dieser Schwur führt Amleth (Skarsgård), inzwischen ein mächtiger Krieger mit neuen Verbündeten, viele Jahre später zurück in die Heimat.

In "The Northman" erwarten das Publikum viele aufwendige Kampfszenen und einiges Blutvergießen, dazwischen schöpfen Regisseur Eggers und sein Team die ohnehin finstere nordische Mythologie voll aus und kreieren Bilder wie aus einem Horror- oder Fantasyfilm. Zuletzt sah man Geschichten wie diese vor allem in TV-Serien wie "Game of Thrones" oder eben "Vikings", Eggers holt das große Epos mit "The Northman" zurück ins Kino - vielleicht war es ja auch das, was Kidman, Hawke, Skarsgård und Co. an diesem Projekt so reizte.

The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

Wie ein echtes Abenteuer aussieht? Loretta Sage (Sandra Bullock) hat keine Ahnung davon, aber mit ihren Abenteuer-Romanen hat die Autorin riesigen Erfolg. Vor allem dann, wenn sie wieder eine Geschichte vom muskulösen Herzensbrecher Dash erzählt und Model Alan (Channing Tatum) sich für das Buch-Cover fotografieren lässt. Auch für den Roman "The Lost City" hat sie sich wieder eine wilde Geschichte zusammenfantasiert, eigentlich alles wie immer. Das Problem ist nur: Der schrullige Milliardär Fairfax (Daniel Radcliffe) ist überzeugt, dass bei "The Lost City" mehr als bloße Fiktion dahintersteckt.

Das Buch habe ihm sehr gefallen, erklärt er Loretta bei einem Treffen - "und ich glaube, Sie können mir helfen, den Schatz zu finden". Es gibt keinen echten Schatz, sagt Loretta. Aber ein echtes Abenteuer wird es, ob sie will oder nicht: Fairfax entführt die Autorin, wenig später findet sie sich mit pinkem Glitzerkleid im Dschungel wieder. Und wer eilt ihr nach? Model Alan, der endlich zeigen will, dass er ein echter Kerl ist (ist er nicht).

Großstadt-Tussi Loretta ist zwischen Schmutz und Kriechtieren natürlich komplett überfordert, der unbeholfene Alan macht alles nur noch schlimmer. Zwei Chaoten schlagen sich durch auf der Suche nach Wasauchimmer, das Ergebnis ist eine ziemlich schräge und, nun, abenteuerliche Actionkomödie. Regie führten die Brüder Adam und Aaron Nee; vor allem für Sandra Bullock ist dieser Film ein Herzensprojekt - sie war von Beginn an als Produzentin beteiligt. Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist: Auch Brad Pitt konnte für eine kleine Rolle in "The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt" verpflichtet werden.

Die wundersame Welt des Louis Wain

Menschen, die sich an süßen Katzenbilder erfreuen? Ein kurioser Hype des Internetzeitalters, klar - es gab sogar schon wissenschaftliche Studien zur Wirkung von sogenanntem "Cat Content". Aber ganz neu ist das Phänomen nicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten Katzenbilder schon einmal einen kleinen Boom, insbesondere in Großbritannien, und ein Maler wurde auf dem Gebiet sogar zu einer echten Koryphäe: Louis Wain. Regisseur und Drehbuchautor Will Sharpe hat ihm nun einen eigenen Film gewidmet, "Die wundersame Welt des Louis Wain".

Die Katze, einfach nur irgendein Tier? Nein, Louis Wain (Benedict Cumberbatch) hat in den flauschigen Vierbeinern schon immer mehr gesehen. Albernheit, Angst, Mut: Nach einer mäßig erfolgreichen Karriere als Illustrator spezialisiert sich Wain auf Gemälde von Katzen, die er mit allen möglichen menschenähnlichen Zügen versieht. Und er hat durchaus Erfolg damit, gewinnt über seine Katzen-Malerei sogar das Herz der schönen Emily (Claire Foy), die er später heiratet.

Will Sharpes inszeniert "Die wundersame Welt des Louis Wain" mit bunten Farben, Charme und viel Humor, oft aus Sicht des Protagonisten, und natürlich profitiert er von seinem prominenten Hauptdarsteller. Dieser Louis Wain, wie Cumberbatch ihn spielt, ist bisweilen ein ziemlich ulkiger Typ. Es geht hier aber um mehr als nur um einen talentierten Sonderling und seine putzigen Bilder. Krankheit, Tod, Trauma, die ganze Härte des wahren Lebens: Jenseits seiner Gemälde, die Kunsthistoriker wissen es, war Louis Wain eine tragische Figur.

Von Jonas Decker