"Jean Seberg - Against All Enemies"
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 17.09.2020
Regisseur: Benedict Andrews
Schauspieler: Kristen Stewart, Jack O’Connell, Anthony Mackie
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 12
Verleih: Prokino
Laufzeit: 103 Min.
So tragisch starb Hollywood-Star Jean Seberg
Sie durchlitt als Jungfrau von Orleans den Flammentod auf dem Scheiterhaufen. Doch mehr als das traurige Schicksal der Geschichtsheldin faszinierte das Kinopublikum die Frisur der Hauptdarstellerin Jean Seberg: raspelkurze blonde Haare. Als sie mit "Außer Atem" neben Jean Paul Belmondo den großen Durchbruch schaffte, gab es kein Halten mehr: Millionen Mädchen kopierten ihren Haarschnitt.

Jean Seberg war wirklich außergewöhnlich schön - aber nie sehr glücklich. Und ihr Leben endete tragisch: Am 8. September 1979 wurde der tote Körper der Schauspielerin in einem Auto in Paris gefunden. Wahrscheinlich ein Selbstmord - doch um das frühe Ableben der Filmlegende ranken sich bis heute Gerüchte, die nun auch in einem Kinofilm wieder aufgerollt werden: In "Jean Seberg - Against All Enemies" spielt Kristen Stewart die Hollywood-Legende, die nur 40 Jahre alt wurde.

Jean Sebergs Karriere begann einst sehr hoffnungsvoll: Otto Preminger wählte die Apothekerstochter aus Marshalltown/Iowa unter mehr als 20.000 Bewerberinnen für seinen Film "Die heilige Johanna" (1957) aus. Allerdings wirkte die damals 17-Jährige neben ihren Partnern, darunter Richard Widmark, überfordert. Die Kritik fiel dementsprechend gnadenlos aus, und Jean floh bitter enttäuscht nach Paris. Dort machte sie die Bekanntschaft einer Gruppe schlecht bezahlter, rebellischer Schauspieler, darunter ein unbekannter junger Mann namens Jean Paul Belmondo. Jean-Luc Godard entdeckte die beiden und verpflichtete sie für "Außer Atem". Jean, Jean und Jean, ein erfolgreiches Trio: Die Presse war begeistert, und Jean Seberg atmete auf: "Dieser Film hat mir wieder einen anständigen Namen gegeben."

Doch sie versäumte es, von der Sinnlosigkeit ihres Tuns überzeugt, zügig an ihrer Karriere weiterzubasteln. "Wenn ich eine Rolle spiele, bilde ich mir ein, ein dichteres, aufregenderes Leben zu führen. Aber nur zu schnell merke ich dann, dass wir alle in diesem Geschäft einen Sprung wegbekommen haben." Jean flüchtete sich in diverse Liebesbeziehungen. Doch ihre insgesamt drei Ehen scheiterten. "Für ein Leben zu Hause, nur mit Mann und Kind, bin ich wohl verdorben", resümierte sie einmal. "Dazu habe ich zu früh mit der Filmerei angefangen."

Viel zu früher Tod

Am glücklichsten war die Amerikanerin wohl während ihrer Ehe mit dem französischen Diplomaten und Schriftsteller Romain Gary, den sie 1963 heiratete. Als die Verbindung, aus der Jeans einziger Sohn Diego stammt, zerbrach, stürzte ihre Welt zusammen. Denn während sie sich für die schwarze Befreiungsorganisation "Black Panthers" engagierte, ließ das FBI das Gerücht verbreiten, sie erwarte ein Kind von einem Schwarzen. Einen Monat nach der Scheidung brachte sie ein weißes Mädchen zur Welt, das nur drei Tage alt wurde. Obwohl damit ihre Unschuld bewiesen war, boykottierte die amerikanische Filmindustrie Jean Seberg. Sie zog sich zurück. "Hollywood? Das ist für mich gestorben", sagte sie 1977. Die "Frau mit viel Vergangenheit" begann Gedichte zu schreiben, ihre Memoiren und sogar ein Buch mit Tipps für Selbstmordgefährdete.

Im September 1979 fand man Jean Seberg tot in ihrem Wagen unweit des Bois de Boulogne in Paris auf. Acht Tage lang hatte die Schauspielerin niemand mehr gesehen, und eigentlich sprach alles für eine Selbsttötung. In Sebergs Auto wurden Schlafmittel gefunden, außerdem ein Abschiedsbrief. Romain Gary machte wenig später das FBI dafür verantwortlich, Seberg mit seiner Kampagne in den Selbstmord getrieben zu haben.

Ein Jahr nach Sebergs Tod eröffnete die französische Polizei Ermittlungen: Seberg sei zum Zeitpunkt ihres Todes derart betrunken gewesen, dass sie es nicht alleine in ihr Auto habe schaffen können. Jemand muss ihr also dabei geholfen haben, so die Ermittler - und die Schauspielerin anschließend in ihrem Zustand allein gelassen haben. Bis heute sind die Hintergründe des tragischen Todes nicht restlos aufgeklärt.

Von Jasmin Herzog

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