"Fast & Furious 9"
Filmbewertung: akzeptabel
Starttermin: 15.07.2021
Regisseur: Justin Lin
Schauspieler: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster
Entstehungszeitraum: 2021
Land: USA
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 143 Min.
Wenn alles nichts hilft, bleibt nur die Flucht ins All
Die alten Hasen haben jahrelang Erfahrung gesammelt. 20 Jahre, um genau zu sein. Seit 2001 wurden - inklusive des Spin-offs "Fast & Furious: Hobbs & Shaw" - ungefähr alle zwei Jahre die Motoren angelassen. In 20 Jahren, daran lässt sich nichts ändern, wird man älter: Wenn sich die Gang also in "Fast & Furious 9" zum Familientreffen versammelt, dann sind Ermüdungserscheinungen nicht zu verleugnen: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster und Co. sehen abgekämpft aus.

Ihr Alter hindert die Adrenalinjunkies freilich nicht daran, sich wie noch einmal wie Kindsköpfe in wilde Autorennen und Schlägereien zu stürzen. Sie können eben nicht aus ihrer Haut. Wirklich schlimm ist das nicht: Die infantile Begeisterung für Boliden und Ballereien macht seit jeher den Reiz der Action-Reihe aus.

Also rasen Dom Toretto (Diesel), Letty (Rodriguez) und all die anderen alten und neuen Mitglieder der "Fast & Furious"-Familie durch die Straßen an allen möglichen und unmöglichen Orten der Welt: London, Tokio, Edinburgh, Tiflis und irgendwo in Aserbaidschan. Selbst durch den Urwald brettern sie mit der Tachonadel rechts. Für den gemeinen Pendler ist das ein Ding der Unmöglichkeit, nicht aber nicht für die alten Rennhasen. Die können alles, auch die Physik aushebeln.

Noch ein Toretto

Freilich ist die Verleugnung physikalischer Gesetze nicht das größte Problem, in dieser Hinsicht halten Regisseur Justin Lin und Drehbuchautor Daniel Casey einige andere realitätsfremde Volten bereit: Totgeglaubte leben doch etwas länger, und Doms Familie bekommt unerwarteten Zuwachs (gespielt von John Cena). Dass überall auf der Welt auf wundersame Weise die passend getunten Autos vollgetankt bereitstehen, daran hat man sich ja schon lange gewöhnt.

Die konsequente Vereinfachung hat ihre Vorteile: "Fast & Furious 9" funktioniert auch, ohne eine Sekunde der Vorgänger gesehen zu haben. Man kann den Film an sich vorbeirasen lassen, ohne sich groß über Stammbäume und Beziehungsgeflechte Gedanken machen zu müssen. Ab und zu wird, quasi im Rückspiegel, Doms Vergangenheit beleuchtet. Und dass Letty nicht die leibliche Mutter von Doms Sohn Brian ist, wird für Unwissende in einem Nebensatz erklärt. Das reicht.

Absurder Trip ins All

Das muss reichen. Schließlich ist "Fast & Furious" kein Drama, sondern Unterhaltungskino, und ist trotz kurzer Abstecher in persönliche Gefilde extrem geradlinig erzählt. Also hat Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) erneut einen launigen Auftritt, diesmal zusammen mit einem größenwahnsinnigen Narzissten, der seine unerschöpflichen finanziellen Ressourcen mit dem bemerkenswerten Satz erklärt: "Ich bin der Sohn eines Diktators, Geld spielt nun wirklich keine Rolle." Die beiden wollen eine Waffe in ihren Besitz bringen, "die so gefährlich ist, dass sie nicht existieren sollte".

Das muss natürlich verhindert werden, einerseits mit vielen Sprüchen und Weisheiten, andererseits mit einem absurden Ausflug ins Weltall, der ganz erheiternd ist. Die ausgiebigen Verfolgungs- und Krawallorgien hingegen sind nach 20 Jahren "Fast & Furios" nicht mehr wirklich erheiternd. Irgendwie hat man alles schon gesehen: Neu ist lediglich ein Supermagnet, der als zentrales Gimmick im Film von allen Seiten zur Vorteilsverschaffung eingesetzt wird. Und dann ist da noch Helen Mirren, die Dom durch die britische Hauptstadt chauffiert, ehe sich die ganze Familie bei einem gemütlichen Vorstadt-Barbecue zu einer altersgerechten Abendveranstaltung trifft.

Von Andreas Fischer