Martin Scorsese: Bittere Abrechnung mit der Filmindustrie

Filmemacher Martin Scorsese ("The Wolf of Wall Street") hat für das "Harper's Magazine" einen langen Essay über Regielegende Federico Fellini geschrieben - und die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen die heutige Filmindustrie genutzt. "Noch vor fünfzehn Jahren hörte man den Begriff 'Inhalt' nur, wenn man ernsthaft über das Kino diskutierte, und er wurde der 'Form' gegenübergestellt und an ihr gemessen", schreibt Scorsese. "Dann wurde er allmählich mehr und mehr von Leuten verwendet, die Medienunternehmen übernahmen und meisten nichts über die Geschichte dieser Kunstform wussten."

Scorsese, der zuletzt für Netflix das Mafia-Epos "The Irishman" gedreht hat, lässt auch an Streamingdiensten kein gutes Haar. Zwar hätte auch er von den Anbietern profitiert, schreibt der 78-Jährige. "Andererseits haben sie eine Situation geschaffen, in der dem Zuschauer alles auf gleicher Augenhöhe präsentiert wird, was demokratisch klingt, es aber nicht ist. Wenn 'Algorithmen' vorschlagen, was man als Nächstes schauen soll, basierend auf dem, was man bereits gesehen hat, und die Vorschläge nur auf dem Thema oder dem Genre basieren, was macht das dann mit der Kunst des Kinos?"

Erinnerungen an Scorsese Marvel-Kritik

Seit den Zeiten Fellinis (1920 bis 1993) habe sich "alles verändert - das Kino und sein Stellenwert in unserer Kultur", stellt Scorsese fest. "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass das Filmgeschäft, so wie es ist, sich um das Kino kümmert."

Scorseses Abrechnung mit der heutigen Filmlandschaft erinnert an die Kritik, die er 2019 an Superheldenfilmen geäußert hatte. Der Regisseur hatte damals Marvel-Streifen mit einem Vergnügungspark verglichen. "Das ist kein Kino", so Scorsese in einem Interview mit der Filmzeitschrift "Empire". "Ehrlich gesagt, ähneln diese Filme für mich, so gut sie auch gemacht sein mögen, eher Vergnügungsparks, mit Schauspielern, die unter diesen Umständen das Beste geben, was sie können. Es ist nicht das Kino von Menschen, die versuchen, emotionale und psychologische Erfahrungen einem anderen Menschen zu vermitteln."

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