Nabelschau mit Daniel Brühl: Das sind die Kino-Highlights der Woche
Seit er 2003 in "Good Bye, Lenin!" die DDR wiederauferstehen ließ, zählt Daniel Brühl zu den besten und beliebstesten Schauspielern des Landes. Auch international wurde man längst aufmerksam auf den heute 43-Jährigen, den man zuletzt etwa in der Superheldenserie "The Falcon and the Winter Soldier" sehen konnte.

Aber nur vor der Kamera stehen, das war Brühl offenbar nicht genug. In "Nebenan" spielt er nun nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch Regie - "eine der beglückendsten und schönsten Erfahrungen, die ich beruflich jemals gemacht habe", wie Brühl sagt. "Es ist ein schönes Gefühl, der Kapitän auf dem Schiff zu sein und diese Reise bis zur Einfahrt in den Hafen selbst zu bestimmen."

Weitere Neustarts der Woche sind "Space Jam: A New Legacy", eine wilde Mischung aus Real- und Animationsfilm, sowie die Fußball-Doku "König Otto".

Nebenan

In "Nebenan", seinem Debüt als Regisseur, spielt Daniel Brühl - ja, wen eigentlich? Sich selbst? Oder eine Karikatur seiner selbst? Klar ist: Der Mann, den Brühl hier verkörpert, heißt auch Daniel, ist ebenfalls erfolgreicher Schauspieler und lebt auch in Berlin. Ein Sympathieträger, so wie Brühl, ist dieser Daniel aber nicht. Er lebt in einer gentrifizierten Wohngegend, hat nur seinen eigenen Erfolg im Kopf und vergisst darüber, sich um seine Kinder zu kümmern.

Als er auf dem Weg zum Flieger nach London in einer Berliner Eckkneipe hängenbleibt, hat dieser Daniel eine folgenschwere Begegnung: Da sitzt Bruno (gespielt von Peter Kurth), ein Mann aus der Nachbarschaft, der gar nicht gut auf Daniel zu sprechen ist. Seine Filme findet er mies, und übers Privatleben des Schauspielers weiß er deutlich mehr, als den Klatschpostillen zu entnehmen ist. Bruno scheint einen Plan zu verfolgen - er treibt Daniel langsam aber sicher zur Weißglut.

"Nebenan" ist vor allem ein Schauspielduell: In rund 90 Filmminuten laufen Brühl und Kurth zu Höchstform auf, bewerfen sich gegenseitig mit Giftpfeilen und lassen keine fiese Pointe aus. Brühl selbst betreibt gnadenlose Nabelschau, nimmt sich und die Schauspielwelt ohne Rücksicht auf Verluste aufs Korn. Das ist äußerst vergnüglich anzusehen, lediglich die Frage, was uns der Regisseur (und sein Drehbuchautor Daniel Kehlmann) eigentlich sagen wollen, die lässt sich nicht so leicht beantworten.

Space Jam: A New Legacy

In "Space Jam" von 1996 war es noch Michael Jordan, der im Mittelpunkt der kunterbunten Mischung aus Real- und Animationsfilm stand. Nun, 25 Jahre später, tritt LeBron James dessen Erbe an. James spielt sich in "Space Jam: A New Legacy" quasi selbst: einen Basketball-Star, der vor allem seinen Sport im Kopf hat. Zu seinen Kindern, besonders zu seinem Sohn Dom (Cedric Joe), hat er hingegen keine so guten Draht. Doch seine Vaterliebe ist gefragt, als Dom in die Hände einer bösartigen Künstlichen Intelligenz gerät, die den Jungen in die Tiefen der digitalen Welt gezogen hat.

James folgt Dom in die virtuelle Realität, wo ihn die Künstliche Intelligenz vor eine unmöglich scheinenden Aufgabe stellt: Um Dom zu retten, muss sein Vater ein Basketball-Spiel gewinnen - nicht allerdings mit den Los Angeles Lakers an seiner Seite, sondern mit Bugs Bunny, Sylvester und all den anderen schrägen Gestalten der Looney Tunes.

"Space Jam: A New Legacy" von "Night School"-Regisseur Malcolm D. Lee ist einerseits ein schriller Mix aus Zeichentrick, Computeranimation und realem Film, gleichzeitig aber auch ein Füllhorn voller Easter Eggs: Schon der Trailer ist voller Anspielungen auf Dutzende Figuren und Franchises aus der Welt des Filmstudios Warner Bros. - von "Der Zauberer von Oz" bis "Harry Potter".

König Otto

Es war eine der größten Fußball-Sensationen der vergangenen 20 Jahre: Griechenlands völlig unerwarteter Erfolg bei der EURO 2004 in Portugal verzückte ein Land, welches selbst längst nicht mehr an seine Nationalelf geglaubt hatte - und bis heute einen deutschen Fußballtrainer verehrt. Otto Rehhagel führte den krassen Außenseiter damals zum ersten Titel überhaupt. Diese emotionale Fußball-Geschichte kommt nun unter dem Titel "König Otto" ins Kino.

Im Film von Christopher André Marks wird das Fußball-Wunder aufgerollt: Wie gelang es Rehhagel, damals bereits dreimal Deutscher Meister sowie DFB- und Europapokal-Sieger, und seinem griechischen Co-Trainer, die Defensivkönige auf den Thron zu hieven? Um die vorherrschenden Verhältnisse vor der EM 2004 zu verdeutlichen: Griechenland hatte vor der EURO noch nicht einmal eine Partie in einem großen Turnier für sich entscheiden können. Mit Archivaufnahmen und Interviews mit den Protagonisten von damals lässt der Dokumentarfilm den Geist von 2004 wiederaufleben.

Von teleschau