Heimkino statt Filmtheater: Das sind die DVD-Highlights der Woche
Wann immer er einen neuen Film fertig hat, ist Christian Petzold zu Gast bei der Berlinale. So auch in diesem Jahr mit seinem Märchen über die Wasserfrau "Undine". Bei den allesamt enttäuschten Kritiken im Anschluss ging es eigentlich um eine Beschwerde. Nämlich die, das Petzold einen anderen Film als "Transit" (2018) gemacht hat. Was stimmt - er hat die gleichen Schauspieler genommen und erzählt - Überraschung - eine ganz andere Sache, benutzt eine andere Sprache, neue Bilder. Man kann den neuen Film als eine Hommage betrachten an Paula Beer und Franz Rogowski, die damals wie heute in einer unglaublichen Liebesgeschichte aufgehen. Vergleichen allerdings ergibt keinen Sinn. Nun erscheint "Undine" ebenso wie "Berlin Alexanderplatz" und "Marie Curie - Elemente des Lebens" auf DVD und Blu-ray.

"Undine" (VÖ: 19. November)

Die hübsche, aber auch geheimnisvolle Stadthistorikerin Undine (Paula Beer) versucht gerade die Trennung von ihrem Freund Johannes (Jacob Matschenz) zu verkraften. Lange wird der Zuschauer Zeuge ihrer Traurigkeit, wieder mal transportiert Filmemacher Christian Petzold Gefühle wie kein anderer. Dann aber stolpert Christoph (Franz Rogowski) zufällig in Undines Leben und wird von ihr als auch nicht schlecht empfunden. Sie begegnen sich und werden von Petzold auf eine märchenhaft mythische Reise geschickt, wenn auch hier und da von einem recht aufdringlichen Klavier begleitet. Mit Sicherheit ist "Undine" eine aufregende Liebesgeschichte, die auf dem gleichnamigen Mythos basiert. Und wer den Film nicht mit Petzolds letztem Film "Transit" vergleicht, kommt nicht umhin, "Undine" als Meisterwerk zu bezeichnen.

Preis DVD: circa 13 Euro

D/F, 2019, Regie: Christian Petzold, Laufzeit: 86 Minuten

"Berlin Alexanderplatz" (VÖ: 26. November)

"Berlin Alexanderplatz" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin (1929). Aus der damaligen Hauptfigur Franz Biberkopf wird in dem Film der Flüchtling Francis (Welket Bungué), der auf dem Meer in Seenot gerät, am Ende aber überlebt. Nun hofft er darauf, ein guter Mensch werden zu können. Das ist er seiner Freundin, die im Meer blieb, und Gott schuldig. Doch Francis kann kein guter Mensch sein, wenn ihn das Leben nicht lässt. Sein einziger Lichtblick ist die selbstbewusste Sexarbeiterin Mieze (Jella Haase), die Francis' Schicksal zunächst aus der Distanz kommentiert, bevor sie später aktiver Teil seines Lebens wird und ihm für einen kurzen Moment Liebe schenkt. "Berlin Alexanderplatz" ist wuchtig und draufgängerisch, ein Film wie eine Oper, der sich in seinen fünf Akten nicht scheut, mit Inbrunst und Pathos Arien zu schmettern.

Preis DVD: circa zwölf Euro

D, 2019, Regie: Burhan Qurbani, Laufzeit: 176 Minuten

"Marie Curie - Elemente des Lebens" (VÖ: 26. November)

Paris um 1900: Die junge Chemikerin Marie Sklodowska (Rosamund Pike) lernt zufällig ihren Kollegen Pierre Curie (Sam Riley) kennen. Aus einer Arbeitsbeziehung wird leidenschaftliche Liebe. Sie heiraten, bekommen zwei Töchter - und stoßen auf das Phänomen der Radioaktivität. Radiologische Untersuchungen erlauben nun präzisere Behandlungen. In den Film eingebettete Zeitsprünge zeigen aber auch andere Folgen wie die Atombombenabwürfe von 1945 über Hiroshima und Nagasaki. Mit collagenartiger Erzählweise adaptiert Regisseurin Marjane Satrapi in ihrem Biopic "Marie Curie - Elemente des Lebens" nicht nur eine Graphic Novel von Lauren Redniss, sondern wendet auch die experimentellen Prinzipien ihrer eigenen, autobiografischen Graphic Novels an. Auch wenn das nicht immer zum biederen Darstellungsstil der rein biografischen Teile passt, so war die Folgenabschätzung von Wissenschaft doch nie persönlicher.

Preis DVD: circa 13 Euro

F/GB, 2019, Regie: Marjane Satrapi, Laufzeit: 105 Minuten

Von teleschau
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