"Brightburn: Son of Darkness"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 20.06.2019
Regisseur: David Yarovesky
Schauspieler: Elizabeth Banks, David Denman, Matt Jones
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 16
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH
Laufzeit: 91 Min.
Missbrauchte Superkräfte
"Aus großer Kraft folgt große Verantwortung", heißt es bei Spider-Man, einem der bekanntesten Superhelden überhaupt. Wer außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, sollte sie mit Bedacht einsetzen, um seiner Umwelt nicht zu schaden. Eben diese Mahnung könnte den Machern des Horrorstreifens "Brightburn: Son of Darkness" als Ausgangspunkt gedient haben, als sie die Idee eines bösen Jungen mit Superkräften entwickelten. Das Drehbuch zu diesem Schocker schrieben Brian und Mark Gunn. Die Inszenierung übernahm David Yarovesky ("The Hive"), während im Hintergrund "Guardians of the Galaxy"-Regisseur James Gunn, der Bruder Brians und Cousin Marks, in der Rolle des Produzenten alle kreativen Fäden zusammenhielt.

Im Zentrum ihrer düsteren Abwandlung des Superheldenmythos steht der zwölfjährige Brandon (Jackson A. Dunn), der als Baby in einer Art Raumschiff in den Garten des Ehepaares Tori (Elizabeth Banks) und Kyle Breyer (David Denam) stürzte, dessen Kinderwunsch bis dahin unerfüllt geblieben war. Das plötzliche Auftauchen des menschlich aussehenden Knirpses aus dem All schien ein Geschenk des Himmels zu sein. Und so nahmen ihn die beiden kurzerhand als Adoptivsohn bei sich auf. Als der Junge nun plötzlich immer öfter unheimliche Verhaltensweisen an den Tag legt, kommen seine Eltern mehr und mehr ins Grübeln. Wie weit seine Zerstörungswut reichen wird, ahnen sie allerdings nicht.

"Brightburn: Son of Darkness" gibt sich auf Handlungs- und Figurenebene größtenteils mit bekannten Versatzstücken zufrieden. Originell ist im Grunde nur der Einfall, ein Kind aus einer anderen Welt als pervertierten Superhelden in Stellung zu bringen und sein grausames Treiben mit blutiger Konsequenz durchzuziehen. Zimperlich geht es hier wahrlich nicht zur Sache. Vielmehr setzen der Regisseur und seine Mitstreiter dem Zuschauer einige deftige Gewaltausbrüche vor, die man in dieser Form nicht unbedingt erwarten würde.

Anspruchslos, aber spannend

Äußerst zugeknöpft ist der Film hingegen, wenn es um die Frage nach den Hintergründen von Brandons destruktivem Wirken geht: Warum gelangte er auf die Erde? Verfolgt er einen größeren Plan? Und wenn ja, von wem bekommt er dann seine Anweisungen? Konkrete Antworten umschifft das Drehbuch beharrlich und streut lediglich kryptische Andeutungen aus, die in einer möglichen Fortsetzung eingehender beleuchtet werden könnten.

Dass der mit einer Laufzeit von rund 90 Minuten recht kompakte Horrorthriller trotz seiner inhaltlichen Limitationen die meiste Zeit zu unterhalten weiß, hat vor allem zwei Gründe. Erstens versteht es David Yarovesky, das Gefühl der Bedrohung in seiner mit einigen gelungenen Schockmomenten garnierten Inszenierung ständig anzuheben. Und zweitens liefern die Hauptdarsteller - was im Genre längst nicht selbstverständlich ist - ordentliche Leistungen ab, die das Mitfiebern erleichtern.

Jungschauspieler Jackson A. Dunn mag nicht der furchteinflößendste Satansbraten der Filmgeschichte sein. Als fieser, gleichgültig dreinblickender Bösewicht mit Superkräften macht er seine Sache jedoch gar nicht schlecht. Hin und wieder lässt einen die Kaltblütigkeit Brandons durchaus erschaudern. "Brightburn: Son of Darkness" erfindet das Rad keineswegs neu, hätte aus seiner Prämisse sicherlich noch mehr herausholen können, fügt vertraute Zutaten aber zu einem überwiegend wirkungsvollen Leinwandalbtraum zusammen.

Von Christopher Diekhaus
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