Multitalent und Skandal-Regisseur: Herbert Achternbusch ist tot
Das umfangreiche Werk des Eigenbrötlers wird auch seinen Tod überdauern: Multitalent Herbert Achternbusch galt als eines der letzten Münchner Originale und bayrischer Rebell. Nun ist der Regisseur, Autor und Maler im Alter von 83 Jahren in München verstorben. Was von Achternbusch bleibt sind neben zahlreichen Filmen, Bildern, Romanen, Gedichten, Hörspielen und Theaterstücken auch sein Image als Grantler - und als skandalbehafteter Filmemacher.

Insbesondere sein Film "Das Gespenst" (1982) sorgte für eine Welle der Entrüstung unter gläubigen Christen. In einer Szene steigt Jesus Christus höchstselbst in einem bayrischen Kloster vom Kreuz und hat Sex mit einer jungen Ordensschwester. Die Folge waren mehrere hundert wütende Katholiken vor den Kinos, es wurde gar in den Saal uriniert, in Österreich wurde das Werk sogar beschlagnahmt.

Herbert Achternbusch beschränkte sich jedoch nicht auf diese Provokation: In "Bierkampf" (1976) etwa reizte er Betrunkene auf dem Münchner Oktoberfest so lange, bis diese ihn traten und wegjagten. Dem damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß ging es wortwörtlich in "Der Depp" aus dem Jahr 1982 an den Kragen: In der Schlussszene wird der CSU-Politiker vergiftet - im Hofbräuhaus. Über Jahre hinweg waren bei öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten keine Achternbusch-Filme zu sehen. Weitere bekannte Werke Achternbuschs sind etwa "Der Komantsche" (1979) oder "Punch Drunk" (1987).

Seine Heimat hat ihn "kaputtgemacht"

Achternbusch wurde 1938 als uneheliches Kind in München geboren und stammte nicht zuletzt deshalb aus unglücklichen Familienverhältnissen. Der Ehemann der Mutter nahm sich das Leben. Seit seinem fünften Lebensjahr lebte er bei seiner Großmutter im Bayerischen Wald, besuchte seine Mutter in München nur in den Ferien. Nachdem er kurzzeitig an der Münchner Kunstakademie studierte, widmete er sich zunächst der Schriftstellerei.

Sein Verhältnis zu seiner Heimat Bayern war beileibe kein harmonisches. Dies wird etwa an einem Zitat aus "Servus Bayern" (1977) deutlich, dass vielen Menschen im Gedächtnis bleiben wird: "Diese Gegend hat mich kaputtgemacht, und ich bleibe so lang, bis man es ihr anmerkt." Als seine größte Zeit gelten die 70er- und 80er-Jahre. Doch nicht nur seine Filme zogen Aufmerksamkeit auf sich. Im Theater feierte er etwa mit den Stücken "Ella" und "Gust" große Erfolge, die von drastischer Derbheit, aber auch Poesie und Liebe erzählen.

Dass es nicht einfach war, mit dem sechsfachen Vater befreundet gewesen zu sein, drückte Schauspieler Josef Bierbichler, der für zahlreiche Projekte mit dem Regisseur zusammenarbeitete, in einem Interview mit dem "Spiegel" mal folgendermaßen aus: "Ein wirklich aufregender Mensch ist immer auch ein Vollidiot, ein echtes Arschloch. Gleichzeitig kann er unglaublich anziehend und liebenswert wirken." Je extremer ein Mensch veranlagt sei und je mehr Gefühle er zuließe, "desto unerträglicher wird er".

Von teleschau