"John Wick: Kapitel 3"
Filmbewertung: überzeugend
Starttermin: 23.05.2019
Regisseur: Chad Stahelski
Schauspieler: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 18
Verleih: Concorde
Laufzeit: 131 Min.
Der Krieg geht immer weiter
Als Derek Kolstad vor ein paar Jahren das Drehbuch zu "John Wick" schrieb, stellte er sich den kompromisslosen Auftragskiller als einen Mann um die 70 vor. Jemand, der sich den Ruhestand wohlverdient hatte, der aber auf einen letzten Rachefeldzug geht, weil sein Hund getötet wurde. Auf dem Weg zur Verfilmung wurde aus dem alten Mann der damals 50 Jahre alte Keanu Reeves. Rückblickend ein Glücksfall, denn bei einem 70-jährigen Hauptdarsteller wären mehrere Fortsetzungen wohl nicht drin gewesen. Jetzt, da Teil drei in die Kinos kommt, ist Reeves zwar auch ein wenig gealtert. Für "John Wick: Kapitel 3" hat er sich allerdings wieder in Form gebracht. Und das sieht man.

"John Wick: Kapitel 3" setzt dort ein, wo der vorherige Film endete. Schon nach wenigen Minuten ist John Wick ein Excommunicado. Freiwild, auf das ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar ausgesetzt ist. Eine Legion von Killern ist hinter ihm her, und niemand darf ihm mehr helfen. Das ist der Auftakt zu zwei Stunden und zehn Minuten geballter Action. Was folgt, ist ein Kampf-Crescendo, bei dem stets aufs Neue versucht wird, nicht nur neue Akzente zu setzen, sondern auch noch spektakulärer als zuvor zu sein. John Wick auf einem Pferd, der sich mit einem Schwert gegen Killer auf Motorrädern verteidigt, ist da noch eine der harmloseren Ideen.

Während Wick auf der Flucht ist und sich in Richtung Afrika absetzt, herrscht zu Hause Bürokratie - aber auf Killer-Art. Denn Wicks Freunde, die ihm im vorherigen Film geholfen haben, das aber nicht durften, werden nun von einer Kontrolleurin und ihrem besten Killer zur Rechenschaft gezogen. Damit wird das vierte Kapitel vorbereitet, wenn auch etwas anders, als man es vielleicht erwarten würde. Denn so ehrenwert das Killer-Geschäft von außen auch aussehen mag, die Jacke ist den meisten doch näher als die Hose. Soll heißen: Es gibt natürlich Verrat, der - später - einen Blutzoll fordern wird. Aber das hat noch Zeit bis zum vierten Film.

Mehr vom selben

Denn Film vier wird wohl kommen. Zwar hatte Regisseur Chad Stahelski vor zwei Jahren noch erklärt, es sei nur eine Trilogie geplant. Irgendwann im Produktionsverlauf überlegte man es sich aber offenbar anders. Vielleicht auch, weil Keanu Reeves signalisierte, noch länger als John Wick zur Verfügung zu stehen, sollte das Publikum ihn weiterhin sehen wollen. Der neue Film ist darum nur ein weiteres Häppchen und kein Hauptgang, aber zumindest eines, das Action-Fans außerordentlich gut munden dürfte.

Im dritten Kapitel wird noch mehr gestorben als zuvor. Dabei erhält John Wick Hilfe, und zwar von der geheimnisvollen Sofia (Halle Berry). Berrys Rolle ist klein, sie musste sich aber wie Keanu Reeves mit monatelangem Training auf sie vorbereiten. Denn Berry steht im Mittelpunkt einer der wirklich furiosen Action-Sequenzen des Films, nach der es eine unumstößliche Lektion für alle Schurken zu lernen gibt: Vergreift euch nie an den Hunden absolut großartiger Killer! Das kann nur nach hinten losgehen.

"John Wick: Kapitel 3" ist vieles: spannend, actionreich, gut gespielt. Aber originell ist der Film nicht. Denn im Grunde wird nur mehr vom ewig selben geboten. Natürlich auf sehr hohem Niveau. Aber inhaltlich war schon beim zweiten Kapitel die Luft raus. Jetzt tritt man nur noch Wasser und tötet Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Gegnern. Das wirkt teilweise, als wäre man mitten in einem Ego-Shooter.

"John Wick: Kapitel 3" ist kein schlechter Film, aber einer, der nicht wirklich überrascht. Es ist ein bequemer Film, der dem Zuschauer all das liefert, was er erwartet, ohne sich dabei zu weit aus dem Fenster hinauszulehnen. Als Action-Kaskade macht der Film immens Laune, nur bleibt am Ende der etwas fade Beigeschmack, dass die Macher kein Ende gefunden haben und alles noch lange weitergehen wird. Es ist ein ewiger Krieg, in dem sich John Wick befindet. Dabei hätte er den Ruhestand nun doch wirklich verdient.

Von Peter Osteried

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