"Sonic The Hedgehog"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 13.02.2020
Regisseur: Jeff Fowler
Schauspieler: James Marsden, Jim Carrey, Neal McDonough
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 6
Verleih: Paramount Pictures Germany
Laufzeit: 99 Min.
Blaues Wunder
Es war einmal ein kleiner blauer Igel. Er war der Hauptcharakter des 1991 erschienenen Videospiels "Sonic the Hedgehog" der Firma Sega. Als 8-Bit-Pixelgrafik raste er in Überschallgeschwindigkeit durch die Level, rettete unterwegs Schildkröten und nahm es mit dem bösen Dr. Robotnik auf. Jetzt erlebt Sonic seine Abenteuer in einem ersten Live-Action-Film - animiert natürlich, aber umgeben von Menschen aus Fleisch und Blut. Im Vorfeld hatte es heftige Kritik der Sonic-Fans am Aussehen des Computer-Helden geben - er sehe aus wie ein "Igel im Jogginganzug", so der Tenor nach Veröffentlichung des ersten Trailers. Die Macher um Regisseur Jeff Fowler haben sich die Kritik zu Herzen genommen und für geschätzte fünf Millionen US-Dollar einen neuen Sonic erschaffen, der die Fans, glaubt man den Reaktionen im Netz, schließlich glücklich machte. Gesprochen wird er in der Originalversion des Films von Ben Schwartz, in der deutschen Synchronisation von YouTuber Julien Bam. Die Handlung bedient sich natürlich beim Sega-Videospiel.

Der flinke Igel wird zu Beginn von "Sonic The Hedgehog" auf einem fernen Planeten von sehr bösen Wesen gejagt. Er flieht auf die Erde, um dort gut versteckt überleben zu wollen. Doch so einen Kraftprotz und Unruhegeist hält es natürlich nicht in seiner Höhle mit gemütlichem Sitzkissen. Und so wird er bei einer Geschwindigkeitskontrolle des gelangweilten Kleinstadtpolizisten Tom Wachowski (James Marsden) auf der Landstraße entdeckt: Die ebenfalls anwesende Schildkröte erreicht 0,01 Meilen pro Stunde, der rasende Igel 300.

Für die klimabewussten Fridays-for-Future-Kids um Greta Thunberg wäre Sonic ein Geschenk: Das kleine Tier ist ein Energiebündel, das das ländliche Kleinstädtchen Green Hills energetisch aus- und wieder einschalten kann. Dabei wird nicht nur die Regierung auf das blaue Wunder aufmerksam. Auch der oben erwähnte Dr. Robotnik (Jim Carrey) hat es sich in den wirren Kopf gesetzt, diese unerschöpfliche Kraftquelle für seine miesen Weltherrschaftsphantasien zu benutzen.

Alf lässt grüßen

Wie schon in "Spione undercover" vom letzten Jahr stellt sich auch bei "Sonic The Hedgehog" die Frage, warum ein Kinderfilm so brutal sein muss. Sind die Kleinen so abgebrüht, dass ihnen die Kugeln um die Ohren pfeifen können - und sie werden in ihrem Kinosessel weder erschreckt und noch erschüttert? Detailreiche Kneipenschlägereien, gnadenlose Verfolgungsjagden und zerstörerische Drohnen lassen immer wieder vergessen, dass "Sonic the Hedgehog" ein Kinderfilm sein will.

Immerhin: James Marsden spielt den Kleinstadt-Cop kindgerecht und freundlich harmlos. In halbdunkel ausgeleuchteten Szenen sieht er manchmal aus wie der zahme Tom Cruise. Jim Carrey hingegen hatte schon bessere Tage und Filme. Unvergessen bleibt sein Andy Kaufman in Miloš Formans "Der Mondmann". Carrey gibt in "Sonic the Hedgehog" nun den rumkrakelenden Welteroberer unangenehm irre, der es mit keinem Charisma eines Bösewichts in einem James-Bond-Film aufnehmen kann. Es schmerzt schon, wenn man Carrey in Filmen wie "Die Truman Show" und "Vergiss mein nicht" erlebt hat.

Regisseur Jeff Fowler arbeitet nicht nur mit dem Szenario des einst beliebten Videospiels: hier eine Prise von "Alf", da eine Prise von "Zurück in die Zukunft". Die Frisuren des blauen Igels Sonic zwischen Punk-Stacheln und Afro-Wuschel-Look sind originell und hübsch anzusehen. Zwischen Sonic und dem Hund von Tom Wachowski kommt es zu kleineren Eifersuchtsszenen, die durchaus witzig sind. Es geht auch um die Wahrscheinlichkeit von Freundschaft zwischen Außerirdischen und Menschen. Alf verließ irgendwann im Trenchcoat die Erde. Und auch Sonic muss sich schließlich entscheiden, wo er leben möchte.

Von Felicitas Hübner
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