"Axel der Held"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 15.08.19
Regisseur: Hendrik Hölzemann
Schauspieler: Johannes Kienast, Emilia Schüle, Sascha Alexander Gersak
Entstehungszeitraum: 2018
Land: D
Freigabealter: 12
Verleih: W-film Filmproduktion & Filmverleih
Laufzeit: 90 Min.
Träumen muss erlaubt sein
Der Träumer ist eine häufig bemühte Spezies in der Literatur und noch mehr im Kino. Dort, wo sich Realität so wunderbar mit Wunschvorstellung verschmelzen lässt, blühen Schwärmer auf. Der titelgebende Protagonist in "Axel der Held" ist ein solcher Träumer. Denn bevor er schlussendlich zum Helden wird, hat er sich selbiges schon zigmal vorgestellt. So wirklich traut Axel (Johannes Kienast) sich das Heldentum nämlich nur zu, wenn er sich an seinem heimischen Modellnachbau des abgelegenen Örtchens Krönchen selbst Geschichtchen erzählt.

In Wirklichkeit bestimmt einzig und alleine der böse König Manne (Sascha Alexander Gersak) das Geschehen. Axel hat Spielschulden bei dem Hühnerfarm- und Casinomagnaten und arbeitet diese mit niederen Diensten ab. Doch irgendwann, so malt er es sich immer wieder aus, wird er nicht nur diese beglichen haben, sondern dem Ekel auch Jenny (Emilia Schüle) entreißen können, seine Liebe seit Kindertagen. Alleine schafft er dies natürlich nicht. Entscheidend für das Gelingen ist Waldschrat Heiner (Christian Grashof), der seinen Verschlag gegen Manne zu verteidigen versucht und sich dabei ebenso in eine fremde Welt verträumt - in die des größten aller Fantasten: Karl May.

Heldenmärchen und Tagträumereien

Der als "modernes Heldenmärchen" beworbene Film bereitet Axels Träumereien eine breite Bühne. Von dort zurück auf den Boden der Tatsachen ist's ein Stück, die Fallhöhe ist aber gering. Wenige, doch feine Comic-Überzeichnungen unterstreichen seine Fantasie, den ein oder anderen Ausbruch mehr hätte es dabei durchaus vertragen. Überhaupt: Regisseur und Autor Hendrick Hölzemann setzt die Märchenüberdrehungen dezent ein. Gerade so stark, dass man keinen Realismus fordern will. Doch nicht genug, um wirkliche Verrücktheit zuzulassen.

Tagtraumsequenzen sind seit jeher ein beliebtes Stilmitteln in Film und Serie. Ben Stiller etwa entkam 2013 ("Das erstaunliche Leben des Walter Mitty") einem Vulkanausbruch auf dem Longboard oder bestach afghanische Warlords mit einem Mandarinenkuchen - während er (wohl) im Fotoarchiv eines Magazins graue Haare bekam. Oder Zach Braff als J.D. in "Scrubs" (2001-2010), der in seinen geistigen Ausflügen dem ulkigen Gesamtwerk das Sahnehäubchen verpasste. Inszenatorisch ist Regisseur Hölzemann mit "Axel der Held" kein neuer Kniff gelungen. Die Aussetzer seines jungen Helden kommen unvermittelt und enden meist mit einem zurückführenden Erwecken. Was Traum, was Wahrheit ist, gibt keine weiteren Rätsel auf.

Der Filmemacher führte bisher nur bei "Kammerflimmern" (2004) in einem Langfilm Regie, wo er den jungen Matthias Schweighöfer verrauscht und müde als Sanitäter durch eine Großstadt trotten ließ. Wie damals ist es nun bei "Axel der Held" eine Stärke, dass zumindest dem Hauptdarsteller großes Vertrauen geschenkt wird. Lange Einstellungen mögen hier und da etwas Tempo rausnehmen, sie erlauben jedoch Nähe. Johannes Kienast hält dieser Stand, Zweifel und Verdutztsein stehen ihm bestens. So, als ob er selbst dem Träumen nicht abgeneigt wäre.

Von Max Trompeter
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