"Wild Republic": "Herr der Fliegen" trifft auf Südtiroler Alpen-Idylle
"Strafe hat noch nie dazu geführt, dass Menschen sich bessern. Im Gegenteil: Sie führt zu mehr Gewalt." Dieser Auffassung ist der Psychologe und Autor Lars Sellien (Franz Hartwig). Er ist Leiter einer sogenannten erlebnispädagogischen Maßnahme, bei der jugendliche Straftäter auf einer achtwöchigen Alpen-Expedition Rücksicht und Gemeinschaftssinn erlernen sollen. Doch was passiert wirklich, wenn man eine Gruppe junger Krimineller gemeinsam in die Wildnis schickt?

Genau diese Frage stellt das neue Adventure-Drama "Wild Republic", eine Koproduktion der Telekom-Plattform MagentaTV und der öffentlich-rechtlichen Sender ARTE, WDR, SWR und ONE. Die achtteilige Serie startet am Donnerstag, 15. April, auf MagentaTV und soll im Frühjahr 2022 schließlich auch im Free-TV auf ARTE und in der ARD ausgestrahlt werden.

Eine Debatte über Schuld und Strafe

"Wild Republic"erzählt von Recht und (Un)gerechtigkeit, von Selbstjustiz und Solidarität. Im Zentrum der mitreißenden Handlung stehen junge Menschen wie Kim (Emma Drogunova) und Ron (Merlin Rose), deren Vergangenheit die Serie mittels Flashbacks ergründet. Recht schnell wird klar: Oftmals sind es vor allem unglückliche Umstände, die die Protagonisten straffällig werden ließen. Nachdem jedoch die Gruppe einen ihrer Betreuer tot auffindet, eskaliert die Lage trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bereits in der ersten Folge und die Jugendlichen flüchten sich in die Berge, statt sich der Situation zu stellen.

Den Machern gelingt es scheinbar mühelos, vor teils atemberaubender Kulisse eine Debatte über Schuld und Strafe auf zwei geschickt verwobenen Ebenen zu führen. Da ist zum einen, in der Außenwelt, der zunehmend verzweifelte Lars Sellien (Franz Hartwig), der vor den Trümmern seines Experiments stehend versucht, die Ermittlungen voranzutreiben und das drohende Unheil abzuwenden. Zum anderen sind da die geflüchteten Jugendlichen, die im Schutze einer versteckten Höhle kurzerhand ihre eigene Gemeinschaft samt zweifelhafter Hierarchie bilden: die "Wild Republic".

Nichts für schwache Nerven

Zwar ist eine zusehends angespannter und gefährlicher werdende Gruppendynamik als Handlungsbasis mit Sicherheit keine besonders originelle Idee, doch "Wild Republic" schafft es, ein altbewährtes Prinzip auf ungewöhnlich mitreißende Art umzusetzen - was nicht zuletzt dem überzeugenden Spiel von "Polizeiruf 110"- und "Magda macht das schon!"-Darstellerin Verena Altenberger, "Tatort"-Ermittler Ulrich Tukur und Nachwuchs-Talenten wie Béla Gabor Lenz ("Wir sind die Welle"), Rouven Israel ("Club der roten Bänder") und Emma Drogunova ("Der Trafikant") geschuldet ist.

Spätestens als klar wird, dass bei Weitem nicht alles ist, wie es zunächst scheint, spitzt sich die Geschichte auf teils so erschütternde und bedrückende Art und Weise zu, dass Zuschauer mit schwachen Nerven wohl lieber einen Bogen um die Drama-Serie machen sollten.

Von Franziska Wenzlick